Opfer der Mafia oder meiner Gedanken?

Da war er nun. Ein Stellplatz wie er im Buche steht. Direkt an der Westflanke des Vesuvs und vor mir der Blick auf die Bucht von Neapel. In unmittelbarer Nähe waren drei Lokale die Snacks, Pizza oder Meeresfrüchte anboten. Ich fuhr auf den Platz und schon kam ein Mann mit orangefarbener Warnweste auf mich zu und wollte wissen, ob ich eines der Lokale besuchen oder über Nacht stehen wollen. Für die Nacht wären € 10 zu berappen. Zumindest war es das, was ich mit meinen geringfügigen Italienischkenntnissen verstand. Er wies mir den Platz zu, den ich auch über Nacht nutzen könnte.

Soweit so gut. Die Situation erschien mir irgendwie suspekt. Nirgendwo war eine Parktafel mit Gebühren zu sehen. Auch trug er keinen Ausweis, der ihn, in meinen Augen, dazu qualifizierte mit Recht zu tun, was er eben gerade tut. Nämlich Fahrzeuge einweisen. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich erstmal ein Getränk an der Snackbar nehmen werde und mich erst anschließend entscheide, ob ich bliebe oder weiterfahre. Von der Snackbar aus hatte ich einen perfekten Platz, um die Lage zu beobachten. Ich bestellte ein großes Bier und verfolgte das Treiben. Es kam ein PKW der wurde eingewiesen. Dann kam ein Motorrad, samt Fahrer, der machte was er wollte und parkte irgendwo und ignorierte die winkenden Hände des Mannes mit der Warnweste. Ein Wagen verließ den Parkplatz und der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und drückte dem Warnwestenmann etwas in die Hand bevor er den Platz verließ. Und so weiter.

Warum bin ich bloß so misstrauisch?

Wo bin ich? Am Vesuv. Wo ist der Vesuv. Oberhalb von Neapel. Wer ist in Neapel? Die Camorra. Wer sind die Camorra? Organisierte kriminelle Familienklans. Wofür ist dieser organisierte Familienklan bekannt? Für Waffen- und Drogenhandel und andere illegale Geschäfte, die immerhin den Klanfamilien pro Jahr €24 Milliarden umsetzen. Ach ja Schutzgeld gehört auch dazu. Fortan folgen meine Gedanken der fixen Idee, die €10 für die Übernachtung seien nichts anderes als Schutzgeld für mein Wohnmobil. Ich erinnere mich an verschiedene TV-Serien und Mafia Filme. In meiner Erinnerung werden die Restaurants und Bars der unwilligen Schutzgeldzahler im besten Fall einfach abgefackelt. Im schlimmsten Fall wird der Kneipier oder wahlweise auch seine Gäste umgebracht.

Blick auf Neapel bei Nacht

Meine Gedanken machen mir Angst. Keine Furcht, denn es ist ja erstmal nichts Bedrohliches in der Nähe – außer dem Vesuv, aber der scheint gerade nicht in Ausbruchslaune zu sein. Der Mann trug keine Waffe und sah auch nicht sonderlich angsteinflößend aus. Als ich mir vorstellte wie mein Wohnmobil an diesem herrlichen Ort lichterloh in Flammen aufgeht, empfand ich eher eine unspezifische Angst. Gleichzeitig mochte ich diesen genialen Platz nur ungern aufgeben. Der Reiz die Nacht über Neapel zu verbringen, unter mir die Energie des Vesuv zu spüren, war zu groß.

Wie erlange ich die nötige Sicherheit?

Ach ja, das Internet weiß inzwischen ja so alle mögliche. Vielleicht gibt es dort irgendwelche Hinweise, die mir meine Angst nehmen. Sicherlich hat der ein oder die andere bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. Ja! Ich werde fündig. Es haben bereits einige Menschen vergleichbare Erfahrungen gemacht und im Internet publiziert. Die Bandbreite der Meinungen reicht von „ein Schnäppchen für diesen tollen Platz“ über „nachts klopfte es am Wohnmobil und suspekter Mensch wollte €10“ bis „reine Abzocke, bloß nicht zahlen“. Zumindest fand ich keinen Hinweis auf abgebrannte Wohnmobile. Das gab mir zumindest ein Stück weit ein wenig Sicherheit.

