Super Typ und schönste Frau.

Wie oft hören wir Sätze wie „Da hast Du einen tollen Job abgeliefert!“, „Das ist ja eine nette Geste!“, „Du bist ja ein super Typ!“ oder „Du bist die schönste Frau die mir je begegnet ist.“ oder so ähnlich. Vielleicht sagen wir zu unseren Kindern „wie fein“ sie etwas gemacht haben oder zu unserem Partner wie „schick“ sie sich gemacht hat, wenn wir gemeinsam ausgehen. Auch im Berufsalltag können wir Bewertungen wie „grandiose Leistung“ oder „klasse gemacht“ durchaus hören. Klingt das gut und ist die Freude über diese Komplimente groß? Es sind unter dem Strich Urteile, die der Bewertungsskala des Gesprächspartners entspringen. Lasst uns überlegen wie man das anders machen kann.

Der Empfänger der Nachricht „Bester Verkäufer des Monats“ ist vielleicht nur in diesem Monat der Beste und vermutlich ist er auch nicht ganzheitlich der Beste sondern einfach nur der umsatzstärkste Mitarbeiter. Im nächsten Monat kann sich das Blatt wenden und ein anderer Mitarbeiter wird gelobt.

Zu anderer Gelegenheit hören wir aus den gleichen Mündern vielleicht „Das war ja wohl gar nichts, was Du da geleistet hast!“, „Nein, das ist nicht ordentlich!“ oder „Was? So willst Du heute mit mir ausgehen?“. Wie reagieren wir auf solche Aussagen? Gekränkt? Irritiert? Das einzige was wir hier erfahren ist, dass wir uns auf der Bewertungsskala unseres Gesprächspartners eher im unteren Segment bewegen.

Unterschiedliche Arten von Anerkennung.

Kennt ihr Bekannte die schon mal darüber geschwärmt haben, wie toll ihr Mann ist? Nicht selten entstehen Bilder und ihr denkt vielleicht an Fußballprofi Rurik Gislason oder Leonardo DiCaprio. Und dann seht ihr die Person und denkt „Was ist denn an dem so super?“. Vielleicht wird er nicht aufgrund seines BMI als super bewertet, sondern weil er liebevoll mit den Kindern umgeht. Oder in der Wohnung alles mögliche reparieren kann. Es liegt eben im Auge des Betrachters.

Als Lob oder Kompliment bezeichne ich die Form der Anerkennung die den Fokus auf moralistischen Bewertungen wie gut und schlecht hat. Beim Lob ist der Urteilsmaßstab die eigene Auffassung. Dabei kann es vorkommen, dass Lob manipulativ eingesetzt wird in der Form: „Du bist doch soooo gut darin XXX zu machen, kannst Du morgen nicht mal schnell ZZZ machen?“

Als Wertschätzung bezeichne ich die Form der Anerkennung die den Fokus auf den Wert lege, den eine Handlung für mich hat. Der Fokus liegt dabei auf unseren Gefühlen. Wir möchten feiern, dass Bedürfnisse erfüllt und unser Leben in dieser besonderen Form bereichert wurde.

Wertschätzung ist ein Bedürfnis.

Beginnend mit der Schulzeit haben wir gelernt, dass wir mit unserem Lernerfolg den Vorstellungen des Schulsystems entsprachen mit Noten auf einer Skala von 1 bis 6 bewertet werden. Konnten wir das Gelernte sehr gut reproduzieren gab es eine 1 und wenn nur ungenügend, dann eben eine 6. Kamen wir von der Schule nach Hause wurden wir von den Eltern entsprechend gelobt oder getadelt. Das hat jedoch nichts mit Wertschätzung zu tun.

