GFK Schlüsselunterscheidungen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Schlüsselunterscheidungen in der Gewaltfreien Kommunikation der Schlüssel zu mehr Klarheit in der Kommunikation sind. Deshalb habe ich in diesem Beitrag ein paar gängige Schlüsselunterscheidungen zusammengestellt. Mehr dazu steht in der Lektüre von Liv Larson. „42 Schlüsselunterscheidungen in der GFK: Für ein tieferes Verständnis der Gewaltfreien Kommunikation„. Zugegeben, bei der ein oder anderen Schlüsselunterscheidung greife ich immer wieder gerne auf diese Zusammenstellung zurück.

Nachfolgend habe ich eine Übersicht aus meinem aktuellen Verständnis heraus zusammengesellt. Wenn Du mehr über Empathische Kommunikation erfahren möchtest, dann melde Dich gerne zu meinen Trainings oder den Übungsgruppen an.

Beobachtung im Unterschied zu Beobachtung vermischt mit Bewertung und Interpretation.

Eine Beobachtung basiert auf klaren Zahlen, Daten und Fakten. Reine Beobachtungen kann man vergleichen mit der Aufnahme eines Fotoapparates. Es gibt nur das was auf dem Bild für alle Beobachter gleichermaßen zu sehen ist. Anhand der reinen Faktenlage besteht bei allen Beteiligten rasche Klarheit.

Die Bewertungen einer Wahrnehmung (unabhängig, ob sie gesehen, gehört oder gespürt wurde) hingegen ist der persönlichen Eindruck und die individuellen Erfahrung maßgeblich.

Wenn ein Thermometer 24.5°C anzeigt, dann ist das die aktuelle, gemessene Temperatur. Je nachdem wie ich die 24.5°C empfinde und bewerte kann ich ausdrücken, dass es frisch, warm oder auch zu heiß ist, was im Dialog zu Meinungsverschiedenheiten führen kann. Beispiele findet man in Großraumbüros, wenn es um die Frischluftzufuhr geht. Die einen hätten das Fenster gerne lange Zeit geöffnet und anderen ist es so rasch zu kühl, dass sie es am Liebsten verschlossen halten würden.

Auch wenn ich beobachte, dass alle KollegInnen gerade zu einer Besprechung gehen und in meinem Kalenderprogramm dazu kein Eintrag zu finden ist, dann habe ich die Einladung vermutlich nicht erhalten oder übersehen. Ich sollte vermeiden zu äußern, dass mir die Einladung nicht geschickt wurde, denn das ist wiederum meine Interpretation.

Gefühl im Unterschied zu Gefühl mit Gedanken vermischt.

Reine Gefühle ist das was wir körperlich erleben. Durch einen knurrenden Magen macht sich Hunger bemerkbar und durch einen trockenen Mund der Durst. Angst macht sich unter Umständen durch eine Enge in der Brust bemerkbar; Ekel in dem uns ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Gefühle sind die unterschiedlichen Qualitäten der Emotionen Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Sie äußern sich unter anderem in unserer Mimik äußern.

In der Alltagssprache höre ich gelegentlich Gefühle, die gar keine Gefühle sind, sondern eher Gedanken die beschreiben was jemand mit uns macht. Das sind sogenannte Pseudogefühle, die in Aussagen „Ich fühle mich gemobbt“, „Ich fühle mich betrogen“, „Ich fühle mich erniedrigt“ usw. zu finden sind. Diese Aussagen führen dazu, dass ein Konflikt aufbrodelt, der sich folgend nur darum dreht, ob einer den anderen erniedrigt oder eben nicht. Durch „historische Gedanken“ wird dann weiteres Öl ins Feuer gekippt anstelle darauf zu schauen, was der Erniedrigte wirklich fühlt und welche Bedürfnisse im Mangel sind.

Es gibt weiterhin Mischformen aus Gefühlen wie z.B. Ärger und Gedanken. Bei diesen Mischformen ist der Ärger körperlich erlebbar und wird gleichzeitig durch eine bestimmte Art des Denkens weiter genährt. Das Sind die sogenannten Sekundärgefühle.

Bedürfnis im Unterschied zur Bitte.

Bedürfnisse sind für alle Menschen die auf der Erde leben gleich und allgemein, abstrakt und positiv formuliert. Sie enthalten keinen Bezug zu eine Aktivität, einer einzelnen Person, einer spezifischen Zeit oder einem spezifischen Ort. Außerdem haben alle Beteiligten Wertschätzung dafür. Deshalb sind es Bedürfnisse welche die Menschen einen.