Nachdem Abendessen und einem weiteren Bier, war klar, dass ich auf diesem Platz bleiben werde. Zu dem Parkplatzwächter gesellte sich inzwischen ein zweiter, ebenfalls mit Warnweste. Ich dachte einen kurzen Augenblick darüber nach, ob ich nicht einfach meine Warnweste aus dem Wohnmobil hole. Damit hätte ich mich dazugesellen und auch ein paar Autos einweisen können, um meine Urlaubskasse ein wenig aufzubessern. Ich entschied mich dagegen. Als mich der Warnwestenmann sah, kam er auf mich zu. Scheinbar konnte er sich erinnern, dass ich die fällige Gebühr von €10 noch nicht entrichtet hatte. Mit Widerwillen zahlte ich. Die €10 waren immerhin gut investiertes Geld, wenn ich am kommenden Morgen noch ein intaktes Wohnmobil habe.

Nur um ganz sicher zu sein, dass noch ein weiterer Warnwestenmann mit der Bitte nach €10 kommt, fragte ich nach einer Quittung. Da trug deutlich zur Erheiterung des Warnwestenmannes bei. Er fand es so lustig, dass er seinem Kollegen über den halben Parkplatz zurief „Schau mal! Der hier will eine Quittung.“ Worauf auch der Andere herzhaft zu lachen begann. Beide konnten sich kaum noch einkriegen. Während ich anschließend mit einem Gefühl der Sicherheit in meinem Wohnmobil so langsam zur Ruhe kam, verhallten das Lachen der beiden Warnwestenmänner über der Bucht von Neapel.

Money, Money, Money

„Money, Money, Money must be funny in the rich man’s world.“ singt Abba in ihrem Nummer 1 Hit aus 1976. Im Liedtext geht es darum, dass eine Frau quasi pausenlos arbeitet, um Geld zu verdienen. Das Geld reicht aber vorne und hinten nicht. So stellt sie sich in ihren Träumen vor, dass sie mit einem reichen Kerl ein angenehmeres Leben hätte und wenn sie keinen findet, in Monaco oder Las Vegas Glück beim Spiel hat, um ein unbeschwertes Leben zu führen. Echt jetzt?

Irgendwie hat mich dieser Abba Song dazu inspiriert das Thema Geld mit Hinblick auf die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation hin zu betrachten.

Achtsame Beobachtung zu Geld.

„Geld“ gibt es in unterschiedlichen Ländern als farbig bedruckte Scheine oder geprägte Münzen. Geld kann man achtsam mit allen Sinnen erfassen. (Wobei ich im folgenden den Geschmacks- und Geruchssinn unberücksichtigt lasse.)

Ich kann Geld sehen. Die Geldscheine sind rechteckig und unterscheiden sich in Farbe, Größe, Motiv oder Muster. Auf jedem Schein ist sein Wert aufgedruckt, der geringer ist als der Wert des Scheines selbst. Im Euro Raum gibt es 5, 10,20,50,100,200 und 500 Euro Scheine. Vorder- und Rückseite der Scheine sind mit unterschiedlichen Motiven gestaltet. Jeder Geld Schein ist zudem fälschungssicher, damit er nicht in kopierter Form als „Blüte“ in den Umlauf kommt. Für kleinere Beträge gibt es Münzen. Auf jeder Münze ist ihr Wert eingeprägt. Es gibt 1, 2, 5 , 10, 20, 50 Cent und 1 und 2 Euro Münzen. Die meist runden Münzen unterscheiden sich durch Größe, Material und eingeprägtem Motiv.

Ich kann Geld hören. Die Geldscheine rascheln anders als Tankbelege, Zeitungspapier oder Schreibpapier. Die Münzen geben blecherne Töne von sich, wenn sie im Portemonnaie mit anderen Geldstücken kollidieren oder wenn sie aufgrund der Erdanziehung fallen.