Wertschätzung selbst ist ein Geschenk. Wenn wir hören, dass wir wertgeschätzt werden und wie wir das Leben eines anderen bereichert haben, werden wir selbst beschenkt. Denn einerseits ist unser Bedürfnis nach Wertschätzung erfüllt und andererseits lernen wir, durch welche konkrete Handlung, welches Gefühl entstand und welches Bedürfnis erfüllt wurde. So erfahren wir, wie der andere „tickt“, es entwickelt sich Klarheit, stärkt die Verbindung und letztlich auch Vertrauen. Also jene Bedürfnisse die in Partnerschaft, Erziehung und Zusammenarbeit wichtig sind.

Und was können wir tun, wenn unser Kind nun doch mit einem ungenügend nach Hause kommt? Trotz Trauer oder Sorge über die Benotung, können wir dem Kind sagen, dass wir glücklich sind, dass wir eine robuste Verbindung zu unserem Kind haben, dass es sich sicher fühlt und uns angstfrei diese Leistung präsentiert.

Wertschätzung ausdrücken.

Um Wertschätzung auszudrücken nutzen wir die folgenden drei Elemente: konkrete Beobachtung auf die wir uns beziehen, angenehmes Gefühl und erfülltes Bedürfnis bzw. erfüllte Bedürfnisse. Um bei dem Vergleich mit dem Kind mit der Schulnote 6 zu bleiben, muss der Fokus nicht auf die in der Vergangenheit erbrachte Leistung gelegt werden sondern auf das aktuelle Geschehen. „Wenn ich sehe, dass Du mir die Klassenarbeit zeigst (Beobachtung), bin ich glücklich (Gefühl), weil ich sehe wie stark unsere Verbindung ist und wie sehr Du mir vertraust (Bedürfnisse). “ Dieser Fall bedarf natürlich einer entsprechenden Vorerfahrung.

Und was ist jetzt mit dem „tollen Typen“? Auch hier geht es um Klarheit. Auf welche Beobachtung beziehe ich mich? Sind es die Muskeln, die mir ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, ist es der Humor, der zu meiner Entspannung beiträgt, ist es die Wahl der Bekleidung, die mir Ästhetik und Schönheit erfüllt oder ist es einfach die einfühlsame Art mit seinen Mitmenschen umzugehen? Und genau darin liegt für mich die Schönheit der Wertschätzung. Einerseits die Klarheit und andererseits die Universalität, denn irgendetwas, dass sich wertschätzen lässt, findet sich mit ein wenig Übung immer.

Schwierigkeit Wertschätzung auszudrücken.

Es gibt Menschen, denen fällt eher auf was schief läuft als das was gut läuft. „Net geschennt ist Lob genug.“ ist da wohl ein Sprichwort, dass ich nicht nur aus der hessischen Mundart kenne. Wenn die Dinge eben laufen, dann scheint es keinen Grund zu geben das zu erwähnen. So wird selten erkannt, dass das Geschirr in die Spülmaschine geräumt wurde als wenn es nur oben drauf steht.

Vier Wege zur Erfüllung.

Es gibt unterschiedliche Wege das Bedürfnis nach Wertschätzung zu erfüllen:

  • Hat jemand etwas getan, dass Dein Leben bereichert? Dann drücke Wertschätzung ihm gegenüber aus.
  • Hast Du etwas getan, dass Dein Leben bereichert? Dann drücke Wertschätzung Dir gegenüber aus.
  • Hast Du etwas getan, dass das Leben eines anderen bereicherte? Dann drücke Wertschätzung Dir gegenüber aus.
  • Hast Du etwas getan, dass das Leben eines anderen bereicherte und wünschst Dir einen Ausdruck von Wertschätzung? Dann bitte den anderen darum Dir seine Wertschätzung auszudrücken.

Wenn Du Wertschätzung direkt ausprobieren magst, dann denke einfach mal an den Superheld oder die Superheldin Deiner Kindheit. Wer war das? Wofür möchtest Du Ihnen Wertschätzung geben? Formuliere was Du Ihnen sagen möchtest.

War dieser Artikel nützlich? Hinterlasse mir gerne einen wertschätzenden Kommentar ;-).

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