Gedicht – Kommunikation am Morgen

Vorgetragen in hessischer Mundart

Mit meiner Frau kann ich nicht schwätzen,
denn sie spricht nur in halben Sätzen.
„Hol mir bitte das …, Du weißt schon was !“
Bei dem Satz werd‘ ich leichenblass.

Ich weiß weder was noch wo.
Das ist bei uns schon lange so.
„Was soll ich holen?“ frag‘ ich gleich.
„Frag nicht so dumm, es beißt dich gleich!“

Ich überlege mir als Mann,
was mich jetzt gleich so beißen kann.
Es müsst in meiner Nähe sein,
doch dazu fällt mir gar nichts ein.

„Vorne! Auf dem Tisch!“ Ich muss mich besinne‘
was ist bei ihr vorne und was bei ihr hinne.
Salz- und Pfefferstreuer und die Zuckerbüchs‘,
steh‘n einsam dort, sonst seh‘ ich nix.

Ich denke mir fast nichts dabei
und reiche ihr gleich alle drei.
„Wenn es nicht so traurig wäre, müsst ich lache‘.
Muss ich dann alles selber mache‘? “

Sie erhebt sich, dass ich bald erschreck‘
und nimmt mir die Serviette weg.
Wie viel schöner wär‘ nur diese Bitte im Leben:
„Schatz, kannst du mir mal die Serviette geben?“

Hintergrund und Quelle

Dieses Gedicht stammt aus der Feder meines Vaters (1928-2007). Er verarbeitete typische Alltagssituationen gerne in humorvollen Gedichten, die ich hier in meinem Blog von Zeit zu Zeit veröffentlichen werde.

Beim Lesen schmunzele ich und freue mich, da die Verbindung zu meinem Vater und meine Dankbarkeit für das was er mir im Leben gegeben hat, in diesen Momenten sehr lebendig wird.

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