Ich kann Geld anfassen. Beim Betasten eines Geldscheines kann ich eine gewisse Struktur spüren. Die Münzen sind unterschiedlich geprägt. Die Cent und Euro Münzen sind am Rand unterschiedlich geprägt, so dass sie auch durch reines Betasten unterschieden werden können.

Die Menge des mir zur Verfügung stehenden Geldes erhalte ich, wenn ich das was gerade in meiner Geldbörse steckt zu dem addiere was ich auf meinem Konto- und/oder Kreditkartenauszug sehe. Da kommt in der Regel eine Zahl heraus die entweder größer, kleiner oder eben gleich Null ist. Wenn ich Geld ganz nüchtern ausschließlich mit meinen Sinnen betrachte (wie Geld riecht oder schmeckt, habe ich bewusst nicht beachtet), fällt mir auf, dass diese Scheine und Münzen alleine, nur für sich betrachtet, für mich völlig bedeutungslos sind. Wie geht es Dir wenn Du Geld mit Deinen Sinnen erfasst?

Wozu brauchen wir Geld?

Bedeutung bekommt das Geld erst in dem Moment, wenn ich es mit meinen Gedanken verknüpfe, überlege was ich damit anstellen kann und gegen welche Waren oder Dienstleistungen ich es tauschen kann.

Wenn ich auf den Kontoauszug des letzten Monats zurückblicke, dann brauchte ich mein Geld für Miete, Hypotheken, Ver- und Entsorgung (Strom, Heizung, Wasser, Internet), Lebensmittel und Drogerieartikel, wie zum Beispiel Toilettenpapier (um das Thema mal wieder aufzugreifen), Versicherungsbeiträge zur Sicherung unsere Geldes (falls eines der Risiken des Alltags einmal eintritt), Rücklagen für die Altersrente und Reparaturen, Urlaub und kulturelle Aktivitäten. Außer der monatlichen Kosten brauche ich Geld, für Mobiliar, Kleidung und Investitionen wie z.B. Auto, Fahrrad, Fernseher oder Computer.

Geld benutze ich also in erster Linie, um mir Bedürfnisse zu erfüllen. Geld ist demzufolge selbst kein Bedürfnis sondern ein Weg, um mir meine Bedürfnisse zu erfüllen.

An dieser Stelle bitte ich Dich einen Augenblick inne zu halten und eine Liste zu erstellen, wofür Du Dein Geld ausgibst und welche Bedürfnisse Du Dir damit erfüllst. Zum Beispiel könnte die Anschaffung eines Fernsehers die Bedürfnisse nach Zerstreuung, Ablenkung, Entspannung oder auch Spannung (je nach gewähltem Genre) erfüllen. Wenn ich ein 65″ Flatscreen anschaffe, um Bekannte zum Fußballschauen einzuladen, dann erfüllt es mir vielleicht Gemeinschaft oder Geselligkeit und vielleicht auch Beitragen oder „Gesehen werden“.

Geld und Gefühle.

Obwohl ich geschrieben habe, dass Geld für sich betrachtet eigentlich bedeutungslos ist, so steht dessen Vorhandensein beziehungsweise die Abwesenheit von Geld in gewissem Zusammenhang mit unserer Stimmungslage.

Stelle Dir bitte kurz vor, Du gehst zum Geldautomaten der Bank oder Sparkasse Deines Vertrauens und dort wird Dir die Ausgabe von Bargeld verweigert. Anschließend gehst Du zum Kontoauszugsdrucker, falls Dir die EC-Karte noch nicht eingezogen wurde, und Du siehst auf Deinem Auszug, dass Dein Kontostand mit einem kompletten Monatsnettoeinkommen (also z.B. € -2.097,- dem Durchschnittseinkommen aller Deutschen) im Minus ist. Welcher Gedanke geht Dir als erstes durch den Kopf? Wie fühlst Du Dich in diesem Moment? Ist es eher Sorglosigkeit oder Hilflosigkeit?

