Magische Kraft des Toilettenpapiers

Toilettenpapier, Klorolle

Kaum war die närrische Faschingszeit zu Ende kamen bereits erste Meldungen über Hamsterkäufe. In den Nachrichten war zu lesen, dass die Menschen deutschlandweit mehr als dreimal soviel Klopapier kaufen wie im Durchschnitt der vorherigen sechs Monate. Ich war zunächst erstaunt und gleichzeitig wurde mir über den Zeitverlauf hinweg bewusst wie sehr meine eigenen Gedanken Einfluss auf mein inneres emotionales Erleben haben und das möchte ich gerne teilen:

Zuerst war ich erheitert darüber und hatte Spaß mich im Freundeskreis darüber zu amüsieren. Irgendwie fiel mir dazu auch das Klopapier-Lied aus meiner Kinderzeit ein: „Es saßen zwei Gestalten auf dem Donnerbalken und sie schrien nach Klopapier…“. Im Verlauf des Liedes gesellten sich immer mehr dazu bis der Zehnte nun das Ersehnte, nämlich Klopapier, brachte. Ich hatte auch gut lachen, denn ich noch hatte ich ein paar Rollen in Reserve.

Zwei Wochen später nahm nahm ich die letzte Rolle aus dem Regal und mein Vorrat war am Ende. Ich war zuversichtlich, dass ich beim nächsten Einkauf wie gewohnt etwas in den Regalen finden würde. Um ganz sicher zu gehen, dass ich daran denke, schrieb ich mir Klopapier auf den Einkaufszettel. Immerhin ist Klopapier die effizienteste Möglichkeit zur Reinlichkeit nach der Entsorgung der körpereigenen Endprodukte.

Ernüchterung

Leere Regale

Als ich im Supermarkt war sah ich leere Regale und war verunsichert, denn dieser Anblick war mir bis dato unbekannt. Ich brauchte Klarheit und entschied mich das Personal zu fragen, wann mit einer Neulieferung zu rechnen sei. Am kommenden Morgen bei Ladenöffnung sei die neue Lieferung im Regal zu finden. Wenn ich nicht pünktlich kommen würde, ginge ich leer aus, denn erfahrungsgemäß sei binnen 10 Minuten der Vorrat verkauft. Ich war bestürzt als ich das hörte und beschloss am kommenden Morgen um 8:00 Uhr vor dem Laden zu sein.

Ich organisierte meinen Tag so, dass ich um kurz vor 8:00 Uhr vor dem Drogeriemarkt war und sah betrübt in die teils sorgen- und teils hoffnungsvollen Gesichter der Menschenmasse, die sich traubenförmig in respektvollem Abstand von 1.50m vor der Eingangstüre versammelte . Gleichzeitig fühlte ich mich schuldig und beschämt zu in etwa gleichen Teilen. Schuldig dafür, dass ich mich noch vor wenigen Wochen über die Hamsterkäufe amüsierte und beschämt darüber, dass ich nun in den gleichen Reihen stehe. Schließlich entspricht es nicht gerade meinem Selbstbild als Hamster gesehen zu werden.

Froh und erleichtert verließ ich den Laden, denn ich ergatterte eine Packung die meinen Bedarf gemäß dem Blitzrechner für Toilettenpapier für die kommenden 60 Tage reichen sollte. Mit Selbsteinfühlung wertschätzte ich, dass ich meinen Werten entsprechend nur meinen Mindestbedarf sicherte, so dass für andere auch noch etwas übrig war. So war ich völlig mit mir im Einklang und hoffnungsvoll, dass sich die Corona Pandemie bis zum nächsten Einkauf entspannt.

Wie ergeht es Dir in der Zeit dieser Pandemie? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Nähe trotz Distanz durch „zoom“

Zoom Videokonferenzdienst

Ein großes Hobby meiner Jugend war die Fotografie. Fasziniert war ich von den Zoom-Objektiven. Damit konnte ich die Objekte die in der Ferne lagen so vergrößern, dass sie ganz nah erschienen. In der heutigen digitalen Welt ist das Zoomen in der Fotografie immer noch populär. Der Begriff ZOOM hat sich gerade in der Zeit der Corona Krise noch auf einem anderen Weg einen Namen gemacht: Es ist ein Programm mit dem Videokonferenzen für jedermann durchgeführt werden können.

Auch wenn ich den direkten menschlichen Kontakt, mit allen Teilnehmern in einem Raum aufgrund der besonderen Energie sehr schätze, so sind Online-Konferenzen das Mittel der Wahl. Fahrtzeiten werden vermieden und quasi von jedem beliebigen (Lieblings-) Ort der Welt mit Internetanschluss kann ich mit anderen Menschen an ihrem Lieblingsort in Kontakt kommen und bleiben.

Warum Zoom?

Erste Erfahrungen mit Online-Konferenzen habe ich 2010 mit Microsoft Skype gemacht. Inzwischen habe ich mich jedoch für Zoom entschieden, weil

  • es durch Anklicken des Zoom-Meeting-Links einfach zu starten ist,
  • weder eine Teilnehmerregistrierung noch eine aufwändige Installation für Laptops zwingend erforderlich ist (Smartphones und Tablets benötigen allerdings die kostenlose Zoom-App),
  • Bildschirminhalte und Präsentationen den Teilnehmenden gezeigt werden kann und
  • es die Möglichkeit bietet in separaten „Räumen“ in Kleingruppen oder Dyaden zu arbeiten.

Leider gilt in der digitalen Welt: „Je einfacher die Anwendung, desto größer können die Sicherheitslücken sein.“ Vielleicht geriet „Zoom“ deshalb in den vergangenen Wochen häufiger in die Presse, weil immer wieder Sicherheitslücken entdeckt wurde. So lange meine persönlichen Daten und Dateien geschützt bleiben, irritieren mich diese Sicherheitslücken jedoch weniger und ich vertraue dem Hersteller, dass er im eigenen Interesse jede dieser Sicherheitslücken sauber schließen wird, um nicht vom Markt zu verschwinden.

