Maskerade.

Maskerade, Karneval
(c) 2021 Peter H. Schmitt

Es ist wieder einmal soweit. Am 11.11. begann für alle Karnevalisten die närrische, fünfte Jahreszeit. Ohne die Covid-19 Pandemie wären bereits jetzt die „Narren“ unterwegs zu den Karnevalssitzungen, um kostümiert und ausgelassen zu feiern. In 2021 ist das anders. Die Höhepunkte der Faschingszeit zwischen der „Weiberfastnacht“ über Rosenmontag, mit großen prunkvollen Umzügen in Mainz, Köln, Düsseldorf bis Faschingsdienstag werden wohl erst wieder im kommenden Jahr erreicht. Dennoch wird auch in diesem Jahr am Aschermittwoch alles vorbei sein.

Ich erinnere mich gerne an die närrische Zeit in meiner Kindheit zurück. Ich verkleidete mich als Clown, Cowboy oder als Sherlock Holmes und hatte viel Spaß auf den bunten Kindermaskenbällen. In der Mittelstufe verkleidete ich mich einmal als Putzfrau mit Kopftuch, Perücke und Kittel. Ein paar Mädels schminkten mich so gekonnt, dass ich mit Ihnen das Kostümfest ihrer Mädchenschule mitfeiern konnte. Zumindest so lange bis ich enttarnt wurde.

Auch heute habe ich immer noch Spaß daran auf Maskenbälle zu gehen, um die ausgelassene Stimmung in Gemeinschaft zu genießen. Auch zu Entdecken in welchen Kostümierungen sich Freunde, Nachbarn und Bekannte zeigen. In diesem Blog geht es um Empathie im Alltag, ich teile meine Gedanken zur Maskerade und wie sich das Bewusstsein für Empathie anhand der Maskerade vertiefen lässt.

Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

Wenn ich an das närrische Treiben denke, stelle ich mir die Frage: Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

Mit möglichst gruseligen Hexen-Masken endlich die bösen Wintergeister zu vertreiben, ist sicherlich ein ursprünglicher Grund für die Maskerade. In manchen Regionen Deutschlands wird diese Traditionen aufrechterhalten. Hier ist die Maskerade ein Teil der Heimatverbundenheit, der Identität.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich bei der Maskerade viel um Identität dreht. Durch die Maskerade kann jeder in eine andere Rolle schlüpfen und sich unter anderer Identität ausprobieren. So geht die Teamleiterin vielleicht als Putzfrau, um „Männer abzustauben“ und der Kfz-Mechaniker als Schiffskapitän, um die Begleitung für die große Fahrt zu gewinnen.

Möchten durch eine Verkleidung auch einfach andere Teile eigener Identität gezeigt werden? So geht der eher umtriebige Mann als Mönch oder die zurückhaltende Frau als Vamp. Vielleicht ist es aber auch genau das Gegenteil und es geht darum Teile der Identität besonders herauszustellen. So geht vielleicht der stille und besonnene Mann als Mönch und die extrovertierte Frau als Vamp.

Wie ist es für Dich?

An dieser Stelle lade ich Dich ein zu erforschen:

  • Welche Kostüme hast Du in der Vergangenheit getragen?
  • Wie würdest Du Dich gerne einmal maskieren?
  • In welche Rolle würdest Du gerne einmal schlüpfen?
  • Besteht eine Verbindung zwischen der Maskerade und Dir? Wenn ja, welche?

Welche Bedürfnisse werden durch die Maskerade erfüllt?

Jede Handlung ist eine Strategie um Bedürfnisse zu erfüllen. Welche Bedürfnisse erfüllen sich durch die Maskerade?

Ich erinnere mich noch daran, als ich einmal unmaskiert auf einen Maskenball ging. Es war in einer Zeit, als ich einfach keine Lust hatte mich zu verkleiden und dennoch feiern wollte. Da war Leichtigkeit sehr vordergründig. Als ich auf der Party ankam, fühlte ich mich wie ein „Außerirdischer“ (Achtung: bildhafte Vergleiche deuten auf Pseudogefühle hin) mit meiner Alltagskleidung. Nahezu alle Gäste waren maskiert. Obwohl ich mit Freuden unterwegs und mein Bedürfnis nach Gemeinschaft erfüllt war, so war mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit in diesem Moment im Mangel.

Beim Besuch eines Maskenballs im Fasching erfüllen sich die Bedürfnisse nach Feiern und Gemeinschaft. In dem ich mich kostümiere, gehöre ich dazu, bin ich Teil der närrischen Gemeinschaft und Teil eines größeren Ganzen. Vielleicht auch das Trauern, wenn die närrische Zeit vorbei ist und für Fastende die Zeit des Verzichts beginnt.

Bei der Gestaltung des Kostüms und vielleicht auch der Schminke, kann es um Kreativität, um Schönheit und um „Gesehen-werden“ gehen. Maskiert eine andere Rolle anzunehmen bietet auch Schutz. Je intensiver die Maskierung und die Schminke, desto höher ist der Schutzfaktor. Vor allem der Schutz der eigenen Privatsphäre. Dieser Schutz wiederum bietet eine gewisse Freiheit. Bedürfnisse wie weibliche oder männliche Identität, werden schließlich durch die Maskerade bestimmt.

Bei jeder Faschingsparty sind auch einheitlich kostümierte Gruppen wie z.B. eine Fußballmannschaft, die Schlümpfe oder Schneewittchen und die Sieben Zwerge zu sehen. Diese Gruppen erfüllen sich u.a. Gemeinschaft, Verbindung, Zugehörigkeit, Gesehen werden, Beteiligung.

Mich bringt Fasching auch immer in Verbindung mit meinem Vater und meiner Mutter, die beide in der Nachkriegszeit in Karnevalsvereinen waren und sich dort kennenlernten.

Was verbindet Dich mit Fasching und Deiner Maskerade?

An dieser Stelle lade ich Dich auch wieder ein zu erforschen, welche Bedürfnisse Du Dir durch ein bestimmte Kostümierung erfüllst oder welche Bedürfnisse sich jemand anders durch seine Kostümierung erfüllt.

  • Beschreibe die Makerade ohne sie zu bewerten. zB ein Cowboy hat einen Cowboyhut, ein Pferd, Stiefel, eine Pistole).
  • Mit welchen Attributen würdest Du die Maskerade beschreiben? Ein Cowboy ist männlich, abenteuerlustig, freiheitsliebend, einsam, naturverbunden, etc.
  • Stelle Dir vor Du wärst maskiert. Wie fühlst Du Dich maskiert?
  • Fühle Dich in die Rolle ein. Wie fühlst Du Dich in der Rolle?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen der Maskierung und der Rolle?
  • Welche Bedürfnisse erfüllt Dir die gedachte Maskerade und welche nicht? Welche Bedürfnisse sind in der Rolle erfüllt und welche nicht?

Wie erging es Dir mit der Übung? Hast Du Fragen oder möchtest gerne Erkenntnisse teilen? Dann hinterlasse einen Kommentar.

Und woran glaubst Du?

(c) 2019 Peter H. Schmitt – JadebuddhaTempel in Shanghai.