Angenommen, ich hätte am 15.Mai 2021 die Zahlen 2-5-15-25-26-41 auf einen Lottoschein geschrieben und abgegeben, dann hätte ich heute mit 6 Richtigen eine Summe von €1.068.884,20,- auf meinem Konto. Die Zahl selbst ist im Vergleich zu dem Betrag der in meiner Bilanz als Einnahmen steht groß und gleichzeitig hat dieser Betrag an sich keine Bedeutung. Es ist eine Zahl die auf einem Blatt Papier oder auf dem Computermonitor zu lesen ist. Bedeutung bekommt diese Zahl durch meine Gedanken, wenn ich beginne mir zu überlegen, welche Bedürfnisse ich mir damit erfüllen kann.

Ich könnte Freiheit genießen und die Welt bereisen, meine Schulden tilgen und ein sorgenfreies Leben führen. Oder ich könnte zur Entwicklung beitragen und eine Hilfsorganisation gründen, um Schulen in Afrika zu bauen oder Brunnen zu graben. Oder ich könnte meine Freude teilen und in meinem Lieblingslokal eine Runde nach der anderen spendieren. Alleine wenn ich mir vorstelle, dass ich mir diese Bedürfnisse erfüllen könnte, stellt sich ein Gefühl von Freude und Leichtigkeit ein. Kaum sind diese Gedanken gedacht, meldet sich jedoch auch mein innerer Zweifler und bringt Gedanken wie „Was ist bloß, wenn das Geld plötzlich entwertet wird?“ oder „Wie wäre es, wenn ich nur noch aufgrund meines Geldes anerkannt und geliebt werde?.“ in mein Bewusstsein. Schon räumt die Freude das Bewusstsein und gibt Gefühlen von Zweifel und Unsicherheit den Platz frei.

Gehe wieder kurz in Dich und frage Dich, was Du mit einer größeren Menge Geld machen würdest. Frage Dich im zweiten Schritt, welche Bedürfnisse Du Dir damit erfüllen würdest. Finde zu jedem Bedürfnis drei Wege, wie Du Dir diese Bedürfnisse auch erfüllen könntest.

Umgang mit Geld.

Wir Menschen gehen unterschiedlich mit Geld um. Den einen mag es weniger berühren, wenn der Kontostand, um ein Monatsgehalt in der Soll-Zone ist und andere mögen existentielle Ängste plagen, wie es denn zu schaffen ist aus der Schuldenzone wieder herauszukommen. Ich glaube das ist auf die Parameter Perspektive und Glaubenssätze zurückzuführen:

  • Perspektive: Wie kann ich wieder Geld erwirtschaften, um die entstandene Lücke zu füllen?
  • Glaubenssätzen: Was habe ich seit frühester Kindheit über Geld gehört und glaube, dass es wahr ist? Zum Beispiel:
    • „Geld regiert die Welt.“,
    • „Geld verdirbt den Charakter.“,
    • „Haste was dann biste was.“ bzw. „Haste nix dann biste nix.“
    • „Geld allein macht auch nicht glücklich.“,
    • „Geld hat man zu haben.“ (§275 BGB),
    • „Andere lieben mich nur aufgrund meines Geldes“ oder
    • „Über Geld spricht man nicht.“?

Diese und ähnliche Sätze schnappte ich seit meiner Kinderzeit von meinen Eltern und anderen Erwachsenen einprägsam auf. Wie war es denn früher in Familien? Da gab es Kinder die hatten von Hause aus irgendwie alles. Geld war nie ein Thema es war einfach da. Und dann gab es Kinder, da mussten beide Elternteile arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dementsprechend unterschiedlich werden auch die Geld-Glaubenssätze sein die jeder von uns gehört haben könnte. Ich erinnere mich noch daran, dass sich meine Eltern nicht alles leisten konnten was sie gerne gehabt hätten. Auch Sparsamkeit war stets ein Thema .

Wie leicht entwickelt sich aus dem Spruch „Haste was, dann biste was!“ ein „Haste mehr, dann biste mehr!“? Je mehr Geld jemand hat, desto höheres Ansehen genießt er. Also muss es doch erstrebenswert sein viel Geld zu besitzen. Ist das so, dass die Höhe des Einkommens auch den Selbstwert bemisst?