Um in meinen Zoom-Meetings unerwünschte Gäste auszuschließen, gestalte ich sie so, dass die Teilnehmer von mir einen Link mit Meeting ID und Kennwort erhalten. Damit gelangen die Teilnehmer in einen Warteraum. Ich übernehme die Rolle des Türstehers und öffne jedem Teilnehmer die Tür zum Meeting. Um Nebengeräusche zu vermeiden, sind alle Teilnehmer bei Eintritt auf stumm geschaltet.

Zoom installieren und Meeting starten

Auf Smartphone oder Tablet wie z.B. Ipad empfehle ich, VOR dem Anklicken des Meeting Links die „Zoom“ App bei GooglePlay oder aus dem Apple AppStore zu laden und zu installieren. Die App benötigt Zugriff unter anderem auf Lautsprecher und Mikrofon als auch auf die Aufnahmefunktionen. Beim Anklicken des Links öffnet sich die App und das Meeting startet.

Auf einem Laptop oder Desktop PC mit Audio und Kamera öffnet sich beim Anklicken des Links das Fenster des Browsers (Internet Explorer, Google Chrome, etc) kommt der Hinweis „Klicken Sie bitte auf Zoom öffnen, wenn man den Systemdialog sieht.

Falls Zoom noch nicht installiert ist, selektiere „Herunterladen und Ausführen von Zoom“. Dadurch installiert sich Zoom und anschließend startet das Meeting.

Zoom Meeting Ansicht unter MS-Windows (TM)

Funktionen für Teilnehmer

Auch wenn die Funktionen von Zoom weitestgehend selbsterklärend sind, so möchte ich auf ein paar grundsätzliche Funktionen hinweisen.

Nachdem Du im Meeting bist, hast du in der oberen rechten Ecke zwei Funktionen. Du kannst von „Sprecheransicht“ (der Teilnehmer der gerade spricht wird vergrößert dargestellt) auf „Gallerieansicht“ (alle Teilnehmer sind gleich groß) umschalten. Wenn Du auf das Symbol rechts daneben klickst, kommst Du in den Vollbildmodus.

In der Aktionsleiste am unteren Bildschirmrand (hier in der Darstellung von MS-Windows) oder am oberen Rand (Apple Ipad) sind folgende Funktionen:

  • Audio – bei aktiviertem Audio ist das Symbol ein Mikrofon, wenn Audio noch nicht aktiviert ist ein Kopfhörer. Wenn Du auf das ^ Symbol klickst, öffnet sich ein Menü mit Funktionen, um Audio zu aktivieren und zu testen. Klickst Du direkt auf das Mikrofon kannst Du Dein Mikrofon stummschalten oder die Stummschaltung aufheben,
  • Video – hier kannst Du die Videofunktionen aktivieren und deaktivieren und die Kamera auswählen,
  • Teilnehmer – hierüber kann die Teilnehmerübersicht und eine „Interaktionsleiste“ eingeblendet werden,
  • Chat – über die Chatfunktion können Textmitteilungen an ein oder alle Teilnehmer gesendet werden,
  • Bildschirm freigeben – hierüber können eigene Bildschirminhalte freigegeben werden,
  • Reaktionen – hier können Reaktionen wie „Beifallklatschen“ und “ Daumen hoch“ als spontane Teilnehmerreaktion eingeblendet werden.
  • Meeting verlassen – Damit verlässt Du das Meeting.
Teilnehmerübersicht

In der Teilnehmerübersicht werden alle Gruppen-Teilnehmer angezeigt. Das Mikrofonsymbol und das Kamerasymbol zeigen den jeweiligen Zustand an.

Durch die Symbole kann mit dem Meetingorganisator interagiert werden.

  • Handzeichen – quasi „melden“, dass man etwas beitragen möchte
  • Grüner Haken – Einverstanden
  • Rotes X – Nicht einverstanden
  • << – Bitte langsamer bzw. wiederholen
  • >> – Bitte schneller

Bei den drei Punkten kommen weitere Symbole wie z.B. Daumen hoch, Daumen runter, Winkende Hand, eine Uhr und eine Kaffeetasse.

Funktionen für Kleingruppenarbeiten

Befindest Du Dich in einer Kleingruppen- oder Partnerarbeit in einer sogenannten „Breakoutsession“, kannst Du jederzeit „Um Hilfe Bitten“ anklicken und Unterstützung vom Meeting Organisator (also von mir) anfordern.

Aktionsleiste während der Breakout-Session

Zum Schluss möchte ich gerne noch darauf hinweisen, dass ich, auch wenn ich mich aufgrund meiner angenehmen Erfahrung für Zoom ausspreche, jede Haftung bei der Anwendung von Zoom ausschließe und davon ausgehe, dass jeder Zoom auf eigene Verantwortung verwendet.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit Zoom! Schreibe gerne Deine Fragen oder konstruktive Anmerkungen in den Kommentar.

Was hält mich in Gefangenschaft?

Was hält mich in Gefangenschaft, Ketten St. Leonard de Noblat

Im Jahr 2013 pilgerte ich von Bad Soden im Taunus nach Santiago di Composela im Nordwesten Spaniens. Kurz vor Limoges passierte den Ort Saint-Léonard-de-Noblat, welches nach dem gleichnamigen Heiligen benannt wurde. Saint-Léonard-de-Noblat kennzeichnete sich dadurch aus, dass er Gefangene freikaufte, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. So ist er heute der Schutzheilige derer die in Ketten liegen: der Gefangenen.

Auf dem Weg inspirierte mich die Geschichte des Heiligen Leonard darüber nachzudenken, was mich in meinem Leben gefangen hält und davon abhält ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen. Ebenso besinne ich mich jedes Jahr besonders am Aschermittwoch darauf, was mich gefangen hält. Ganz besonders sind es die täglichen Dinge die einfach zur Gewohnheit wurden. Wie zum Beispiel die tägliche Tüte Chips, das Feierabend-Bier in der Kneipe nebenan, das geistige Abschalten vor dem oft zu anspruchslosen Fernsehprogramm.