Kennst Du Gegebenheiten, wo Du ein Projekt oder eine neue Aktivität angehen magst und plötzlich kommen Gedanken wie zum Beispiel „das muss ich“, „das darf ich nicht“, „das kann ich sowieso nicht“? Falls dem so ist, dann lohnt es sich näher hinzublicken. Vielleicht steckt ein einschränkender Glaubenssatz dahinter, der zu entdecken und zu bearbeiten ist.

Glaubenssätze entstehen.

Wenn Babys geboren werden, befreien sie sich aus der Enge des mütterlichen Leibes und erleben grenzenlose Freiheit. Eine Freiheit in der prinzipiell erstmal alles möglich ist. Sie entwickeln erste Strategien und schreien, wenn sie Hunger, Durst, Schlaf, Gemeinschaft oder eine saubere Windel haben wollen. In ihren ersten Lebensjahren sind Babys auf Hilfe ihrer wohlgesonnenen Mitwelt angewiesen, von Menschen die sie so lieben so wie sie sind.

Aus den Babys werden irgendwann Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche und schließlich erwachsene Menschen. Auf diesem Lebensweg leisten andere immer wieder ihren Beitrag zu der Entwicklung. Außer nahen Verwandten, kommen so nacheinander ErzieherInnen aus Kita und Kindergarten, Lehrer, Ausbilder usw. prägend hinzu. Dabei bin ich sicher, dass diese alle nach ihrem besten Wissen und Gewissen in bester Absicht ihren „Stempel aufdrücken“.

Glaubenssätze schützen.

„Fass nicht auf die heiße Herdplatte!“ habe ihn aus dem Munde meiner Mutter gehört, getestet was passiert, wenn ich diesen Satz ignoriere, und für gut befunden. So gut, dass ich mich noch heute daran halte. Glaubenssätzen dienen anfangs unserem Schutz. Es sind die Leitplanken die uns durchs Leben begleiten. Auch Sprichwörter wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder Volksliedtexte wie „Im Wald da sind die Räuber“ sind durch Angst-Szenarien oft emotional stark verknüpft und prägen sich dadurch, umso tiefer ein. Wie gesagt, das ist durchaus sinnvoll, um uns zu schützen so lange wir zu schwach sind, uns selbst zu schützen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Für ein Grundschulkind ist es sicherlich schützend sich dem Wald fernzuhalten. Wenn sich jedoch Erwachsene nicht in den Wald trauen, wäre das wohl ein wenig befremdlich.

Schülerinnen hören vielleicht sogar noch heute, sie seien nicht geeignet für mathematische und naturwissenschaftliche Fächer. Die Eltern wollen ihr Kind in bester Absicht vor Misserfolgen bewahren. Das kann zur Folge haben, dass sich einige in diesen Fächern nicht engagieren. Von meiner Mutter hörte ich , dass ich ein ungeschickter Kletterer sei, nachdem sie beobachtete wie ich eine (für mich überlebensgroße) Mauer überwinden wollte. Ihre Absicht war mich davor bewahren, dass ich beim Klettern von irgendeiner Mauer stürze und mir alle Knochen breche. (Danke liebe Mutter!) Ungeprüft übernahm ich ihre Aussage und glaubte fortan ich sei ein ungeschickter Kletterer. Meine Geschicklichkeit habe ich nicht entwickelt, so dass es mir noch heute schwer fällt irgendwo herumzukraxeln.

Halten wir also fest: Glaubenssätze sind emotional tief verankert. Sie entstehen, weil uns nahestehende, vertrauensvolle Menschen in einem gewissen Lebensalter vor Unheil schützen wollen. Was können wir heute tun, wenn uns die Glaubenssätze an einer Weiterentwicklung hindern?

Glaubenssätze bearbeiten.

Um Glaubenssätze vollständig zu bearbeiten gilt es sie zunächst zu identifizieren, sie dann zu bearbeiten und schließlich zu transformieren und zu integrieren. Schauen wir uns diesen Prozess Stück für Stück an.

Zuerst gilt es zu klären: Was ist Dein Wunsch oder Deine Vision? Welches konkrete Ziel bringt Deine Vision näher? Schaffe Klarheit, welche Bedürfnisse Du Dir mit dieser Vision erfüllen möchtest. Ohne klares Ziel oder Vision macht es nur wenig Sinn an einem Glaubenssatz zu arbeiten. Wenn es keine Hürden gibt, die zu überwinden sind, dann braucht man auch nicht extra welche aufbauen. Wenn Du jedoch eine Vision hast, daran denkst und plötzlich den Chor Deiner inneren Stimmen (deiner Kritiker) hörst, dann höre genau hin, denn sie geben Dir wertvolle Hinweise auf deinen aktuellen Glaubenssatz.

Was fühlst Du, wenn Du an diesen Glaubenssatz denkst? Vielleicht bringt Dich der Glaubenssatz in Verbindung mit einem Menschen, der in Deinem Leben eine wichtige Rolle spielte. Nimm Dir Zeit und erforsche die Bedürfnisse, die Dir der Glaubenssatz erfüllte und welche nicht. Nimm Dir weiter die Zeit und betrauere die Bedürfnisse, die dadurch in Mangel gerieten und feiere alle Bedürfnisse die durch den Glaubenssatz erfüllt wurden. Bist Du bereit zu entscheiden, ob Du den Glaubenssatz verändern möchtest? Vielleicht wird Dir in diesem Moment bewusst, dass Dir dieser Glaubenssatz so viele Bedürfnisse erfüllt, dass Du ihn gar nicht verändern möchtest. Vielleicht hast Du in diesem Moment die Klarheit, dass Du mit diesem Glaubenssatz Frieden schließen kannst. Feiere diese Erkenntnis.

Glaubenssätze transformieren.

Überlege sorgfältig, durch welche Strategien Du Dir heutzutage die Bedürfnisse des alten Glaubenssatzes erfüllen kannst. Vielleicht erfüllt er auch überhaupt keine Bedürfnisse mehr und ist nur noch hinderlich, dann kann er einfach weg. Überlege wie Dein neuer erweiternder Glaubenssatz lauten könnte. Achte darauf, dass Du ihn möglichst einschränkungsfrei formulierst. Sage ihn Dir laut vor und spüre nach, ob er einschränkende Elemente enthält. Falls ja, dann optimiere noch weiter.

Angenommen Du hättest die Vision einer glücklichen Partnerschaft und gleichzeitig den Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert.„, der am Ende deiner letzten Partnerschaft entstand. Wenn Du diesen Glaubenssatz in „Ich bin liebenswert.“ um-transformierst, besteht die Gefahr, dass Du Dich in der nächsten Beziehung darauf beschränkst nur noch liebenswert zu sein. Genau das gilt es zu vermeiden.

Sobald Du einen stimmigen Glaubenssatz gefunden hast, kannst Du diesen integrieren. Höre in Dich hinein und spüre wie es sich anfühlt wenn der neue Glaubenssatz bereits verankert wäre. Fühlt es sich stimmig an, dann geht es ans integrieren. Neue Gewohnheiten und auch Glaubenssätze benötigen ca. 21 aufeinanderfolgende Tage. Wie manifestierst Du in dieser Zeit täglich Deinen neuen Glaubenssatz?