Eines ist zumindest sicher. Es ist von Vorteil ein Einkommen zu erzielen, das ermöglicht die Miete zu bezahlen, hungrige Mägen zu stopfen und vielleicht noch ein wenig für Urlaub oder andere Anschaffungen und ein paar Rücklagen zur Verfügung zu haben. Gerade in Familien besteht in diesem Umfeld ein hohes Konfliktpotential. Wie teilt man das Familieneinkommen am Nützlichsten? Besteht die Bereitschaft für den zweiwöchigen Italienurlaub die Anschaffung einer Sitzgruppe zurückzustellen? Über die unterschiedlichen Bedürfnisse zu reden hilft Lösungen zu finden, welche die Bedürfnisse aller erfüllen.

Auch hier lade ich Dich wieder ein inne zu halten und zu überlegen, welche Glaubenssätze Du über Geld kennst. Notiere diese Glaubenssätze und überlege im nächsten Schritt, wie dienlich Dir diese Glaubenssätze sind und welche Du gegebenenfalls transformieren möchtest. (Wenn Du Deine Glaubenssätze über Geld im Rahmen eines Coachings lebensdienlich transformieren möchtest, dann sprich mich gerne an. Eine Ausführung an dieser Stelle würde diesen Beitrag sprengen.)

Ausblick

Das Thema Geld kann man noch unter vielen anderen Gesichtspunkten betrachten. Da sind die Gehaltsverhandlungen beim ersten Job, da wird Geld zur Bestrafung eingesetzt und auch als Zeichen meiner Wertschätzung wie z.B. beim Trinkgeld. Außerdem regt Marshall B. Rosenberg an das Konzept von Geld in Wert zu transformieren. Deshalb werde ich es sicherlich nochmal in einem weiteren Beitrag aufgreifen.

Welche Ideen, Impulse oder Fragen hat dieser Beitrag bei Dir ausgelöst? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu.

Ostern – Scheitern, Trauern, Neubeginn.

Ostern, Ostereier im Gras

Jedes Jahr zur Osterzeit werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt, so dass es abends länger hell ist. Die Temperaturen steigen und die Natur beginnt aus dem Winterschlaf zu erwachen. Die Christen feiern Ostern am ersten Wochenende nach dem ersten Vollmond im Frühling und in mir weckt die Ostergeschichte jeses Jahr die Metapher von Scheitern, Trauern und Neubeginn.

Die Christliche Ostergeschichte.

Ich erinnere mich in etwas so an die christliche Ostergeschichte: Jesus ritt am Sonntag vor Ostern auf einem Esel nach Jerusalem, um mit anderen Juden das Pascha-Fest zu feiern. Die Leute hatten schon viel von ihm gehört und freuten sich, dass er mit Ihnen feiern wollte. Den Staatsoberhäuptern war es gar nicht recht, dass Jesus wie ein König gefeiert wurde und suchten ihn. Jesus ahnte, dass „etwas im Busch war“ und feierte am Gründonnerstag mit seinen Jünger das Abendmahl. Anschließend wurde er verraten, am Karfreitag zum Tode verurteilt und ans Kreuz genagelt.

Ein Freund beerdigte Jesus anschließend in einer Grabhöhle und rollte zur Sicherheit einen Stein davor. Am Ostersonntag kamen Frauen an das Grab, um den Leichnam zu pflegen und entdeckten das leere Grab. Ein Engel berichtete, dass Jesus wieder lebendig sei. Er begegnete an diesem Tage auch noch Maria Magdalena zu der er meines Erachtens ein ganz besonderes Verhältnis hatte. Am Ostermontag begleitete er noch zwei seiner Jünger nach Emmaus. Sie erkannten ihn und verbreiteten das Wunder der Auferstehung.

Scheitern, Trauern, Neubeginn.