Einerseits sind Gewohnheiten etwas ganz Praktisches. Es sind eingespielte Rituale, wie das morgendliche Zähneputzen über das ich gar nicht lange nachdenken muss. Rituale verlaufen nahezu automatisch, geben dem Tagesablauf Struktur und Sicherheit, entwickelten sich so zur Normalität und sind Wege, um mir unbewusst irgendwelche Bedürfnisse zu erfüllen.

Das tägliche Zähneputzen und die Morgentoilette sind Strategien, um mein Bedürfnis nach Gesundheit zu erfüllen und die Besuche beim Zahnarzt zu reduzieren. Das tägliche Feierabend-Bier hingegen erfüllt mein Bedürfnis nach Entspannung, manchmal auch nach Gemeinschaft und gleichzeitig ist es der Gesundheit nicht unbedingt dienlich.

Ausbrechen aus Gewohnheiten

Wenn ich entdecke, welche Gewohnheit mich „gefangen“ hält, kann ich gleichermaßen erforschen, welches Bedürfnis ich mir dadurch erfülle und wenn ich das wahre Bedürfnis erkenne, kann ich mir alternative Strategien ausdenken, um mir das Bedürfnis zu erfüllen und so aus meinem Gefängnis ausbrechen.

D.h. in folgenden Schritten kommst Du aus Deinem Gefängnis raus:

  1. Was ist die unerwünschte Gewohnheit? (z. B. die Kalorienbombe nach dem Essen, der Kaffee am Morgen, „unnötige“ Besprechungen besuchen, etc)
  2. Erforsche: Welches Bedürfnis erfüllst Du Dir durch diese Gewohnheit?
  3. Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um Dir das Bedürfnis zu erfüllen?
  4. Prüfe: Gibt es weitere Bedürfnisse, die Du Dir durch die unerwünschte Gewohnheit erfüllst und welche Möglichkeiten gibt es dafür?
  5. Prüfe: Wie fühlt es sich an aus dem Gefängnis der unerwünschten Gewohnheiten auszubrechen? (Wenn „leicht“ dabei ist, ist das gewollt 😉 )
  6. Was ist Dein konkreter nächster Schritt bzw. Deine Bitte an Dich, um neue Wege zu gehen?

Zugegeben, es mag sich leichter lesen als in Wirklichkeit umzusetzen ist. Der Weg aus dem eigenen Gefängnis wird jedoch in der Regel durch mehr Lebensgefühl und ein weiteren Schritt hin zu einem selbstbestimmteren Leben belohnt.

Trinkgeld – Wieviel ist genug?

Trinkgeld

Wenn mir im Restaurant das Essen lecker geschmeckt hat, nach dem Friseurbesuch meine Frisur wieder sitzt oder wenn mich der Taxifahrer unfallfrei und pünktlich zum Zielort gefahren hat, ist es irgendwie üblich noch ein Trinkgeld zu geben. Wie viel Trinkgeld ist genug und nach welchen Kriterien lässt sich Trinkgeld bemessen? In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken dazu teilen und klären wie Trinkgeld geben mit Selbsteinfühlung verbunden ist.

Zur Illustration stelle ich mir als Beispiel einen Restaurantbesuch vor: Ich komme alleine, mit meiner Partnerin, Freunden, Geschäftspartnern oder Arbeitskollegen in ein Restaurant. Meinen ersten Eindruck des Service bestimmt die Freundlichkeit der Begrüßung. Als nächstes erhalte ich die Speisekarte, wähle Getränke und Essen und zwischendrin warte ich ein paar lange oder auch kurze Moment. Ich bekomme Getränke und Speisen serviert, verzehre mit mehr oder weniger Genuss und irgendwann bin ich fertig und bestelle die Rechnung. Die Bedienung kommt mit der Rechnung an den Tisch und nennt mir den Betrag. Es folgt ein kurzer, stiller, unwiderruflicher Moment der Wahrheit und des authentischen Selbstausdrucks zwischen mir und der Bedienung. Jetzt gilt es Farbe zu bekennen und die Höhe des Trinkgeldes zu benennen.

Was ist üblich?

Wenn ich mich unabhängig von meiner Zufriedenheit mit dem Service, denn darum geht es, einfach an einem gesellschaftlichen Rahmen orientieren möchte gebe ich in Deutschland angemessenen 5-10% der Rechnungssumme. Ähnlich verhält es sich im Rest von Europa. Biete ich in China Trinkgeld an, wird es als Beleidigung empfunden. In den Vereinigten Staaten hingegen, ist es eine Beleidigung, wenn das Trinkgeld geringer als 10-20% ausfällt. So gelten in anderen Ländern eben auch andere Sitten. Wenn mich nun jemand fragen würde woran ich das Trinkgeld bemessen habe, könnte ich antworten: „….weil es so üblich ist„. Damit zeige ich mich als Mensch, der sich gerne an gesellschaftlichen Regeln hält. Wenn ich nun trotz miserabler Servicequalität doch etwas gegeben habe, ärgere ich mich später auch noch darüber, dass ich überhaupt etwas gegeben habe.

Dr. Marshall B. Rosenberg, der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation, sagte augenscheinlich einmal: „Tue alles nur mit der Freude eines kleinen Kindes, das eine hungrige Ente füttert.“ Mir gefällt dieser Ansatz auch beim Bemessen des Trinkgeldes. Denn ich gebe alsTrinkgeld gerne, was ich auch mit Freude geben möchte, um mich authentisch zu zeigen.

Was gebe ich mit Freude?

Ich finde es einfach spannend mir bereits im Vorfeld ein wenig Selbsteinfühlung zu geben und mir selbst folgende Frage zu beantworten. Was hat in meinem inneren und äußeren Erleben dazu geführt, dass meine Bedürfnisse erfüllt wurden?