Zum Beispiel könntest Du Dir eine Haftnotiz an Deinen Schreibtisch oder Kühlschrank kleben. Vielleicht ist es für Dich stimmiger Dir einen Serientermin in Deinen Kalender zu schreiben, der Dich daran erinnert Deine Vision vor dem inneren Augen zu halten und dabei Deinen Glaubenssatz dreimal laut aufzusagen. Sei ruhig kreativ und lass Dich von der Wirkung überraschen.

Mein erster Städte-Marathon (42,195km).

Irgendwann in den 80ern begann ich zu Joggen. 1981 hatte ich mir den „Höchst Marathon“ angeschaut und war begeistert. Das wollte ich auch und gleichzeitig dachte ich: „Das schaffe ich NIE! Ich bin unsportlich!“. Vom Joggen hat es mich nicht abgehalten und Mitte der 80er Jahre bin ich sogar Marathondistanzen gelaufen. Vor der Anmeldung zu einem offiziellen Stadtmarathon habe ich mich jedoch gescheut.

Aufgrund von Studium und anderer Interessen, hörte ich mit dem Joggen aufgehört und begann erst 2004 wieder damit. Anfangs konnte ich noch nicht einmal 1km am Stück laufen. Um dran zu bleiben hatte ich mir Marathon als Ziel gesetzt. Doch da war noch der Glaubenssatz. „Das schaffe ich NIE!“ So entwickelte ich mein Zielbild: „Ich laufe mit breitem Lachen über die Ziellinie und bin super glücklich.“ Daraufhin entwickelte ich den neuen Glaubenssatz: „Ich will das schaffen!“, den ich bei jeder Joggingrunde leise vor mir her flüsterte. Von meinem Bedürfnis „Schutz vor Blamage“ konnte ich mich leicht lösen und durch die eingesetzte Energie im Training erfüllte ich mir die Bedürfnisse nach Selbstwirksamkeit, Entwicklung, Wachstum und Selbstvertrauen. Noch heute feiere ich diese Integration.

Jahresrückblick 2020

So langsam neigt sich das Jahr 2020 dem Ende und ich höre gelegentlich, dass es einige kaum erwarten können, dass dieses „schreckliche“ Jahr endlich endet. War es wirklich so schrecklich und bestand es im wesentlichen aus Covid-19 und kuriosen Twitter-Meldungen des US-Präsidenten Trump?

Ich blicke mit Zufriedenheit auf das Jahr zurück und möchte Dich inspirieren ebenfalls einmal den Blick zurückzuwerfen. Welche neuen Wege hast Du eingeschlagen, um Deine Bedürfnisse in diesem Jahr zu erfüllen?

Januar

Ich erinnere mich noch genau als ich am 01. Januar 2020 mit Freunden in guter Laune mit einem Glas Sekt voller Zuversicht auf das neue Jahrzehnt anstieß. Die ersten Wochen verliefen erfreulich und ganz nach meiner Zufriedenheit. Ich entdeckte den Winterurlaub das erste Mal von einer ganz anderen Seite und genoss die Entspannung.

Februar

Im Internet kursierten erste Videos über ein neuartiges Killer-Virus. Die Darstellungen empfand ich so überzogen, dass ich dem ganzen erst gar keine Bedeutung bemessen wollte. Die Faschingszeit ging recht spurlos an mir vorüber und ich war zufrieden, dass mein Tagestraining zur „Empathischen Kommunikation“ am 29. Februar 2020 in Hofheim noch durchgeführt werden konnte.

März

Doch plötzlich tauchten erste Fälle von Covid-19 Erkrankungen in Deutschland auf. Selbst zu diesem Zeitpunkt war ich nicht sonderlich erschrocken. Doch dann ging stiegen die Fallzahlen exponentiell und ich begann mich einzuschränken. Ich kapselte mich weitestgehend ab und begann Live-Kontakte weitestgehend einzuschränken, um meinen Beitrag zu leisten die Verbreitung zu stoppen. Die Menschen begannen Toilettenpapier zu hamstern, meine geplanten Trainings zu Empathischer Kommunikation und mein Vortrag über den Jakobsweg wurden abgesagt. Ich war einerseits frustriert und gleichzeitig froh, dass Maßnahmen ergriffen wurden die Verbreitung des Virus zu reduzieren. Am 23. März wurde eine Kontaktsperre verhängt. Um weiterhin zur empathischen Entwicklung beizutragen, bot ich die Übungsgruppe Online per Zoom an.

Es war zu beobachten, dass Homeoffice in vielen Unternehmen plötzlich möglich war und die Staumeldungen im Berufsverkehr rapide abnahmen. Der Himmel war frei von Kondensstreifen, da auch der Flugverkehr deutlich eingeschränkt wurde. Einerseits sorge ich mich um die bedrohten Arbeitsplätze und gleichzeitig bin ich zuversichtlich, dass Covid-19 einen gesellschaftlichen Wandel einleiten kann und neue Wege gefunden werden die ebenso zum Gemeinwohl beitragen.

April

Meine Osterfahrradtour vom Taunus ins Allgäu zu meiner Mutter fällt aufgrund der Ausgangsbeschränkungen flach. Das frustrierte mich, denn so habe ich mir in den vergangenen Jahren mein Bedürfnis nach Freiheit und Bewegung erfüllt. Dafür war ich froh einen gesellschaftlichen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie zu leisten.

Für die Jahreszeit ist es bereits erstaunlich warm und es weitet mir das Herz das frische Grün in den Wiesen und Wäldern zu sehen. Mein Bedürfnis nach Bewegung erfülle ich mich durch ausgedehnte Spaziergänge und Radrunden in der näheren Umgebung. Die Temperaturen laden ein die Grillsaison zu eröffnen. Gemeinschaft mit Freuden nur im engen Kreis ermöglichten tiefergehende, zwischenmenschliche Verbindungen und steigerte die Qualität der Beziehungen.

Ende April war ich ganz gespannt, denn ich konnte meinen in 2019 bestelltes Reisemobil, einen Pössl-Kastenwagen, abholen.

Mai

Die Pandemie scheint sich zu beruhigen, die Zahl der Neuinfizierten ist geringer als die Zahl der Genesenen und die Einschränkungen werden überall gelockert. Diese quasi wiedergewonnenen Freiheit nutze ich, um mit meinem Reisemobil meine Mutter im Allgäu zu besuchen. Ich genieße einerseits die Gemeinschaft mit meiner Mutter und gleichzeitig, Ruhe und Geborgenheit im Reisemobil. Es erfüllt auch mein Bedürfnis nach Reduktion, nach dem Beschränken auf das Wesentliche und all das finde ich darin.

Immer mehr Bundesländer lockern die Einschränkungen und es ist Zeit für Erholung. Ich unternehme die erste längere Tour von Eifel über den Niederrhein ins Sauerland und erkunde Regionen die mir bislang fremd waren. Abwechslungsreichtum, Flexibilität, Unabhängigkeit sind Bedürfnisse die mit der Erholung in meinem Reisemobil in Verbindung stehen. Ich fühle mich darin auch vor Covid-19 ausreichend geschützt, da ich unterwegs nur zum Einkaufen mit anderen Menschen in Kontakt komme.

