Was genau ist Dein Problem?

fragender Blick

Ja, was ist eigentlich Dein Problem? Nichts? Keine Probleme im Alltag? Alles läuft wie am Schnürchen? Das verstehe ich jetzt mal so: Du bist gesund, glücklich und zufrieden, hast ein Dach über dem Kopf und kannst all die Dinge tun, die Dir Freude bereiten. Mit deiner Partnerin oder Deinem Partner läuft es immer wie geschmiert, Dein Nachwuchs (falls vorhanden) entwickelt sich nach Deinen Vorstellungen und in Deiner Familie geht es allen gut. Im Job bist Du gerne mit Deinen Kollegen zusammen. Du erhältst jedes Jahr deine wohlverdiente Gehaltserhöhung und Deine Arbeit wird von Deinen Vorgesetzten wertgeschätzt. Im Freundeskreis bist Du jederzeit willkommen und wirst so akzeptiert wie Du bist. Falls dem so ist, dann kannst Du diesen Beitrag getrost ignorieren, denn ich wüsste nicht, wie ich Dich jetzt noch bereichern könnte.

Oder ist vielleicht doch an der ein oder anderen Stelle ein wenig „Sand im Getriebe“? Dann möchte ich Dich einladen weiterzulesen, denn vielleicht ist eine Inspiration dabei wie Du Deine Herausforderung bewältigen kannst.

Allerdings geht es dabei nur um die Herausforderungen die Du auch wirklich selbst bewältigen kannst. Du wirst vermutlich nicht die globalen Probleme wie z.B. die Covid-19 Pandemie oder die Erderwärmung ganzheitlich und alleine lösen, aber Du kannst einen Beitrag dazu leisten.

Wo drückt der Schuh?

Nimm Dir zunächst ein wenig Zeit und richte Deine Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Bereiche Deines Alltags. Vielleicht entdeckst Du in einer Ecke Deines Lebens, etwas das Du gerne lösen oder zumindest erträglicher gestalten würdest. Unter Umständen unterstützen Dich folgende Fragen:

  • Wie steht es um Deine Gesundheit und/oder körperliche Fitness?
  • Bist Du mit Deiner finanziellen Situation zufrieden?
  • Wie glücklich bist Du in Deiner Partnerschaft/Ehe?
  • Wie zufrieden bist Du mit der Entwicklung Deiner Kinder?
  • Sind Deine Eltern gesund und fit?
  • Wie läuft es mit Deinen Nachbarn und wie läuft es im Freundeskreis?
  • Bist Du zufrieden mit dem Verlauf Deiner Karriere, mit Deinen Kollegen oder Vorgesetzten?
  • Welche Veränderung würdest Du am Liebsten sofort in Deinem Leben umsetzen?

Gehe ruhig ein paar Deiner Lebensbereiche durch und notiere Dir zwischen drei und zehn Themen, wo Du Dir Lösungen oder zumindest Veränderungen wünschst. Vielleicht kommen Aussagen wie die folgenden dabei heraus:

  • „Ich bin sauer auf meine Arbeitskollegin, weil Sie häufig bei unserer gemeinsamen Vorgesetzten im Büro sitzt und wieder schlecht über die Kollegen redet, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.“
  • „Ich bin unglücklich, weil mein Partner mehr Zeit mit seinen Hobbies verbringt als mit mir. „
  • „Mein Gewicht ist außer Kontrolle, weil die Hotels auf Geschäftsreisen immer so vielfältige Frühstücksbüffets anbieten.“
  • „Ich bin frustriert, weil meine Kinder in ihrem Alter immer noch nicht in der Lage sind in Ihrem Zimmer für Ordnung zu sorgen.“
  • „Ich weiß nicht was ich machen soll, weil meine Partnerin das ganze Haushaltsgeld für unnützes Zeug ausgibt.“

Die Kontrolle zurückgewinnen.