Durch die Bitten äußere ich präzise und konkret meine Ideen, wie ich ein Bedürfnis erfüllt bekommen möchte. Dabei kann es vorkommen, dass meiner Strategie nicht im Einklang mit den Bedürfnissen eines anderen Menschen ist. Von daher liegen Konfliktherde in der Regel auf der Ebene der Bitten bzw. der Strategien Bedürfnisse zu erfüllen.

Bitte im Unterschied zu Forderung.

Bitten respektieren die Entscheidungsfreiheit der angesprochenen Personen und respektieren die Freiwilligkeit in der Erfüllung.

Forderungen dagegen ignorieren die Entscheidungsfreiheit und unterstreichen die Umsetzung durch Drohungen, Belohnungen oder eben das Ausbleiben von Belohnungen. Der Preis der für eine Forderung bezahlt wird ist der Verlust der Verbindung. Denn der Geforderte sieht nur noch die Möglichkeit der Unterwerfung oder der Rebellion.

„Eine Giraffe sein“ im Unterschied zu „sich wie eine Giraffe verhalten“.

Vermutlich gibt es nur zwei Typen die sich wie eine „Giraffe verhalten“: Diejenigen, die GFK gelernt haben und es täglich anwenden, um es in ihren Alltag zu integrieren und diejenigen die GFK als aussichtsreiche Methode zur Lösung kniffliger Situationen im Sinne eigener Interessen verwenden. Wer sich wie eine Giraffe verhält, spielt diese Rolle und wendet , die vier Schritte im Ausdruck noch eher „mechanisch“ an.

Wer die GFK verinnerlicht hat, „ist eine Giraffe“. lebt die GFK im empathischen Alltag aus einer wertschätzenden, bedürfnisorientierten Haltung heraus. Die Verbindung zu anderen Menschen steht im Vordergrund; die vier Schritte werden mit größerer Flexibilität eingesetzt.

Ehrlichkeit einer Giraffe im Unterschied zur “Wolfsehrlichkeit”.

Wenn von der „Ehrlichkeit einer Giraffe“ gesprochen wird, liegt der Fokus auf meinen erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen und auszudrücken, ob irgendein Umstand oder eine Aussage im Einklang mit meinen Werten steht oder nicht. („Ich bin frustriert, dass die Regierung keine anderen Wege findet, die Corona-Pandemie zu besiegen als durch Schließung von Geschäften und Gaststätten.“ )

Bei der „Wolfsehrlichkeit“ liegt der Fokus darauf dem anderen zu sagen was mit ihm nach meiner Auffassung und meinen Bewertungsmaßstäben nicht stimmt. Zum Beispiel kann die Aussage „Die Regierung versagt völlig / agiert souverän im Umgang mit der Corona Pandemie.“ wirkt unmittelbar polarisierend.

Natürlich im Unterschied zu Normal.

Obwohl die Unterscheidung bereits im Wort selbst steckt, so werden natürlich und normal nahezu synonym verwendet. Dabei leitet sich natürlich von der Natur ab. Natürlich ist alles was in der Natur zu finden ist und alles was wir als Menschen von Natur aus mitbekommen wie z.B. unsere Gene unser Geschlecht, unsere Körpermerkmale. Eben alles was natürlich wächst und gedeiht.

Normal leitet sich von Norm ab, also von den gesellschaftlichen Leitlinien in welchen wir geboren wurde. So mag es bei einigen normal sein sich täglich zu duschen oder am Sonntag in die Kirche zu gehen. In anderen Kulturkreisen mag es andere Normen geben und somit auch andere Verhaltensweisen geben.

Es ist einleuchtend, dass alles was natürlich ist nahezu nicht verändert werden kann und alles was als normal erachtet wird, eben verändert werden kann. Das bedeutet, dass eine Trennung der Begrifflichkeiten sinnvoll ist, um Veränderungsprozesse zu ermöglichen.

Liebe als Handlung im Unterschied zu Liebe als Gefühl und als Bedürfnis

Ich war überrascht, als ich das erste Mal davon hörte, dass es überhaupt einen Unterschied zwischen „Liebe als Gefühl“ und „Liebe als Bedürfnis“ gibt. Klarer wurde es als ich mich in der Gewaltfreien Kommunikation damit auseinandersetzte.