Juni, Juli, August

Die Sommermonate waren geprägt von Wochenendausflügen. Beim Erkunden der Wispertrails bei Lorch verband ich mich mit einer Erfahrung, die ich lange in der näheren Umgebung lange nicht mehr machte. Die Temperaturen lagen bei ca. 20°C, es war sonnig, ich wanderte auf mir unbekannten Wegen. Je weiter ich den Hang erklomm, desto schöner und weiter waren die Ausblicke und es stellte sich ein Urlaubs- und Erholungsgefühl ein, dass mich den Alltag vergessen ließ. Herrlich!

Weiterhin prägten die Sommermonate den Umzug meiner Mutter zurück in heimische Gefilde. Es war eine Zeit des Ausräumens, des Reduzierens und somit auch des Trauerns, um all das was losgelassen wurde. Mir ist dabei bewusst geworden, dass jedes Ding zum Zeitpunkt der Anschaffung irgendein Bedürfnis erfüllte. Irgendwann werden mich die Dinge nur noch mit meiner Erinnerung an das früher erfüllte Bedürfnis in Verbindung bringen, jedoch nicht mehr das Bedürfnis selbst erfüllen. Diese Erkenntnis feierte ich, denn sie verhalf mir zu mehr Freiheit und erleichterte loszulassen.

September

Das Tragen der Alltagsmasken ist seit dem Frühling bereits zur Gewohnheit geworden und Italien ist ein Land in dem es keine Reisewarnung gibt. Somit ein ideales Ziel um mit dem Reisemobil auf der Insel Elba und in der Toskana Urlaub zu genießen. Oftmals reichte es mir im Schatten der Pinien einfach nur da zu sitzen oder in der Hängematte zu liegen, um den Ausblick und die Ruhe zu genießen.

Oktober

Bereits Mitte Oktober übersteigt die Zahl der täglich Neuinfizierten die Anzahl im Frühjahr und Ende Oktober liegen die Zahlen bei knapp 20.000. Der Teillockdown wird beschlossen und die Gaststätten und Restaurants also die Orte gesellschaftlichen Lebens müssen schließen.

November

Ich bin frustriert, denn meine Trainings und Vorträge wurden konsequenter Seite von den Bildungsträgern auf unbestimmte Zeit verschoben. Gleichzeitig bin ich wiederum dankbar, dass ich auf auf diese Art und Weise einen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie leisten kann.

Beinahe hätte ich es vergessen: Ich bin wieder einmal ein Jahr älter geworden und feierte im kleinen Kreis voller Zuversicht, dass es irgendwann Zeiten geben wird, wo auch wieder größere Feiern möglich sein werden. Ich genieße meinen Geburtstag zu feiern, denn es bedeutet für mich, lebendig zu sein.

Dezember

Der Dezember ist dadurch geprägt, dass die Stunden mit Tageslicht täglich weniger werden. Irgendwie bedrückt es mich auch, dass die meistern Weihnachtsmärkte abgesagt wurden. Ich freute mich jedes Jahr über die von Glühwein Duft geschwängerte Luft und die bunten Verkaufsstände. Um zumindest der farblosen, dunklen Zeit ein wenig entgegenzuwirken, fiel die Weihnachtsdekoration mit Leuchtsternen daheim in meinen Fenstern ein üppiger aus. Jetzt freue ich mich sogar jedes Mal, wenn ich im Dunkeln von draußen hereinkomme und in jedem Fenster leuchtet ein Stern in anderer Farbe.

Am Weihnachtsfest werde ich in diesem Jahr vermutlich ohne den Live Besuch der Christmette auskommen. Ich freue mich, dass die Kirchen auch neue Wege einschlagen und Online- Christmetten anbieten, wie z.B. der Ökumenische Weihnachtsgottesdienst um 16 Uhr im Livestream. Mit dem Weihnachtsgottesdienst verbinde ich mich jedes Jahr mit den Erinnerungen meiner Kindheit.

Auch Silvester wird vermutlich sehr besinnlich und still. Ich weiß noch nicht wie und wo ich es feiern werde, Dafür weiß ich schon jetzt, dass ich mit Zuversicht ins neue Jahr blicken werde und mich auf mehr Empathie im Alltag freue.

Abschließend möchte ich den Menschen meine Dankbarkeit ausdrücken, die ich kennenlernen und deren Leben ich bereichern durfte, die mich durch andere Meinungen inspirierten und die mein Leben in irgendeiner Art bereicherten.

Durch Selbstempathie zu nachhaltigen Entscheidungen.

Entscheidung für mein Pössl Reisemobil .Hier on Tour im Hunsrück.

Seit April 2020 bin ich freudiger Besitzer eines Reisemobiles: Ein Summit 600 plus der Firma Pössl. Wie es dazu kam und wie ich durch Selbstempathie zu einer nachhaltigen Entscheidung kam, erzähle ich hier in diesem Artikel.

Ich liebe es zu verreisen. Einerseits um mich zu erholen und gleichzeitig die Menschen und Kulturen ihrer Länder kennenzulernen. Kambodscha, Kuba, China, Nordamerika erkundete ich in den vergangenen Jahren. Doch es müssen ja nicht immer Fernreisen sein, um mein Bedürfnis nach Erholung und Entdeckung zu stillen. Auch die Wochenenden geraten dabei immer stärker in den Fokus, um dem alltäglichen zu entfliehen. Allein der Gedanke spontan irgendwo hinfahren zu können ohne zuvor ein Zimmer buchen zu müssen, erschien mir zunehmend verlockend.

Erste Informationen.

Es ist mir wichtig informierte Entscheidungen zu treffen. Ich brauchte Klarheit. Deshalb besuchte ich mit meiner Partnerin Anfang September 2019 den Caravan Salon in Düsseldorf. Dort vermutete ich eine ausreichend guten Überblick zu bekommen, was es gerade am Markt gibt und worauf beim Kauf zu achten ist. Im Zickzack durchforsteten wir die Hallen auf dem Ausstellungsgelände und waren verzückt von der Auswahl. Besonders beeindruckten mich die Luxusmobile, in der Größe eines Schulbusses mit kleiner Garage für einen Smart. Wobei diese aufgrund mangelnder Alltagstauglichkeit und auch wegen des höheren 6-stelligen Preises überhaupt nicht in Frage kämen. Nachdem wir in mindestens 20 Reisemobilen unterschiedlicher Hersteller gesessen und mit einigen Verkaufsberatern geredet hatten, verstanden wir den Unterschied zwischen Integrierten, Teilintegrierten, Kastenwagen und Expeditionsmobilen.

Die Tendenz war klar. Zu klein sollte das Reisemobil nicht sein. Ich wollte zumindest darin stehen können, eine kleine Küche mit Kühlschrank, Dusche und Toilette sollten auch vorhanden sein. So fiel die Wahl auf einen Kastenwagen mit ca. 6m Länge. Der Vorteil des Kastenwagens im Vergleich zu einem Teilintegrierten erschien mir u.a. in den Hecktüren und der großen seitliche Schiebetür. Außerdem stellte ich mir vor, dass er eher flexible auch für andere Zwecke als Urlaub wie z.B. bei Umzügen verwendet werden könnte.

Das Angebot.