Wenn ich mit einem Lächeln und einem netten „Hallo“ begrüßt werde, fühle ich mich als Gast wahrgenommen und willkommen. Wenn die Wartezeiten angemessen sind, d.h. ich warte weniger als 5 Minuten auf die Karte und nach Bestellung weniger als 30 Minuten auf das Essen, bin ich zufrieden und mein Bedürfnis nach Effizienz (gerade in der Mittagspause) wurde erfüllt. Warte ich hingegen länger, frage ich mich wo das Essen bleibt und bin erst verwundert und dann genervt, was keine gute Ausgangsbasis für ein üppiges Trinkgeld ist. Für die Qualität des Essens möchte ich die Bedienung nicht verantwortlich machen, wohl aber mit der Art und Weise wie sie mit Kritik umgeht.

Die Höhe des Trinkgeldes bestimmt schließlich mein Gesamteindruck. Wie hat die Bedienung dazu beigetragen, dass ich mich wohlfühlte und mein Bedürfnis nach Wertschätzung erfüllt wurde. Wenn ich die Rechnung begleiche und der Bedienung in die Augen schaue und „Danke“ sage, bin ich froh, auch durch das Trinkgeld meine Wertschätzung gegenüber der Qualität des Services ausdrücken zu können. So wird das Trinkgeld zu einem gewissen Ausgleich: Mein Aufenthalt wurde durch die Bedienung angenehm gestaltet und durch das Trinkgeld möchte ich versuchen das Leben der Bedienung auch ein wenig angenehmer zu gestalten. Somit wird aus das „Trinkgeld aus Pflicht“ eine Strategie meine Wertschätzung auszudrücken. Eine Win-Win-Situation.

Was tun bei Unzufriedenheit?

Was ist zu tun, wenn ich völlig unzufrieden war? Auch hier empfehle ich die Selbsteinfühlung. Welche Bedürfnisse sind während meines Aufenthaltes in Mangel geraten? War es das ungepflegte Äußere der Bedienung, das mir von vornherein den Appetit verdorben hat oder die Unaufmerksamkeit? Kann ich es klar benennen? Dann äußere ich es und leiste dadurch hoffentlich einen Beitrag zur Steigerung der Servicequalität künftiger Gäste.

Bei anderen Menschen spielen beim Trinkgeld vielleicht noch andere Faktoren eine Rolle. Fällt die Höhe meines Trinkgeldes anders aus, wenn ich mit meiner Partnerin oder in Gesellschaft mit Freunden unterwegs bin? Will ich als Geizhals oder als großzügiger Mensch gesehen werden? Welche Rolle spielt die Attraktivität der Bedienung?

Wie gehst Du mit Trinkgeld um? Ich freue mich auf Deine Kommentare!

Skiurlaub oder Winterurlaub?

Dachsteinblick, Alpen, Winterurlaub

Warst Du schon mal im Skiurlaub? Ich fuhr einige Jahre lang Anfang Januar in den Skiurlaub und habe es genossen mit meinen Abfahrtsskiern schwungvoll ins Tal zu fahren. Skiurlaub bedeutete für mich immer bereits nach der Ankunft ein kleines „Vermögen“ gegen einen Mehrtages-Skipass einzutauschen und Skier für die Woche auszuleihen. Bei den Kosten für den Skipass wollte ich diesen auch maximal ausnutzen, d.h. so früh wie möglich auf die Piste und möglichst erst mit dem letzten Lift zurück.

Im Laufe der Jahre verlor ich irgendwie die Lust in den Skiurlaub zu fahren. Einerseits gewann ich den Eindruck, dass die Schneesicherheit nicht mehr gegeben war und kam häufig in Situationen, dass zu wenig Schnee lag, die Sessellifte und Gondelbahnen aufgrund von Winden nicht betrieben werden konnten oder heftiger Schneefall die Sicht und somit die Abfahrt erschwerte. Andererseits stresste ich mich selbst im Urlaub, weil ich in dem Glauben gefangen war, dass ich im Skiurlaub auch bei widrigsten Bedingungen Skifahren und den Skipass bis zum Ende ausreizen muss, um den Erholungseffekt zu maximieren.

In diesem Winter wurde mir klar, dass mein wesentliches Bedürfnis des Skiurlaubs gar nicht die Anregung durch das Skifahren war sondern die Erholung und die Gemeinschaft mit der ich unterwegs war. Ich löste meinen Glaubenssatz auf und beschloss anstelle in den Skiurlaub in den Winterurlaub zu fahren. Dadurch ergaben sich völlig neue Möglichkeiten! Ich unternahm entschleunigende Winterwanderungen, genoss das Panorama auf dem Dachsteingletscher, probierte Schneeschuhe aus, blieb bei Schneefällen lesend im Zimmer und nutze das sonnige Wetter auch zum Abfahrtsskifahren.

Das ist es doch eigentlich: wegkommen von einschränkenden Glaubenssätzen, hin zur Vielzahl an Möglichkeiten die eigentlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Welche Glaubenssätze schränken Dich ein? Welche würdest Du gerne wandeln? Ich freue mich über Deinen Kommentare

Gute Vorsätze fürs Neue Jahr

Wuensche

Auch wenn der Tageszähler unaufhaltsam weiter läuft, so scheint der Jahreswechsel einen Meilenstein im Leben zu markieren. Etwas „Altes“ was auch immer es war, wird abgeschlossen und etwas „Neues“ beginnt. Vielleicht kamst Du selbst zu dem Schluss, vielleicht gab es Hinweise von Freunden oder Bekannten, dass irgendwas im neuen Jahr besser oder zumindest anders laufen sollte und Du Dich deshalb von Laster oder Gewohnheiten verabschieden möchtest wie z.B. mit dem Rauchen aufhören, weniger Alkohol trinken (vor allem, wenn man am Neujahrstag völlig verkatert aufwacht), nachhaltiger Leben oder Gewicht reduzieren.