Im täglichen Leben sind Gefühle nie konstant zu erleben. Kaum auszudenken, wenn wir gleichzeitig wütend, überschwänglich, freudig, traurig oder z.B. angeekelt wären. Es ist eher so, dass sich Gefühle von einem auf den anderen Moment verändern. „Liebe als Gefühl“ kann im nächsten Augenblick durch ein anderes Gefühl abgelöst werden.

Aus Sicht der GFK ist Liebe ein Bedürfnis, dass jeder Mensch jederzeit braucht und auf unterschiedlichsten Wegen erfüllt werden. Einige erfüllen sich das Bedürfnis durch eine Partnerschaft, andere durch Arbeit in einem Hospiz oder durch die Liebe Gottes.

Gibt es Klärungsbedarf, ob einer den anderen wirklich liebt? Dann ist zunächst zu klären durch welche konkrete Handlung das Bedürfnis nach Liebe erfüllt werden kann. In folgendem Video erklärt Marshall B. Rosenberg mit seinen beiden Handpuppen den Unterschied.

Auslöser im Unterschied zu Ursache.

Der Auslöser ist ein Ereignis unserer Beobachtung im Hier und Jetzt. Also dem was wir sehen, hören, fühlen, riechen oder schmecken. Diese Beobachtung kann ein Gefühl triggern, dass uns an Bedürfnisse erinnert, die erfüllt oder unerfüllt sind.

Die Ursache für dieses Gefühl ist ein erfülltes oder unerfülltes Bedürfnis. Es entsteht ein angenehmes Gefühl, wenn ein Bedürfnis erfüllt ist und ebenso ein unangenehmes Gefühl, wenn ein Bedürfnis eben unerfüllt ist.

Wenn wir den Auslöser mit der Ursache verwechseln, dann passiert es leicht, dass wir die Verantwortung für unsere Gefühle bei anderen sehen und diesen quasi machtlos ergeben sind. Wenn wir dagegen die Ursache in Bedürfnissen erkennen habe wir die Freiheit gewonnen, selbst Strategien und Wege zu finden, um die Bedürfnisse zu erfüllen.

Konsens im Unterschied zu Kompromiss.

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Interessen miteinander im Konflikt sind, so gibt es unterschiedliche Wege den Konflikt zu lösen. Wenig zukunftsträchtig sind dabei Lösungen bei welchen beide verlieren oder einer gewinnt und der andere verliert.

Beim Kompromiss (oder auch Trostpreislösung) bekommt keiner das Ganze, jeder gibt ein Stück von seiner Forderung auf und ein Stück vom Kuchen ab. So ist jeder vielleicht am Ende zufrieden, dass zumindest Teile erfüllt sind und der Andere auch etwas aufgeben musste. So ist das Bedürfnis von Gleichbehandlung in gewisser Weise erfüllt.

Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist prinzipiell Lösungen zu finden, bei welchen alle Bedürfnisse von allen erfüllt werden. Diese Lösung ist der Konsens.

Beispiel: Zwei Töchter streiten um eine Orange, jede will diese eine Orange haben. Irgendwann wird es der Mutter (oder dem Vater) zu bunt, er nimmt die Orange und schneidet sie mit einem Messer in zwei gleiche Teile, um den Streit zu schlichten. Das ist der Kompromiss. Hätte er jedoch auf die Bedürfnisse gehört, wäre klar geworden, dass eine die die Schale braucht, um einen Kuchen zu backen und die andere das Fruchtfleisch für einen Saft, hätten die Bedürfnisse beider in vollem Maße erfüllt werden können. Diese Lösung entspricht dem Konsens.

Werturteil im Unterschied zu moralischem Urteil.

Bei einem Werturteil über Ereignisse benennen wir Gefühle und Bedürfnisse die durch das Ereignis erfüllt oder in den Mangel geraten sind.

Bei moralischen Urteile, bewerten wir ein Ereignis aufgrund unsere moralischen Maßstäbe. Die klassischen Bewertungsmuster sind richtig/falsch, positiv/negativ, gut/schlecht usw.

Konsequenz im Unterschied zu Bestrafung.

Wenn eine Ereignis folgerichtig und unmittelbar auf ein anderes Ereignis folgt, so ist das eine Konsequenz, die häufig dem Muster „Wenn…., dann…“ folgt. Wenn es regnet und das Kinde geht raus, dann wird es inklusive seiner Bekleidung nass.