Mit ausreichend Informationen versorgt, ließ ich die Eindrücke erst einmal sacken. Bereits wenige Tage nach dem Messebesuch war klar, dass ich mir vermutlich ein Reisemobil der Marke Pössl anschaffen werde, da ich nach all den Informationen Erfahrung und Qualität mit dieser Marke verbinde. Ich sucht mir einen Händler in meiner Nähe und ließ mir dort nochmals detailliert die Unterschiede der einzelnen Modelle erklären und welches Zubehör empfehlenswert ist. Ich entschied mir sofort für eine Zusatzbatterie und ein Solarpanel, um größtmögliche Flexibilität und Unabhängigkeit sicherzustellen. Über Farbe der Lackierung, Holzdekor und Art der Sitzbezüge beriet ich mich mit meiner Partnerin, da es mir ebenso wichtig ist, dass sie sich bei gemeinsamen Urlauben ebenfalls im Reisemobil wohlfühlt.

Nachdem Modellvariante, Austattung und Zubehör geklärt waren erhielt ich vom Händler ein Angebot. Zudem hieß es, dass die Lieferzeit meines Wunschmodells ca. neun Monate betragen wird.

Die Entscheidung durch Kosten und Nutzen.

Zahlen, Daten und Fakten auf dem Tisch und ich durfte mich entscheiden, ob ich bestellen möchte oder eben nicht. Wie ich das Reisemobil finanzieren könnte war ebenfalls geklärt und es lag nun an mir. Bestellen oder Nicht-Bestellen das war hier die Frage.

Eine Möglichkeit der Entscheidungsfindung wäre eine Kosten-/Nutzenrechnung gewesen aus der sich folgenden Fragestellungen ergaben:

  • Wie häufig werde ich das Reisemobil im Jahr beruflich und privat nutzen?
  • Wie hoch wäre die jährliche Abschreibung und wie hoch die laufenden Kosten?
  • Wann hätte sich das Reisemobil amortisiert?
  • Welche Alternativen gäbe es wie z.B. jedes Mal im Bedarfsfall ein Reisemobil zu mieten?

Da die qualitativen Merkmale wie Spaß, Freizeitwert, Flexibilität quantitativ, also in Geldwert, für mich nicht zu beziffern waren, wählte ich einen anderen Ansatz.

Die Entscheidung durch Selbsteinfühlung.

Ich stellte mir vor ich hätte bereits das Reisemobil. Dabei stellte sich ein freudiges, fröhliches Gefühl ein. Beim Gedanken an die Vertragsunterschrift spürte ich jedoch einen geringen Widerstand, den ich auf mangelnde Klarheit zurückführte. Um zu einer Entscheidung zu kommen, lenkte ich den Fokus auf die Bedürfnisse, die mir das Reisemobil erfüllen würde.

Es gibt mir Schutz und Sicherheit. Bei einem Verlust meiner Wohnung hätte ich immer noch ein Dach über dem Kopf, das mir zusätzlich Sicherheit gibt. Die Erfahrung glücklich zu sein und mit minimalem Gepäck zu reisen, kannte ich von meiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Minimalistisches und auch nachhaltiges Reisen entspricht meinen Werten. Größtmögliche Flexibilität und Unabhängigkeit von verbindlichen Reisebuchungen kommt mir ebenfalls sehr entgegen. Der Gedanke an ortsunabhängiges Arbeiten, das Verbinden von Reisen und Beruf ist für mich Inspiration und birgt Entwicklungspotential.

Die Vorstellung im Reisemobil zu Entspannen, bereits auf dem Weg zum Urlaubsort zu entspannen erfüllt mir ebenso mein Bedürfnis nach Freiheit, Autonomie und Unabhängigkeit. Mein Vater wäre zu seinen Lebzeiten gerne mit einem Reisemobil gereist. Die Vorstellung so zu reisen wie es sich mein Vater für sich gewünscht hätte, führt mich zu einen anderen Qualität der Verbindung zu meinem Vater. Meine Mutter fuhr ein paar Jahre nach dem Tod meines Vaters mit ihrem neuen Partner im Reisemobil kreuz und quer durch Deutschland und Europa und als ich sie in den Entscheidungsprozess einbezog, ergab sich neuer Gesprächsstoff, der auch die Verbindung zu meiner Mutter vertiefte.

Nachdem ich erkannte, welche Bedürfnisse ich mir durch die Anschaffung erfüllen würde, war die Entscheidung für mich so klar, dass ich die Bitte an mich richtete zu bestellen.

Fazit und Rückblick

Seit einem knappen halben Jahr fahre ich mit dem Reisemobil durch die Gegend und habe die Anschaffung noch kein bisschen bereut, denn meine erwarteten Bedürfnisse sind erfüllt. Darüber hinaus war das eigene Reisemobil für mich die beste Strategie, um in der Corona-Pandemie meine Gesundheit auch im Urlaub vor Ansteckung zu schützen.

Ich freue mich heute, dass ich durch Selbstempathie die Entscheidung so klar und mit vollem Herzen treffen konnte. Hätte ich die Entscheidung auf Grundlage der Kosten und Nutzenbetrachtung getroffen, hätte ich die Anschaffung vielleicht nicht getroffen und einige Bedürfnisse hätten andere Strategien zur Erfüllung gebraucht.

Wenn Du den Prozess der Selbsteinfühlung erlernen oder vertiefen möchtest, dann wird doch mal einen Blick auf meine Angebote zu Trainings und Übungsgruppen. Ist etwas für Dich dabei?

Wie triffst Du Deine Entscheidungen? Spürst Du auch rein welche Bedürfnisse dadurch erfüllt werden? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu.

Einfach nur hier sitzen

Kennt ihr das Video von Loriot, in welchem der Hausmann Herrmann im Sessel sitzt und vor sich hin döst während die emsige Hausfrau in der Küche geschäftig hin und her geht und fragt: „Was machst Du da?“, worauf hin er antwortet: „Nichts.“. Die Hausfrau reagiert mit Unverständnis und äußert Ideen was Herrmann, denn so machen könnte. Von Idee zu Idee steigt Unbehagen bei Herrmann, denn er will einfach nur hier sitzen.

Loriot: „Szenen einer Ehe“

Und genau so geht es mir gerade. Ich bin im Urlaub und möchte einfach nur hier sitzen, mich entspannen und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Dabei bin ich ganz froh, dass ich das im Gegensatz zu Herrmann völlig ungestört machen kann.

Früher bestimmt das Maß an Aktivitäten und neuen Entdeckungen auch den Grad meiner Erholung. Natürlich möchte ich auch hier auf Elba Fahrradfahren, Schwimmen, die Insel erkunden und mich an den für mich unbekannten Landschaftspanoramen erfreuen. Aber jetzt gerade gefällt mir das „hier sitzen“ und „einfach mal nichts müssen“, genieße das Meeresrauschen, die Sonne und erfülle mir so mein Bedürfnis nach Entspannung, um zu resetten und frische Energie zu tanken. Ich weiß, dass irgendwann der Moment kommen wird, wo mein Bedürfnis nach Entdeckung erweckt und mein Aktivitätsniveau wieder ansteigt. Doch im Moment mag ich einfach nur „hier sitzen“.

Welche Strategien nutzt ihr zum Erholen und Entspannen?

Gedicht – Kommunikation am Morgen

Vorgetragen in hessischer Mundart

Mit meiner Frau kann ich nicht schwätzen,
denn sie spricht nur in halben Sätzen.
„Hol mir bitte das …, Du weißt schon was !“
Bei dem Satz werd‘ ich leichenblass.