Noch vor über zwanzig Jahren, war ich der Meinung, dass meine Zufriedenheit und mein Gefühlszustand überwiegend von anderen Menschen abhängig ist. Zugegebenermaßen hat das auch seine „Vorteile“, denn ich konnte meine schlechte Laune in Äußerungen über Andere ausleben. Der Arbeitskollege der mir im Meeting mitten in den Satz gefallen ist, wurde zum Blödmann des Tages und ich konnte meine Fassungslosigkeit darüber bis in den Feierabend mitnehmen. Meine Gedanken kreisten ausschließlich um diese eine Situation und meine Laune verbesserte sich den ganzen Abend nicht mehr. Da missglückten selbst die Aufheiterungsversuche meiner Familie. Wie auch? Schuld war ja dieser Blödmann in dem Meeting! Und ich darf erst gar nicht daran denken, dass ich den morgen wieder sehen werde.

Heute glaube ich, dass die eigentliche Problematik darin lag, dass ich dachte ich könne rein gar nichts tun, da ich den anderen für meinen Gefühls- und Gemütszustand verantwortlich machte. Ich gab ihm die Kontrolle über mich und war im Ergebnis hilflos. Hilflosigkeit ist schwer auszuhalten. Inzwischen weiß ich, dass ich die Kontrolle zurückgewinnen kann, wenn ich meine unangenehmen Gefühle als Antwort auf meine unerfüllte Bedürfnisse zurückführe. Wenn ich die Klarheit über meine unerfüllten Bedürfnisse gewonnen habe, fällt es mich auch leichter eine Lösung dafür zu finden.

Um bei meinem Beispiel zu bleiben, sind meine Bedürfnisse nach Wertschätzung, Beitragen, Gehört werden während des Meetings ins Hintertreffen geraten. Die Kausalkette folgt dem Schema „Ich habe abc beobachtet und fühle mich uvw weil mein Bedürfnis nach xyz im Mangel ist“. Also „Ich wurde mitten im Satz unterbrochen und war in diesem Moment konsterniert, weil mein Bedürfnis nach wertschätzendem Umgang in Besprechungen in Schieflage geriet.“ Aha! Mit dieser Erkenntnis kann ich arbeiten und nach der Unterbrechung hätte ich die Bitte äußern können. „Mir ist ein wertschätzender Umgang in Besprechungen wichtig. Dazu gehört, dass ich nicht unterbrochen werde, wenn ich dran bin. Wäre das für alle ok, wenn wir jetzt in dieser Form weitermachen?“ In diesem Moment hätte ich damals die Kontrolle übernommen und einen angenehmeren Abend mit meiner Familie verbringen können.

In wenigen Schritten ans Ziel.

Zurück zu Deinem Beispiel. Versuche zunächst Dein Beispiel in verdauliche Einheiten zu zerlegen in dem Du notierst:

  • Was ist die konkrete faktische Beschreibung der problematischen oder herausfordernden der Situation? Beschränke Dich auf nachvollziehbare Fakten und halte jegliche Interpretationen oder Diagnosen heraus.
  • Was fühlst Du, wenn Du die reine Beobachtung betrachtest? Wenn Dein Gefühl dazu einigermaßen neutral ist, dann ist es eine Beschreibung ohne Bewertung.
  • Was denkst Du über die Situation bzw. welches Bild der Situation hast Du vor Augen? („Lecker! Ich will von allem einmal probieren.“)
  • Wie fühlst Du Dich in dieser problematischen Situation? Die Gefühle in dieser Situation zuzulassen kann hilfreich sein, denn sie bereiten den Weg zu deinen unerfüllten Bedürfnissen.
  • Welches Bedürfnisse könnten dahinter stecken? Nimm Dir Zeit, es könnten unter Umständen auch mehrere Bedürfnisse sein.
  • Auf welchen Wegen könntest Du Dir diese Bedürfnisse außerdem noch erfüllen?
  • Für welchen konkreten weg magst Du Dich entscheiden?

Wenn Du das aller erste Mal mit dieser Vorgehensweise konfrontiert wirst, mag sie fremd und ungewohnt vorkommen. Sobald Du Dich erstmal damit angefreundet hast, können sich die Probleme auflösen und Du kannst zufriedener und empathischer Deinen Alltag genießen. Hast Du Fragen zu Deinem konkreten Beispiel? Dann sprich mich gerne an oder besuche eines meiner Trainings. 😉

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