In Erziehung, Schule, Partnerschaft werden Konsequenzen als unlogische Folge eines Ereignisses ausgesprochen. Wenn das Kind bei Regen rausgeht und hört, dass es dann eine Woche Hausarrest bekommt ist das keine Konsequenz sondern eine Bestrafung, da die beiden Ereignisse in keinem logischen Zusammenhang stehen. Werden Konsequenzen als Bestrafungen ausgesprochen, so führt das zu Irritiationen.

Anerkennung im Unterschied zu Zustimmung, Kompliment und Lob.

Wenn wir Anerkennung oder Wertschätzung ausdrücken, benennen wir welche Handlung eines anderen zu unserem Wohlergehen also zu angenehmen Gefühlen und erfüllten Bedürfnissen beigetragen hat. Anerkennung sprechen wir auf Augenhöhe ohne weitere Absicht aus.

Lob und Komplimente sprechen wir aus einer bewertenden Haltung aus. Wir legen unseren Bewertungsmaßstab an und bewerten in der Regel unkonkret, wie z.B. „Das hast Du gut gemacht.“ Durch unser Lob stellen wir uns auch in gewisser Weise über den Anderen und nehmen das Recht ein Urteil über den anderen sprechen zu können. Dabei kann es passieren, dass der Andere abhängig von unserem Lob wird und irgendwann irritiert ist, wenn die Droge Lob ausbleibt.

Verletzlichkeit im Unterschied zu Schwäche.

Auch bei dieser Schlüsselunterscheidung liegt der Unterschied im Auge des Betrachters. Wenn wir jemanden sehen der in der Öffentlichkeit seine Gefühle zeigt und erkennen darin eine Stärke ,so nehmen wir die Verletzlichkeit wahr.

Wenn wir dagegen der Auffassung sind, dass es eine Schwäche sei, wenn jemand seine Gefühle zu zeigen, glauben wir unter Umständen, diese Menschen seien zu nah am Wasser gebaut und man dürfe Ihnen nicht viel zumuten.

Empathische Wahrnehmung im Unterschied zu intellektuellem Raten.

Wenn wir intellektuell Raten ist unsere Absicht, das Problem oder die Situation zu verstehen, wir hinterfragen vielleicht was genau passiert ist und sind mit unseren Gedanken eher bei der Suche nach Lösungen für unseren Gesprächspartner.

Beim empathischen Wahrnehmen liegt unser Fokus auf den Bedürfnissen und Gefühlen unseres Gesprächspartners und versuchen dessen Erlebniswelt zu ergründen. Wir raten dabei, welche Bedürfnisse gerade im Mangel sein könnten. Obwohl das ein wenig wie „Fischen im Trüben“ klingen mag, so tragen wir dazu bei unser Gegenüber wieder in Verbindung mit den Bedürfnissen zu bringen und inneres Erleben zu strukturieren.

Empathie im Unterschied zu Sympathie und anderen Formen der Reaktion.

Empathie bedeutet auf das innere Erleben eines anderen Menschen zu hören. Wenn wir diesen Menschen begleiten, tauchen wir mit voller Aufmerksamkeit in dessen Erlebniswelt ein, halten den Raum und hören auf Bedürfnisse und Gefühle. Wir bestätigen den Kontakt mit wenigen Worten, indem wir Gefühle und Bedürfnisse einfühlsam vermuten.

Reagieren wir mit Sympathie, so zeigen wir einerseits Verständnis für die Lage des anderen, in dem wir eigene, ähnliche Ereignisse schildern oder erzählen wie es uns damit geht. Die gute Absicht dahinter ist, dass wir dadurch signalisieren: „Ich verstehe dich, Du bist nicht alleine.“

Sprechen wir unseren Trost aus, nehmen wir wahr, dass es dem anderen gerade nicht gut geht. Wir möchten dem anderen Menschen beistehen und entwickeln Ideen, was getan werden könnte, damit diese sich wieder besser fühlt. Das kann sein, das wir versuchen diesen Menschen zu umarmen, zu erheitern oder vergleichbare Wege suchen.

Reagieren wir mit Ratschlägen („auch Ratschläge sind Schläge,“ fällt mir gerade dazu ein), setzen wir uns weniger mit den Gefühlen und Bedürfnissen des anderen auseinander, sondern sprechen eine Empfehlung aus, wie konkret in dieser Situation gehandelt werden sollte.