Ich weiß weder was noch wo.
Das ist bei uns schon lange so.
„Was soll ich holen?“ frag‘ ich gleich.
„Frag nicht so dumm, es beißt dich gleich!“

Ich überlege mir als Mann,
was mich jetzt gleich so beißen kann.
Es müsst in meiner Nähe sein,
doch dazu fällt mir gar nichts ein.

„Vorne! Auf dem Tisch!“ Ich muss mich besinne‘
was ist bei ihr vorne und was bei ihr hinne.
Salz- und Pfefferstreuer und die Zuckerbüchs‘,
steh‘n einsam dort, sonst seh‘ ich nix.

Ich denke mir fast nichts dabei
und reiche ihr gleich alle drei.
„Wenn es nicht so traurig wäre, müsst ich lache‘.
Muss ich dann alles selber mache‘? “

Sie erhebt sich, dass ich bald erschreck‘
und nimmt mir die Serviette weg.
Wie viel schöner wär‘ nur diese Bitte im Leben:
„Schatz, kannst du mir mal die Serviette geben?“

Hintergrund und Quelle

Dieses Gedicht stammt aus der Feder meines Vaters (1928-2007). Er verarbeitete typische Alltagssituationen gerne in humorvollen Gedichten, die ich hier in meinem Blog von Zeit zu Zeit veröffentlichen werde.

Beim Lesen schmunzele ich und freue mich, da die Verbindung zu meinem Vater und meine Dankbarkeit für das was er mir im Leben gegeben hat, in diesen Momenten sehr lebendig wird.

Mensch ärgere Dich nicht!

Wer kennt „Mensch ärgere Dich nicht!„? Es ist ein über 110 Jahre alte Gesellschaftsspiel für vier Spieler. In meiner Kinder und Jugendzeit habe ich es gerne mit meinen Eltern und Freunden gespielt. Später, als ich selbst Kinder hatte, spielte ich es ebenfalls gerne mit Ihnen, denn ich kenne kein Spiel, bei dem ich so freudigen Zugang zu der Emotion „Ärger“ bekomme. Bei diesem Würfelspiel geht es darum alle eigenen vier Figuren vom Startfeld ins „Häuschen“ zu bekommen. Dabei müssen sie das Spielfeld einmal umrunden. Es gewinnt derjenige der seine Figuren zuerst im „Häuschen“ hat.

Konflikte sind vorprogrammiert

Zieht ein Spieler seine Figur gemäß der Augenzahl seines Würfels auf ein Feld, das bereits mit der Figur eines Mitspielers besetzt ist, so geht diese Figur zurück auf die Startposition. So ensteht Freude auf Seiten des Spielers der seinem Sieg dadurch näher gekommen ist . Gleichzeitig Ärger bei demjenigen, der seine Figur nun mühevoll wieder vom Start über das Spielfeld bewegen muss. Wenn zwischen den Spielern nicht tieferliegende Konflikte bestehen, so lässt sich der Sieger feiern. Der „Ärger“ sollte bei den anderen Spielern inzwischen verflogen sein.

Ärger entsteht oft unbewusst

Die Wurzel unseres Ärgers ist im Alltag ist immer irgendein Auslöser. Beispielsweise beobachten wir, dass sich eine andere Person in unseren Augen unangemessen verhält. Weder erkennen wir in diesem Moment unser unerfülltes Bedürfnis, noch wollen wir das unangenehme Gefühl von Trauer, Angst oder Hilflosigkeit fühlen. Deshalb entscheiden wir uns unbewusst über die andere Person zu urteilen und sie zu beschuldigen. So ensteht unser Ärger. Leicht gerate wir in eine „Schleife“, die durch weitere Urteile den Ärger nährt.

Ärger vergeht eher bewusst

Außer beim „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiel empfinde ich selbst wenig Spaß, wenn ich Ärger empfinde. Durch die Gewaltfreien Kommunikation habe ich einen Weg gefunden den Ärger aufzulösen und dadurch entspannter zu leben. Bei diesem Weg entscheide ich mich bewusst zunächst dem Auslöser mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dann beleuchte ich welche Hinweise mir meine Urteile und Bewertungen auf meine unerfüllte Bedürfnisse geben. Mit dieser Klarheit übernehme ich selbst Verantwortung für meine Gefühle wie z.B. Trauer, Angst oder Hilflosigkeit. So kann ich schließlich beginnen Wege zu suchen und um das zu bitten was ich brauche.

Unmaskiert im Tankstellenshop

Erst kürzlich war ich an einer Tankstelle, um meinen Wagen mit frischem Treibstoff zu versorgen. An jeder Zapfzäule und auch beim Eingang in den Tankshop hing ein DIN A4 großes Hinweisschild, dass der Tankshop aufgrund Covid-19 und der gesetzlichen Regelungen nur mit Mund-Nasen-Bedeckung (Maske) zu betreten ist. Seit dem die Regelung in Kraft ist, führe ich stets eine solche „Maske“ mit mir und trug sie auch im Tankshop. Es waren noch andere Kunden vor mir. Ich reihte mich in die Warteschlange ein und blickte mich im Shop um.

Da betrat eine Dame etwa in meinem Alter den Shop und ich dachte ich traue meinen Augen nicht: Ihr Mund und ihre Nase waren unbedeckt! Ich dachte „Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ich trage die Maske ja auch nicht weils mir Spaß macht und sie hält sich nicht an die Regeln. Hat es wohl nicht nötig!“ und schon war ich im mit meinen Gedanken im Ärger gefangen. Bis ich mir dachte „Stop! Will ich mich jetzt für den Rest des Tages darüber ärgern?“ Die Antwort war ein klares „Nein“.

Also in den Ärgerprozess hinein und zurück auf zum Auslöser. Da war eine Frau die den Shop ohne Mund-Nasen-Bedeckung betrat. Meine Urteile wiesen darauf hin, dass meine Bedürfnisse nach „Gesundheit“ und „Beitragen“ die Pandemie einzudämmen im Mangel waren und mein Gefühl von Angst vor einer möglichen Ansteckung machte sich breit. Auch wusste ich im ersten Moment nicht so recht wie ich mich jetzt verhalten soll. Ich hätte sie ansprechen können und fragen weshalb sie ohne Mund-Nasen-Bedeckung den Tankshop betrat. Die Antworten konnte ich mir jedoch denken. Entweder hatte sie die Krankheit bereits überstanden, sie hatte ihre Maske vergessen oder sie hält von den ganzen Maßnahmen die ihre Freiheit einschränken nichts. Ich hätte ihr sagen können, wie ich darüber denke, dass sie den Tankshop ohne Maske betritt oder ich konnte einfach meinen Abstand zu ihr vergrößern.

Wundervolle Wahlmöglichkeiten

Ich hatte also Wahlmöglichkeiten und entschied mich bewusst für die Variante des größtmöglichen Abstands, wodurch auch der Ärger verschwand, denn dadurch wurden meine Bedürfnisse am besten efüllt. Wäre ich in den aufrichtigen Selbstausdruck gegangen und den Dialog aufgesucht, wäre ich den ungebremsten Aerosolen ausgesetzt gewesen und das wollte ich nun definitiv nicht. Noch weiter verschwand mein Ärger als ich diesen Artikel dazu schrieb.

Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Strassengiraffisch

In der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) wird häufig die Giraffe als Symbolfigur für Empathie verwendet, da Giraffen die Landlebewesen mit dem größten Herzen sind. Als Gegenspieler begegnet einem im deutschsprachigen Raum der Wolf, der mit wenig Gespür für Gefühle und Bedürfnisse seine Urteile einfach rausheult. Die GFK wird auch als Sprache des Herzens oder Giraffensprache genannt. Sie orientiert sich grundsätzlich an den vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Daraus kann sich ein Satz mit folgender klassischer Struktur ergeben: „Wenn ich sehe/höre … , fühle ich mich …, weil ich brauche …. Wärst Du bereit?“. Die eher umgangssprachliche Anwendung der GFK aus einer empathischen Haltung heraus ist „Strassengiraffisch“. Dieser Artikel enthält ein paar Tipps und Beispiele sowie eine Übung zum praxisnahen Einsatz der Gewaltfreien Kommunikation.

„Being Giraffe“ versus „Doing Giraffe“

Falls Dir die Methode der GFK noch nicht in „Fleisch und Blut“ übergegangen ist und Du einen Selbstausdruck äußerst, dann mag er anfänglich vielleicht etwas „gestelzt“ klingen. Das ist völlig ok, solange die gute Absicht darauf liegt eine Verbindung herzustellen und GFK „richtig“ anzuwenden. In diesem Fall verhältst Du Dich noch wie eine Giraffe (Doing Giraffe) und wirkst vielleicht noch nicht so authentisch wie es Dir lieb wäre. Wenn Du dabei bleibst, wirst Du bald die empathische Haltung entwickeln aus der Du authentisch mit Dir selbst und Deiner Umwelt verbunden bist. (Being Giraffe)

Damit sich aus der Anwendung der Methode der GFK eine empathische Haltung entwickelt, empfehle ich diese Methode zur Selbsteinfühlung zu verinnerlichen. Am Besten Du spürst täglich bei Alltagssituationen in Dich hinein, welche Deiner Bedürfnisse gerade im Mangel und welche erfüllt sind. Vielleicht findest Du auch eine passende Bitte.

Ausdruck von Beobachtungen

Eine klare Beobachtung ist das, was widerspruchsfrei von mehreren Menschen gleichzeitg beobachtet werden kann und basiert auf ZDF, also Zahlen, Daten und Fakten, zum Beispiel: Der Wagen fährt 116km/h, Klaus wiegt 78.4kg und ist 1.69m groß, das Essen ist mit 6g Salz gewürzt.

Da diese Maßzahlen häufig nicht zur Verfügung stehen greift man umgangssprachlich gerne zu absoluten Äußerungen wie zB. der Wagen fährt viel zu schnell, Klaus ist viel zu schwer, dass Essen ist total versalzen. Der unklare individuelle Maßstab von „viel zu“ führt gerne zu Diskussionen über unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe. Ich phantasiere jetzt einen Dialog der sich in ähnlicher Form bei meinen Eltern im Auto oder bei Loriot abgespielt haben könnte:

  • Mutter: „Fahr‘ doch nicht so schnell!“
  • Vater: „Aber ich fahre doch gar nicht schnell.“
  • „Doch Du fährst viel zu schnell.“
  • Vater blickt auf den Tacho: „Ich fahre doch gerade mal 126km/h“
  • „Das sag ich doch, das ist viel zu schnell“
  • „Aber hier sind 130km/h erlaubt, also ist es gar nicht zu schnell“

Diesen Dialog könnte endlos weiterspinnen und er würde in dieser Form zu keiner Lösung führen. Außer die Mutter würde aus Not den Warnhinweis „Gleich wird mir schlecht!“ äußern.

Tipp: das Universelle „als mir“

Eine Lösung wäre bei folgender Aussage möglich: „Du fährst schneller als mir lieb ist“. Mit dieser Äußerung stelle ich eine Referenz zu meiner Wahrnehmung und gleichzeitig zu meinen unangenehmen Gefühl her. „…als mir lieb ist.“ lässt sich recht universell einsetzen:

  • Du fährst schneller als mir lieb ist.
  • Die Musik ist lauter als mir lieb ist.
  • Du sprichst lauter als mir lieb ist.
  • Der Grill raucht stärker als mir lieb ist.
  • Die Tüten sind schwerer als ich tragen kann.

Wenn ich selbst der Vergleichsmaßstab bin, kann der andere zwar immer noch anmerken, wie empfindlich oder was auch immer ich bin, meine Botschaft ist jedoch als Selbstausdruck authentisch kommuniziert. In allen Fällen wünsche ich mir, dass meine Bedürfnisse gesehen und respektiert werden.

Umgangssprachlicher Ausdruck von Bedürfnissen

Im Kern geht es in der Gewaltfreien Kommunikation um die menschlichen Bedürfnissen und Wege diese zu erfüllen. Um diese zu benennen findest Du nachfolgend ein paar Beispiele, deine Bedürfnisse auszudrücken:

  • Autonomie: „Ich möchte gerne selbst entscheiden“
  • Entwicklung: „Ich möchte gerne mal was Neues ausprobieren“
  • Einfühlung: „Ich möchte gerne mal erzählen was bei mir so los ist“
  • Entspannung: „Ich möchte jetzt gerade mal nichts tun“
  • Körperliche Bedürfnisse: „Ich brauche bald etwas zu Essen, zu Trinken, eine Dusche“
  • Individualität: „Ich möchte mich so kleiden, wie es mir gefällt“
  • Integrität: „Ich möchte nicht warten sondern meine Zeit sinnvoll nutzen“
  • Geistige Bedürfnisse (Lesen, Denken, Humor): „Ich möchte gerne meine grauen Zellen aktivierien“
  • Sicherheit: „Ich möchte gerne, dass alle Fakten auf dem Tisch liegen bevor ich mich entscheide.“
  • Schutz: „Ich will ganz sicher sein, dass mir nichts passiert.“
  • Gemeinschaft: „Ich möchte gerne mal wieder ‚unter Leute'“

Paar- bzw. Kleingruppenübung

  1. Finde 2-3 Alltagssituationen welche Du bearbeiten möchtest (~5 Min)
    • Situation in der Du jemanden auffordern möchtest sein Verhalten zu ändern, etwas zu unterlassen oder etwas zu tun (zB. Jemand drängelt sich vor; Müll rausbringen; Zimmer aufräumen)
  2. Rollenspiel (~2 Min.)
    • Spreche aus was Du in der Situation gesagt hast oder sagen würdest? (A)
    • Notiere die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
    • Notiere gegebenenfalls Triggerworte die Dir Dein Übungspartner nennt
  3. Umformulierung (~3 Min.)
    • Welche Urteile und Bewertungen stecken in der Aussage von A? Was will A konkret, dass B tut?
    • Umformuliere was Du „klassisch“ in GFK sagen würdest: Wenn ich sehe dass…, fühle ich…., weil ich brauche…..und deshalb bitte ich Dich….
    • Umformuliere in deinen Alltagssprachgebrauch, so dass es für Dich stimmig ist
  4. Rollenspiel (~2 Min)
    • A „testet“ die Reaktion in empathischer Haltung mit B/C
    • Was ist die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
    • Notiere jetzt die Reaktion/Triggerworte
    • Was hat sich verändert?
  5. Rollenwechsel
    • A und B/C wechseln die Rollen und beginnen von vorne

Frühling – Start in die Grillsaison

Sobald im Frühling die ersten Sonnenstrahlen herauskommen und die Außentemperaturen die 12°C Marke übersteigen, steigt in mir die Lust die Grillsaison zu eröffnen. Meine Vorfreude beginnt bereits beim Einkauf im Supermarkt mit der Auswahl des Grillgutes. Wenn ich meine Einkäufe nach Hause bringe und präsentiere, denke ich: So stolz müssen sich die Steinzeitmenschen nach langer Jagd gefühlt haben.

