Mensch ärgere Dich nicht!

Wer kennt „Mensch ärgere Dich nicht!„? Es ist ein über 110 Jahre alte Gesellschaftsspiel für vier Spieler. In meiner Kinder und Jugendzeit habe ich es gerne mit meinen Eltern und Freunden gespielt. Später, als ich selbst Kinder hatte, spielte ich es ebenfalls gerne mit Ihnen, denn ich kenne kein Spiel, bei dem ich so freudigen Zugang zu der Emotion „Ärger“ bekomme. Bei diesem Würfelspiel geht es darum alle eigenen vier Figuren vom Startfeld ins „Häuschen“ zu bekommen. Dabei müssen sie das Spielfeld einmal umrunden. Es gewinnt derjenige der seine Figuren zuerst im „Häuschen“ hat.

Konflikte sind vorprogrammiert

Zieht ein Spieler seine Figur gemäß der Augenzahl seines Würfels auf ein Feld, das bereits mit der Figur eines Mitspielers besetzt ist, so geht diese Figur zurück auf die Startposition. So ensteht Freude auf Seiten des Spielers der seinem Sieg dadurch näher gekommen ist . Gleichzeitig Ärger bei demjenigen, der seine Figur nun mühevoll wieder vom Start über das Spielfeld bewegen muss. Wenn zwischen den Spielern nicht tieferliegende Konflikte bestehen, so lässt sich der Sieger feiern. Der „Ärger“ sollte bei den anderen Spielern inzwischen verflogen sein.

Ärger entsteht oft unbewusst

Die Wurzel unseres Ärgers ist im Alltag ist immer irgendein Auslöser. Beispielsweise beobachten wir, dass sich eine andere Person in unseren Augen unangemessen verhält. Weder erkennen wir in diesem Moment unser unerfülltes Bedürfnis, noch wollen wir das unangenehme Gefühl von Trauer, Angst oder Hilflosigkeit fühlen. Deshalb entscheiden wir uns unbewusst über die andere Person zu urteilen und sie zu beschuldigen. So ensteht unser Ärger. Leicht gerate wir in eine „Schleife“, die durch weitere Urteile den Ärger nährt.

Ärger vergeht eher bewusst

Außer beim „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiel empfinde ich selbst wenig Spaß, wenn ich Ärger empfinde. Durch die Gewaltfreien Kommunikation habe ich einen Weg gefunden den Ärger aufzulösen und dadurch entspannter zu leben. Bei diesem Weg entscheide ich mich bewusst zunächst dem Auslöser mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dann beleuchte ich welche Hinweise mir meine Urteile und Bewertungen auf meine unerfüllte Bedürfnisse geben. Mit dieser Klarheit übernehme ich selbst Verantwortung für meine Gefühle wie z.B. Trauer, Angst oder Hilflosigkeit. So kann ich schließlich beginnen Wege zu suchen und um das zu bitten was ich brauche.

Unmaskiert im Tankstellenshop

Erst kürzlich war ich an einer Tankstelle, um meinen Wagen mit frischem Treibstoff zu versorgen. An jeder Zapfzäule und auch beim Eingang in den Tankshop hing ein DIN A4 großes Hinweisschild, dass der Tankshop aufgrund Covid-19 und der gesetzlichen Regelungen nur mit Mund-Nasen-Bedeckung (Maske) zu betreten ist. Seit dem die Regelung in Kraft ist, führe ich stets eine solche „Maske“ mit mir und trug sie auch im Tankshop. Es waren noch andere Kunden vor mir. Ich reihte mich in die Warteschlange ein und blickte mich im Shop um.

Da betrat eine Dame etwa in meinem Alter den Shop und ich dachte ich traue meinen Augen nicht: Ihr Mund und ihre Nase waren unbedeckt! Ich dachte „Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ich trage die Maske ja auch nicht weils mir Spaß macht und sie hält sich nicht an die Regeln. Hat es wohl nicht nötig!“ und schon war ich im mit meinen Gedanken im Ärger gefangen. Bis ich mir dachte „Stop! Will ich mich jetzt für den Rest des Tages darüber ärgern?“ Die Antwort war ein klares „Nein“.

Also in den Ärgerprozess hinein und zurück auf zum Auslöser. Da war eine Frau die den Shop ohne Mund-Nasen-Bedeckung betrat. Meine Urteile wiesen darauf hin, dass meine Bedürfnisse nach „Gesundheit“ und „Beitragen“ die Pandemie einzudämmen im Mangel waren und mein Gefühl von Angst vor einer möglichen Ansteckung machte sich breit. Auch wusste ich im ersten Moment nicht so recht wie ich mich jetzt verhalten soll. Ich hätte sie ansprechen können und fragen weshalb sie ohne Mund-Nasen-Bedeckung den Tankshop betrat. Die Antworten konnte ich mir jedoch denken. Entweder hatte sie die Krankheit bereits überstanden, sie hatte ihre Maske vergessen oder sie hält von den ganzen Maßnahmen die ihre Freiheit einschränken nichts. Ich hätte ihr sagen können, wie ich darüber denke, dass sie den Tankshop ohne Maske betritt oder ich konnte einfach meinen Abstand zu ihr vergrößern.

Wundervolle Wahlmöglichkeiten

Ich hatte also Wahlmöglichkeiten und entschied mich bewusst für die Variante des größtmöglichen Abstands, wodurch auch der Ärger verschwand, denn dadurch wurden meine Bedürfnisse am besten efüllt. Wäre ich in den aufrichtigen Selbstausdruck gegangen und den Dialog aufgesucht, wäre ich den ungebremsten Aerosolen ausgesetzt gewesen und das wollte ich nun definitiv nicht. Noch weiter verschwand mein Ärger als ich diesen Artikel dazu schrieb.

Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

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