Ob es trösten, sympathisieren oder Ratschläge geben ist, die gute Absicht ich prinzipiell, dazu beizutragen, den Schmerz des anderen zu lindern. Dabei können wir uns kritisch hinterfragen, ob wir uns in dem Moment, in dem wir „wissen was für den anderen gut ist“ aus einer machtvollen Position heraus agieren.

Selbstempathie im Unterschied zu schwelgen in Gefühlen.

Wenn wir in unseren Gefühlen schwelgen und unsere Gefühle durch weitere Gedanken nähren laufen wir in die Gefahr im emotionalen Erleben „stecken“ zubleiben. Wer wir hingegen einfühlsam mit uns selbst sind, dann nehmen wir die Gefühle wahr und erforschen unsere in Mange geratenen Bedürfnisse und können schließlich Bitten formulieren, um unsere Situation zu wandeln.

“Macht mit” im Unterschied zu “Macht über”

Es gibt unterschiedliche Wege mit Macht umzugehen. Wenn wir nur unsere eigenen Bedürfnisse im Blick haben und andere Menschen instrumentalisieren, damit unsere Bedürfnisse erfüllt werden, leben wir eine Haltung die „Macht über“ Menschen ergreift. Es besteht die Gefahr, dass wir uns selbst einen höheren Wert zuschreiben als unseren Mitmenschen und Entscheidungen treffen, die von den Mitmenschen nicht mit Freude unterstützt werden.

Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse unserer Mitmenschen im Blick haben, leben wir eine „Macht mit“ Haltung. Wir erkennen die Gleichwertigkeit aller Menschen an und begegnen ihnen auf Augenhöhe und vereinbaren mit ihnen Ziele die wir gemeinsam erreichen möchten.

Respekt gegenüber einer Autorität im Unterschied zu Angst vor einer Autorität.

Klären wir zunächst wen wir als Autoritäten betrachten. Autoritäten verfügen in der Regel über spezielles Wissen, wie ein Universitätsprofessor oder über bestimmte Befugnisse , wie Staatsbedienstete (Polizei, Richter, etc) oder Führungskräfte eines Unternehmens. Kinder könnten auch Vater, Mutter, ältere Geschwister, als Autoritäten sehen.

Wenn wir aus Respekt gegenüber Autoritäten handeln, sehen wir den Menschen mit seiner positiven Absicht und schätzen dessen besonderen Fähigkeiten und Kompetenzen. Wir hören auf die Worte und wägen selbst ab, in wie fern sie hilfreich für uns sind.

Haben wir Angst vor Autoritäten, dann handeln wir, um Bestrafung oder den Entzug von Vergünstigungen vermeiden. Wir sehen uns unter Umständen hilflos ausgeliefert und scheuen uns Handlungsalternativen vorzuschlagen.

Schützender Gebrauch von Macht im Unterschied zu strafendem Gebrauch von Macht.

Wenn wir glauben, dass jemand etwas falsch gemacht hat und bestrafen diese Person, dann üben wir Macht strafend aus. Dabei riskieren wir, dass den Verlust der Verbindung zu diesem Menschen. Hindern wir hingegen jemanden an einer Handlung , die zu dessen Gefährdung von Leib und Leben führen könnte, dass üben wir unsere Macht schützend aus.

Sehe ich ein Kind, dass über die Straße rennen will und packe es an der Kaputze, um zu verhindern, dass es von einem Auto angefahren wird, ist meine Intention der Schutz des Kindes. Vergleichbare Situationen zum schützenden Gebrach von Macht sind folgende: Ich nehme einem Freund, den Wagenschlüssel weg, weil er zu offensichtlich zu viel Alkohol genossen hat und fahruntüchtig ist. Dadurch schütze ich ihn vor einem Unfall, der unter Umständen auch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Der Staat sperrt einen Mörder ins Gefängnis, um die Gesellschaft vor dessen Tötung zu schützen. Der schützenden Gebrauch von Macht ist in der Regel auch immer zeitlich befristet. Wenn die Gefahrensituation vorüber ist, wird die Macht nicht mehr eingesetzt.

Selbstdisziplin im Unterschied zu Gehorsam.