Die Vorbereitung der Grill-Zeremonie empfinde ich ebenso entspannend wie einen meditativen Prozess. Ich beginne mit der Reinigung meines Weber-Grills und fülle anschließend Holzkohle oder Briketts ein; ich entfache das Feuer und warte bis die Kohlen durchgeglüht sind. Bin ich eigentlich alleine mit der Beobachtung, dass überwiegend Männer das Feuer machen und den Grill bedienen? 😉

Anschließend kommen Würste, Steaks, Spareribs ebenso wie Gemüse und veganes Grillgut auf den Rost. Es bizzelt und zischt. Die Rauchschwaden tragen das Aroma des Essens in meine Nase und die nahe Umgebung. Meine Vorfreude auf das was da noch kommt steigt. Ich wende das Grillgut und freue mich, wenn ich es exakt beim Garpunkt vom Rost nehme. Allein beim Gedanken an den Geschmack des Grillgutes mit den Grillaromen, läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Wenn es meinen Liebsten oder Freunden anschließend noch schmeckt, freue ich mich einen Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft geleistet zu haben.

Des einen Freud‘ …

Vor über 20 Jahren allerdings, machte ich die Erfahrung, dass mein Spaß am Grillfeuer nicht unbedingt ansteckend ist. Vor allem dann nicht, wenn Nachbarn in dem Moment ihre frischgewaschene Wäsche zum Trocknen draußen hängen haben, wenn ich das Grillfeuer entfache. An die nicht sehr gewaltfreien Worte meines Nachbarn kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Irgendwas in der Art von „Du spinnst wohl“ und „Siehst Du denn nicht, dass…“ war jedoch dabei. Ichfühlte mich so schuldig, dass ich seit dieser Zeit meiner Umwelt gegenüber achtsamer bin. Bevor ich heute ein Grillfeuer entzünde schaue ich erstmal in die Umgebung, ob irgendwo Wäsche hängt oder die Nachbarn in anderer Form durch mein Grillen beeinträchtigt sein könnten. Wenn ja, frage ich wie sich meine Lust nach Gegrilltem mit deren Interessen vereinbaren lässt.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt gerne was in den Kommentar.

Empathie – Power für die Seele

Löwenzahl, Pusteblume

Wenn ein Mensch in keiner guten seelischen Verfassung ist, Kummer trägt, sich schuldig fühlt oder schämt, sich fürchtet oder seinem Ärger Luft macht, ist Empathie ein wirksames Mittel, um die Seele mit frischer Power zu versorgen.

Was ist eigentlich Empathie? Empathie oder auch Einfühlung ist ein menschliches Bedürfnis und entfacht neue Lebensenergie für denjenigen der nach schwierigen Momenten empathisch gehört wird. Dazu brauche ich in erster Linie völlige Präsenz und Aufmerksamkeit, um eine Verbindung zu meinem Gegenüber herzustellen. Damit kann er auch die Verbindung zu sich selbst wieder herstellen. Die Verbindung stelle ich her indem ich zuhöre ohne die Situation des Anderen zu analysieren oder darüber nachzudenken was ich denn selbst als Nächstes sagen möchte. Beim Zuhören richte ich meinen Fokus darauf, welche Bedürfnisse in Schieflage geraten sind, um zu unterstützen die Gedanken des Leidtragenden zu ordnen. Dazu äußere ich so knapp wie möglich meine Vermutungen über ihre oder seine unerfüllten Bedürfnisse.

Das klingt erstmal einfach und ist gleichzeitig schwierig, weil wir häufig anderes gewöhnt sind. Wer kennt nicht die typischen Klassiker aus der eigenen Kindheit wie z.B. „Bis Du heiratest, ist es vergessen!“, „Ach, das hätte noch viel schlimmer kommen können“, „Das kann doch jedem Mal passieren“ usw. Das ein oder andere davon habe ich sowohl selbst gehört als auch angewendet. Das war jedoch eher ein Quick-Fix, in der Hoffnung schnell Abhilfe oder Lösungen zu schaffen als eine nachhaltige empathische Reaktion.

Wenn jemand verzweifelt ist, weil er zum Beispiel aufgrund einer Kündigung den Job verloren hat , drehen sich die Gedanken vielleicht um “ Ich habe mich doch immer eingesetzt! Warum ich?“ Als Zuhörer mag man vielleicht gerne Unterstützen darauf Antworten zu finden, jedoch ist es noch zu früh, solange der Schmerz noch groß ist. Um den Fokus einfühlsam auf das Bedürfnis zu richten, empfiehlt es sich eher zu fragen: „Bist Du verunsichert und weißt jetzt gerade nicht wie es weitergeht?“ Falls die Frage bejaht werden kann, wird auch eine erste Erleichterung wahrnehmbar sein.

Erleichterung heißt nicht, dass das Problem verschwunden ist, aber es ist ein Schritt in dieser Richtung. Vermutlich kommen noch weitere Gedanken hinzu, die ebenfalls geäußert und vor allem gehört werden wollen. Wenn alle Bedürfnisse, oder zumindest die meisten, auf dem Tisch liegen und nichts mehr gehört werden will, ist eine Klarheit geschaffen, die es ermöglicht zu fragen was es als Nächstes braucht.

Vielleicht ist es

  • Trost, um weitere Erleichterung zu schaffen und auch meine Gedanken und Gefühle zu dem Umstand zu äußern oder
  • Sympathie und ich teile mein eigenes Erleben in der Situation mit oder schildere wie ich in ähnlicher Situation gefühlt habe oder
  • ein praktischer Ratschlag was ich in der Lage tun würde.

Was auch immer es ist, das sollte der Leidtragende entscheiden!

Empathisches Zuhören üben

Empathie lässt sich mit je zwei Personen ( A und B) gerade auch außerhalb dramatischer Situationen leicht üben:

  • A erzählt 5 Minuten lang über das was gerade anliegt und B hört aufmerksam auf Gefühle und Bedürfnisse ohne Fragen zu stellen oder Notizen zu machen
  • B äußert 3 Minuten die vermutlich gehörten Gefühle und Bedürfnisse
  • A und B tauschen sich 2 Minuten darüber aus
  • B und A wechseln die Rollen, d.h. B erzählt 5 Minuten lang über ein Ereignis etc

Wer das Empathische Zuhören eine Weile geübt hat wird vielleicht auch erkennen, dass „Empathie – Berühren ohne Anzufassen“ ist.