So fasst Du einen Guten Vorsatz und stellst unter Umständen schon nach kurzer Zeit fest, dass es keine Freude bereitet dem guten Vorsatz nachzukommen und verfällst wieder in die alten Gewohnheitsmuster zurück. Kommt Dir das bekannt vor?

Abschied von Gewohnheiten

Um die Chancen zu steigern sich nachhaltig von alten Gewohnheiten zu verabschieden ist es hilfreich sich zunächst mit dem alten Gewohnheitsmuster auseinanderzusetzen und einige der folgenden Fragen zu klären:

  • Wie habe ich das Gewohnheitsmuster entwickelt?
  • Welcher Glaubenssatz steckt hinter der Gewohnheit?
  • Was möchte ich erreichen wenn ich mich davon verabschiede?
  • Welches Bedürfnis erfüllte mir das Gewohnheitsmuster in der Vergangenheit?
  • Welche anderen Wege und Möglichkeiten gibt es mit auch in Zukunft diese Bedürfnisse zu erfüllen?

Es ist nun schon ein paar Jahre her, da hatte ich an Silvester beschlossen mit dem Rauchen aufzuhören. Beim Rauchen verspürte ich Leichtigkeit, meine Bedürfnisse nach Zugehörigkeit (zur Gruppe der Raucher) und nach Entspannung waren erfüllt. Vielleicht erfüllte ich mir durch die Werbebilder auch meine Vorstellung von Abenteuer und Wachstum. Außerdem war mein Appetit gezügelt, so dass ich den Genuss der Zigaretten gleichzeitig mein Gewicht kontrollieren konnte. Nach gut drei Monaten jedoch verfiel ich in alte Muster und begann wieder zu rauchen. Ein Grund war sicherlich, weil ich mir noch nicht im Klaren war, wie ich meine nun in Mangel geratenen Bedürfnisse sonst stillen kann.

Irgendwann jedoch begann ich zu Joggen und wollte immer weitere Strecken bis hin zum Marathon laufen. Durch die sportliche Aktivität hatte ich nun einen Weg gefunden mein Gewicht zu regulieren, erlebte beim Laufen selbst Entspannung, gehörte nun zur Gruppe der Sportler und meine Laufstrecken durch Feld- und Waldwege waren teilweise sehr abenteuerlich. Als ich meine Leistungsfähigkeit weiter steigern wollte, war die Raucherei eher hinderlich. So fiel es mir schlussendlich leichter mit der alten Gewohnheit zu brechen. Heute genieße ich die Freiheit, da ich mich vor Fernreisen am Flughafen nicht mehr in der Raucherkabine einsperren muss.

Wie sind Deine Erfahrungen mit eingefahrenen Wegen und Gewohnheiten? Welche möchtet ihr gerne ändern? Schreibt’s in den Kommentar.

Gedanken zur Weihnachtszeit

Weihnachtszeit, Gedanken, Weihnachtsmarkt

Nach dem farbenfrohen Oktober, der langsam den Abschied des Sommers ankündigt erscheint mir der November eher trist, nebelig und verregnet. Ab Totensonntag beginnt sich meine Stimmung jedoch wieder zu erhellen, denn in den Dörfern und Städten beginnt die Saison der Weihnachtsmärkte, die häufig farbenfroh Licht ins Dunkel bringen und mir signalisieren, dass das Weihnachtsfest und der Jahresausklang in greifbare Nähe rückt.

Ich liebe die Stimmung auf den Weihnachtsmärkten mit Glühweinständen und Futterkrippen. Gerade bei den kunstgewerblichen Verkaufsständen schaue ich mir gerne die Produkte an. Vielleicht ist ja etwas dabei das mich als Geschenk für jemanden oder mich selbst förmlich anspringt. Gemütliches Bummeln auf dem Weihnachtsmarkt wirkt für mich entschleunigend und inspirierend. Ich erfreue mich an den bunten Lichtern, der weihnachtlichen Musik, den unterschiedlichen Düften der dargebotenen Speisen und vor allem an der Gemeinschaft der Menschen die sich oftmals heiter und in Frieden vereint, um die Glühweinstände versammeln, .

Gleichermaßen ist außerhalb der Weihnachtsmärkte die Kehrseite des Weihnachtlichen Treibens zu beobachten. In den Büros wird daran gearbeitet noch das ein oder andere Geschäft abzuschließen, um die Jahresziele zu erreichen und in den Einkaufszentren herrscht ein reges und hektisches Gedränge, derer die auf der Jagd nach Geschenken für ihre Liebsten sind. Eigentlich eine Stimmung die nach meinem Verständnis wenig mit dem Charakter der Weihnacht zusammenhängt. Im Radio höre ich noch in den Nachrichten, wie sich der Einzelhandel über den Konsum in der Vorweihnachtszeit freut und bei Statista lese ich, dass die geplanten pro Kopf Ausgaben für Weihnachtsgeschenke bei rund EUR 475,- liegen. Diese Zahlen überraschen mich einerseits, da mein Budget wesentlich weniger vorsieht und betrüben mich zu gleich, da ich den Sinn von Weihnachten eher mit Liebe, Frieden und Gemeinschaft als mit Geschenken verbinden.

Welche Bedürfnisse erfüllen uns Geschenke?

Obwohl manche Geschäfte damit werben „Liebe“ oder „Freude“ zu schenken und mancher vielleicht auch den Spruch kennt „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, so geht es doch beim Beschenken in aller Linie mal um uns selbst. Durch die Auswahl eines Geschenkes überlegen wir uns zwar was dem Beschenkten gefallen oder die Beschenkte gebrauchen könnte, so erfüllen wir uns damit selbst ein Bedürfnis. Welches Bedürfnis das ist? Dazu habe ich keine Universalantwort, jedoch kannst Du es für Dich selbst herausfinden.