Wenn wir Gehorsam zeigen, dann tun wir in bestimmten Situationen Dinge von denen wir denken, dass wir sie so tun müssen, da wir ansonsten entweder einen Schaden erleiden oder auf eine Belohnung verzichten. Sind wir gehorsam, dann handeln wir vermutlich aus Angst vor Autoritäten.

Wenn wir dagegen Selbstdisziplin zeigen haben wir uns bewusst für unser Handeln entschieden, da wir einen Nutzen für uns erkannt haben.

Erinnere ich mich zum Beispiel an den Sportunterricht meiner Schulzeit zurück, so war ich gehorsam als ich auf den Lehrer hörte und auf der 400m-Bahn meine Runden drehte. Er stoppte die Zeit und ich bekam meine Note. 30 Jahre später wollte ich Marathon laufen. Ich trainierte selbst diszipliniert nach einem Trainingsplan, da ich die 42,195 km in einer Zeit von unter 4:00 Stunden laufen wollte.

Hartnäckig im Unterschied zu fordernd.

Wenn wir von anderen fordern etwas zu tun, das beiträgt unser Leben zu bereichern, dann kann es sein, dass es nicht den Werten oder Bedürfnissen der anderen Menschen entspricht. Falls unsere Forderung nicht erfüllt wird, werden wir nachdrücklich und drohen gegebenenfalls mit Bestrafung. Wir werden in diesem Fall Reaktionen von Unterwerfung oder Rebellion erleben.

Wenn andere unsere Bitten und Wünsche nicht erfüllen möchten und wir dennoch dran bleiben, dann sind wir hartnäckig, wenn wir verstehen wollen, weshalb der andere unsere Bitte nicht erfüllen möchte und nach Wegen suchen die im Einklang mit den Bedürfnissen von allen Beteiligten sind.

„Wahl haben“ im Unterschied zu Unterwerfung oder Rebellion.

In dem Moment in dem wir erkennen, dass wir die „Wahl haben“ sind wir frei von Zwängen und entscheiden wie wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen möchten. Unabhängigkeit und Freiheit sind erfüllt. Wenn wir die Wahl haben, erkennen wir auch Wege die unsere eigenen als auch die Bedürfnisse anderer erfüllen.

Wenn wir glauben, dass wir abhängig sind, fühlen wir unter Umständen eine Enge, da unsere Freiheit eingeschränkt ist. Unter Umständen sind wir geneigt uns zu unterwerfen und bedingungslos das zu tun was von uns gefordert wird oder wir lehnen uns auf und rebellieren, gegen „das System“. Im Falle der Unterwerfung lassen wir zu, dass unsere Bedürfnisse zugunsten anderer in den Mangel geraten und im Falle der Rebellion verlieren wir die Bedürfnisse anderer aus dem Blick.

Wechselseitige Verbundenheit im Unterschied zu Abhängigkeit oder Unabhängigkeit.

Von anderen Menschen abhängig zu sein klingt irgendwie nach Unterordnung und der Mangel an Wahlmöglichkeiten. Unabhängigkeit klingt im Gegensatz dazu nach völliger Freiheit. Als Menschen sind wir nun mal soziale Wesen und können weder in völliger Abhängigkeit unsere eigenen Bedürfnisse unterordnen noch in völliger Unabhängigkeit tun und lassen was uns gefällt.

Häufig ist es so, dass alle Entscheidungen die wir treffen einen Einfluss auf andere Menschen, unsere Mitwelt haben. Ebenso haben Entscheidungen unserer Mitwelt einen Einfluss auf uns selbst und so erkennen wir, dass wir alle gegenseitig voneinander abhängig sind. Daraus lässt sich ableiten, dass auch unsere eigene Zufriedenheit im Einklang mit der Zufriedenheit unserer Mitwelt steht. Deshalb ist es erstrebenswert sowohl eigene als auch die Bedürfnisse anderer im Blick zu haben und gemeinsam Wege zu finden, die alle Bedürfnisse erfüllen.

Mit dem Leben verbunden sein im Unterschied zu dem Leben entfremdet sein.

Wenn wir mit dem Leben verbunden sind, dann handeln wir nach dem was wir brauchen. Wir nutzen unsere Gefühle als Kompass, um uns den Weg zu unseren Bedürfnissen zu leiten. Sind wir dagegen damit beschäftigt uns danach auszurichten was wir sollen und müssen handeln wir aus einem Zwang heraus. Dieser ist Lebensentfremdend.



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