Versuche Dir in einem ersten Schritt selbst auf die Schliche zu kommen, in dem Du Dich an eine konkrete Situation zurückerinnerst in der Du selbst beschenkt wurdest:

  1. In welcher Beziehung standest Du zu dem Schenkenden? Waren es Vater, Mutter oder Kinder, deine Partnerin, einen engen Freund, eine nahe Verwandte oder ein ferner Bekannter?
  2. Erinnerst Du Dich noch an Deine ersten Gedanken als Du das Geschenk auspacktest? Wie war Deine Empfindung? Überwog Überraschung oder Enttäuschung, Freude oder Trauer, Scham oder Ärger?
  3. Konntest Du das Geschenk mit bedingungsloser Freude annehmen oder war da ein Gefühl der Verpflichtung?
  4. Welche Deiner Bedürfnisse wurden durch das Geschenk erfüllt?

Ich erinnere mich dabei gerne daran zurück als ich von meinen Eltern einen Baukasten geschenkt bekam, der zu meiner Entwicklung und Inspiration beigetragen hat. Als ich später von meinen Eltern ein Fahrrad bekam wurde mein Bedürfnis nach Mobilität erfüllt und mein Aktionsradius erweiterte sich. Gleichzeitig erinnere ich mich an eine Situation zu Weihnachten, die mich peinlich berührt hat, denn ich erhielt ein Geschenk und stand selbst mit leeren Händen da. Der Schenkenden war jedoch meine Freude darüber und mein herzlicher „Dank“ bereits Geschenk genug. Ach ja und dann erinnere ich mich immer wieder an den Moment als ein sehr konkreter Wunsch eines Kindes abweichend umgesetzt wurde. Heute denke ich immer wieder gerne an diese authentische kindliche Reaktion der Enttäuschung, wenn man scheinbar nicht gesehen bzw. gehört wird.

Mit Freude schenken

Wenn ich etwas verschenke, erfreue ich mich bereits im Vorfeld an der Verbindung, die ich quasi virtuell mit dem zu Beschenkenden eingehe, wenn ich an ihn denke und hinterfrage, ob ich überhaupt etwas schenken möchte und wenn ja was. Was ist es das die Verbindung auszeichnet und vor allem welche Bedürfnisse erfülle ich mir in dem ich etwas verschenken möchte?

  1. Verbinde Dich zunächst mit Dir selbst und frage Dich welche Bedürfnisse Du Dir erfüllen möchtest, wenn Du schenkst? Steckt vielleicht ein Glaubenssatz dahinter wie z.B.: „Man muss zu Weihnachten Geschenke machen?“ oder geht es Dir darum einen Ausgleich zu schaffen, Deine Dankbarkeit auszudrücken, zum Wohlergehen des Anderen beizutragen?
  2. Wenn Du darüber Klarheit erlangt hast, welche Bedürfnisse Du Dir durch das Geschenk erfüllen möchtest ist der nächste Schritt eine geeignete Strategie zu finden, wie Du Dir selbst dieses Bedürfnis erfüllen kannst.

Ich freue mich, wenn Dich dieser Beitrag inspiriert hat und bitte Dich einen Kommentar zu hinterlassen, wenn er für Dich nützlich war oder wenn Du Dir noch etwas mehr gewünscht hättest.

Umgang mit Autoritäten.

In diesem Blog-Artikel lade ich Dich ein Deinen Umgang mit Autoritäten zu erforschen. Hattest Du jemals traumatisierende Erlebnisse mit Autoritäten? Ist das der Fall dann führe die Übung bitte nur mit professioneller Begleitung durch. Einverstanden?

Um Dich in das Thema einzustimmen, lade ich Dir meine Geschichte dazu durchzulesen: Transit nach West-Berlin (1986).

Eigenschaften einer Autorität.

Wenn Du den Begriff Autorität hörst, welche Gedanken kommen Dir? Was macht eine Autorität aus undmit welchen Eigenschaften würdest Du eine Autorität beschreiben? Vielleicht kommen Dir Gedanken, dass Autoritäten Menschen mit besonderen Fähigkeiten oder besonderem Expertenwissen sind. Oder, dass es Menschen sind, die Verantwortungen tragen oder über besondere Entscheidungsbefugnisse verfügen. Vielleicht sind es die einsamen Cowboys and der Spitze eines hierarchischen Systems oder sie tragen eine besondere Uniform.

Ich denke Autoritäten lassen sich in die folgenden drei Kategorien einteilen. „Natürlich bestimmt“ so wie Vater und Mutter, „freiwillig bestimmt“ wie der Hausarzt oder mein Partner und schließlich noch „fremd bestimmt“ wie der Polizist der mich an der nächsten Straßenecke kontrolliert.

Natürlich bestimmtFreiwillig bestimmtFremd bestimmt
Vater, MutterHausarztNotarzt
GeschwisterkinderPartnerPolizist
GroßelternSportlerRichter
Oma, OpaMusiker Lehrer
KinderTrainerPfarrer

An welche Autoritäten denkst Du? Notiere alle die Dir einfallen untereinander auf der linken Seite eines Blattes oder eines Notizblocks.

Imaginiere die Autoritäten.

Nimm Dir nun ein wenig Zeit und lasse die einzelnen Personen vor Dein geistiges Auge treten und spüre tief in Dich hinein. Gibt es eine Autorität bei der Du unangenehme Gefühle bekommst? Wenn ja, welche Gefühle sind es und wo spürst Du körperliche Reaktionen? Notiere die unangenehmen Gefühle rechts neben die Autorität.

Welche Bedürfnisse geraten in den Mangel, wenn Du an diese Autorität denkst. Siehst Du eher die Rolle der Autorität oder eher den Menschen?

Gibt es eine Autorität bei der Du angenehme Gefühle bekommst? Wenn ja, welche Gefühle sind es und wo genau spürst Du körperliche Reaktionen? Notiere die angenehmen Gefühle rechts neben die Autorität.

Welche Bedürfnisse sind erfüllt wenn Du an diese Autorität denkst? Siehst Du eher die Rolle der Autorität oder eher den Menschen?

Weitere Schritte.

Gibt es Situationen mit den Autoritäten wo Du Dich eher unterwirfst oder rebellierst? Vor welchen Autoritäten hast Du Respekt und vor welchen hast Du Angst?

Welche Schlussfolgerungen ziehst Du? Woran möchtest Du weiterarbeiten?

Dieser Artikel ist noch in Bearbeitung 😉

Transit nach West-Berlin (1986)

Mein erster Wagen war ein knallroter Fiat Panda 34. Mit diesem Wagen wuchs mein Wunsch die „Welt“ oder zumindest Deutschland zu erkunden und besonders attraktiv erschien mir Berlin, denn dort hatte ich bei Verwandten eine günstige Übernachtungsmöglichkeit. Die Fahrt hatte nur einen Haken: Ich musste über die damalige Zonengrenze durch die DDR, um nach nach Berlin zu fahren. Bereits im Geschichtsunterricht lernte ich einiges über die Gräueltaten der Grenzsicherungsbeamten, die Jeden erschossen der aus der DDR fliehen wollte. Von Erzählungen hörte ich auch wie aufwändig die Grenzkontrollen seien, aber ich ließ mich nicht von meinen Reiseplänen abhalten.

Mit gültigem Reisepass machte ich mich bald auf die Fahrt von Frankfurt nach Berlin. Es standen zwei Strecken zur Auswahl. Entweder über den Grenzübergang bei Helmstedt oder Herleshausen. Ich entschied mich für letzteren, obwohl die Fahrt durch die DDR deutlich länger war. Die Ausreise aus der Kontrollstelle der BRD verlief flüssig und ich fuhr weiter bis zum Stauende vor der Grenzkontrollstelle. Irgendwann wurde der Verkehr auf zehn oder mehr Spuren aufgefächert und ich steuerte im Schneckentempo auf die erste Kontrollstelle der DDR zu. Je näher ich kam, desto mulmiger wurde mein Gefühl.

Einreise in die DDR.

Der DDR Grenzbeamte forderte „Reisepass!“ ohne auch nur eine Mine zu verziehen. Er behielt den Reisepass und winkte mich weiter. Jetzt stand ich inmitten der wartenden Autoschlange und versuchte so ruhig wie möglich zu wirken. Hier gab es nur ein langsames vor und definitiv kein zurück. Ich fühlte mich unfrei und hilflos. Grenzbeamte patrouillierten mit und ohne Maschinengewehren mit starrer Mine durch die Fahrzeugreihen. Von den nahegelegenen Wachtürmen sah ich wie sich die Sonne in den Ferngläsern der Grenzer spiegelte. So musste es sich anfühlen, wenn man auf dem Weg in den Hochsicherheitstrakt eine Gefängnisses war. Für die ca. 100 Meter bis zum nächsten Kontrollhäuschen benötigte ich eine gefühlte Ewigkeit.

An der zweiten Kontrollstelle wurde ich befragt, was ich auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik zu suchen hätte und wohin meine Reise ginge. Weiter wollte er starrer, emotionsloser Mine wissen, ob ich irgendwelche Drogen, Alkohol, andere gefährliche Substanzen, Waffen etc. im Gepäck hätte, was ich verneinte. In jedem anderen Fall wäre ich vermutlich direkt in die nächstgelegene Haftanstalt überführt worden. Seinen Fragenkatalog arbeite er erfolgreich ab, drückte mir schließlich den Stempel in meinen Reisepass und ließ mich passieren.

350km Anspannung.

Die nächsten 350km fuhr ich mit vollem Tank bei striktem Tempolimit von 100 km/h durch die DDR. Unterwegs waren mitten auf der Autobahn plötzliche Geschwindigkeitsbeschränkungen. Erst 60 km/h, dann 40 km/h, dann 20km/h und dann kam der Volkspolizist mit der Kelle: Fahrzeugkontrolle. Ob ich unterwegs etwas aufgenommen hätte, ob ich Rast gemacht hätte, jemandem geholfen hätte und weiteres wollte er wissen. Ich bestand diesen Test, fuhr unter Anspannung weiter und hoffte, dass mir weitere Schikanen erspart blieben und mein kleiner roter Fiat die Strecke nach Berlin pannenfrei überstehen würde.

Ich hielt mich so penibel wie noch nie an die Geschwindigkeitsbeschränkungen und fuhr noch nie so verängstigt wie dort. Die Angst bei der Kontrolle auch nur eine Frage falsch zu beantworten und dafür schikaniert zu werden, war zu groß. Ich war heilfroh, als Berlin in greifbare Nähe rückte und ich der letzten Schikane ausgesetzt war.

Ausreise aus der DDR.

Die „Ausreise“ aus der DDR, folgte einem ähnlichen Prozedere. Es war nur noch aufwändiger war als bei Einreise, denn ich hätte ja ein potentieller Fluchthelfer sein können, der auf einem Rastplatz jemanden mitnahm und irgendwo versteckte. Ich wurde intensiv befragt, Grenzpolizisten durchwühlten mein Gepäck, untersuchten mit Spiegeln den Unterboden meines Wagens und schoben eine flexiblen Metalldraht in den Tank, um zu prüfen, ob anstelle des Tanks ein Versteck für einen Flüchtigen wäre. Immerhin galt es ungesicherte Grenzübertritte mit allem Mitteln zu verhindern. Schließlich durfte ich passieren und die ganze Anspannung fiel mit einem Male von mir ab.

Einerseits war mein Bedürfnis nach Abenteuer nach dieser Fahrt erfüllt und gleichzeitig war da ein Gefühl von Hilflosigkeit, von Ausgeliefertsein und mein Bedürfnis nach Klarheit, Schutz, Sicherheit und Freiheit deutlich unterversorgt. Ich fuhr die Strecke natürlich mit gleichem Prozedere wieder zurück. Trotz der Schikanen fuhr ich noch häufiger mit meinem kleinen roten Flitzer nach Berlin. Die Lust diese lebendige Stadt ohne Sperrstunde zu entdecken und zu feiern war einfach zu groß.

Die Erlebnisse an der Grenze waren prägend. Obwohl sich alles vor dem Mauerfall vor über 30 Jahren ereignete, so verspüre ich die Angst beim Anblick von uniformierten Grenzbeamten bei jedem Grenzübertritt zwar nicht mehr. Ein unspezifisches mulmiges Gefühl ist jedoch geblieben.

Welche Erlebnisse mit Autoritäten hattest Du? Magst Du sie erforschen, dann schau Dir die folgende Übung an : Umgang mit Autoritäten.

Wundersame Begebenheiten – Sonny von Sorges.

Als ich morgens in der Nähe eines Wohnmobilstellplatzes in Sorges aufwachte wusste ich noch nicht das dieser Ort seinem Namen alle Ehre machen wird und ich mich bald, um einen kleinen Hunde sorgen würde. Ich bereitete mir mein Frühstück als sich ein Hund zur mir gesellte und mit Neugier rumschnupperte. Er blickte mich so bedürftig an, wie ich es sonst nur von meiner Tochter kannte, wenn sie irgendetwas von mir wollte. Er konnte noch so treu blicken, meine Fürsorge unterdrückte ich und gab ich ihm weder Nahrung noch Streicheleinheiten. Am Ende würde ich den Hund durch meine Zuwendung noch an mich binden und das wollte ich nicht, denn sicherlich würde er zu den Wohnmobilleuten gehören.

Dem Hund war das scheinbar egal, denn er verfolgte mich durch Sorges zu einer Bar. Ich trank dort einen Kaffee, lud mein Handy und verfasste meine Pilgernotizen. Ich ging zur Touristeninfo, wo gerade irgendwelche Trüffel begutachtet wurden, um mir einen Pilgerstempel in meinen Pilgerpass drücken zu lassen. Anschließend machte ich mich auf den Weg und der Hund, den ich aufgrund seines hellen Fells Sonny nannte, folgte mir sehr unaufdringlich.

Unfreiwillig begleitet.

Den Jakobsweg schien Sonny zu kennen. An manchen Kreuzungen oder Abzweigungen reduzierte er sein Tempo, ging bedächtig in eine Richtung, blieb stehen und beobachtete wie ich mich wohl entscheiden würde. Ich hoffte Sonny würde irgendwann mal von alleine auf die Idee kommen zurück nach Hause zu laufen. Er hatte ein gepflegtes Fell und gehörte sicherlich zu irgendjemand der ihn vielleicht schon vermissen würde. Nach über einer Stunde machte ich eine Pause.

Während ich von meinem Baguette aß sorgte Sonny für meine Unterhaltung. Er erkundete die Umgebung und schien viel Spaß daran zu haben eine Ziegenherde aufzumischen. Irgendwann war er nicht mehr zu sehen. Wo war er bloß geblieben? Bestimmt hatte Sonny Sehnsucht nach seinem Herrchen oder Frauchen und schlug seinen Nachhauseweg ein. Ich lief weiter und nur wenige hundert Meter später galoppierte er an mir vorbei. Ein berührender Moment, denn irgendwie gefiel es mir diesen kleinen unkomplizierten Begleiter zur Seite zu haben. Im Straßenverkehr bestaunte ich die Sonnys Achtsamkeit. Sobald er ein Auto hörte lief er an den Straßenrand, legte sich ins Gras und wartete bis das blecherne Ungeheuer vorbeifuhr. Erst dann lief er weiter.

Immer mal büxte er aus und rannte kreuz und quer über Wiesen und durch die Wälder. Der Gedanke den Rückweg einzuschlagen schien ihm fremd. Lieber lief er vor mir her und fühlte sich wohl berufen mich zu begleiten, um mir den Weg zu weisen. Irgendwann wurde mir die Sache mulmig und ich versuchte Kontakt aufzunehmen und ließ nichts unversucht Sonny zur Rückkehr zu motivieren. Mal schrie ich ihn lautstark an und mal sprach ich ihn in freundlichem Ton an.

Wunder geschehen immer wieder.

Wie könnte ich ihn bloß loswerden? Irgendwo würde sicherlich jemand diesen treuen Begleiter vermissen. Es war auf keinen Fall ein Streuner. Sein Fell war sehr gepflegt. Verschiedene Gedanken gingen mir durch den Kopf: Ich könnte per Anhalter fahren, in Périgueux einen Bus nehmen, um Sonny abzuhängen oder auf ein Wunder hoffen. Klar, ich könnte ihn auch bis Santiago mitnehmen, so lieb und laufbereit er war.

Während ich gedanklich alle möglichen Strategien durchspielte wie es mit mir und dem Hund weitergehen könne, erschienen mir zwei Engel in der Form von Pilgerinnen. Sie waren auf dem Rückweg von Santiago De Compostela nach Vézelay. Ich erzählte ihnen die Geschichte mit dem Hund und sie erklärten sich bereit ihn nach Sorges zurückzunehmen. Ein Schnürsenkel diente ihnen dabei als Leine. Ich dankte den Beiden, war froh und lief mit Trennungsschmerz weiter. Ich glaube der Hund wäre lieber mit mir weitergelaufen, das drücke er auch mit bitterlichem Abschiedsbellen aus. Das war das erste Mal das er überhaupt bellte.

Irgendwie war ich traurig von dieser Szene und fragte mich wie es kommt, dass mich diese eigentlich ungewollte, kurze Beziehung zu diesem Hund so berührt. Ich bis sicher, dass ich da irgendwas in Sonny hineinprojizierte. Irgendwie war ich auch überzeugt, dass mir Sonny nicht zufällig begegnete sondern, dass uns eine kosmische Energie zusammenführte.