Scheitern definiere ich als „ein angestrebtes Ziel nicht erreichen“. Da Jesus keines natürlichen Todes starb und sicherlich andere Pläne verfolgen wollte, als sich am Karfreitag ans Kreuz nageln zu lassen, betrachte ich seinen Tod erstmal als Scheitern. Denn offensichtlich war das was er tat, die heilsamen Wunder und seine Beliebtheit nicht im Einklang mit den Bedürfnissen mancher „Stakeholder“. Jesus Anhänger betrauerten den leidvollen Tod am Kreuz und feiern noch heute also knapp 2000 Jahre danach das Wunder der Auferstehung.

Wow! Rückblickend kann man wohl nicht mehr von Scheitern sprechen. Ganz im Gegenteil, hätte Jesus einfach so weitergemacht, wäre das „Wunder“ ausgeblieben und heute würde wohl kaum einer mehr darüber reden.

Blicken wir auf unser eigenes Leben zurück. Irgendwann versuchte vermutlich jeder von uns aufrecht zu gehen. Klappte das beim ersten Versuch? Sicher nicht. Als wir als Kleinkinder laufen lernten fielen wir ca. 100 mal pro Tag hin. Wir ließen uns von unserem Scheitern nicht beirren, blieben dran und probierten es einfach weiter. Scheinbar hatten wir die Idee, dass wir davon profitieren könnten. Wir wollten uns entwickeln, unseren Aktionsradius vergrößern und sicherlich auch dazugehören. Kurz wir wollten unsere Bedürfnisse erfüllen und ließen diese Bedürfnisse nicht aus dem Fokus. Die Bitte ans uns selbst war: Probiere es gleich noch einmal.

Konstruktiver Umgang mit Scheitern.

Blicke ich auf mein Leben zurück, so gab es mehrere Stationen meines Lebens wo ich scheiterte wie z.B. Verlassen des Gymnasiums nach der 10. Klasse, Projekte die nicht liefen wie geplant und Beziehungen die lange vor der „Scheidung durch den Tod“ endeten. Rückblickend betrachtet traurige, teilweise traumatische Erlebnisse, die ich heute noch bedaure und gleichzeitig jeden daraus entstandenen Neubeginn feiere.

Wenn Du auch konstruktiv mit Deinem Scheitern umgehen magst, lade ich Dich ein Deinen Blick zurückzuwerfen und Dir die folgenden Fragen zu stellen:

  • Was wollte ich ursprünglich erreichen? Was war mein Vorhaben, mein Plan?
  • Welche konkrete Beobachtung macht mich glaubend, dass ich „gescheitert“ bin?
  • Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen? (Dadurch ist mein Bedürfnis nach Entwicklung schon mal erfüllt.)
  • Wenn ich daran denke, welche Gefühle sind noch präsent, ?
  • Welche Bedürfnisse wollte ich mir mit diesem Vorhaben erfüllen?
  • Welche anderen Wege gibt es diese Bedürfnisse zu erfüllen?
  • Welchen Weg möchte ich als nächstes einschlagen, um meine Bedüfnisse zu erfüllen?

Scheitern feiern.

Ich habe den Eindruck, dass Scheitern im gesellschafltichen Kontext verpönt ist. Diese Sichtweise bedaure ich, denn gerade durch Scheitern kann Entwicklung beginnen und jede Form von Entwicklung bietet Anlass zum Feiern. So ist Ausprobieren, Scheitern, Trauern und Dranbleiben schließlich ein Schlüssel zum Erfolg.

Die Geschichten des Scheiterns können dabei auch viel interessanter und unterhaltsamer sein als eine geradlinige Geschichte des Erfolges. Vielleicht sind aus dieser Idee heraus die sogenannten Fuck-Up Nights entstanden. Nein, hier geht es um nichts obszönes. Es geht um eine globale Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat Scheitern nicht zu stigmatisieren sondern zu kultivieren und zu feiern.

Magst Du mir einen Kommentar hinterlassen und Deine Geschichte teilen?

Frühling – Start in die Grillsaison

Sobald im Frühling die ersten Sonnenstrahlen herauskommen und die Außentemperaturen die 12°C Marke übersteigen, steigt in mir die Lust die Grillsaison zu eröffnen. Meine Vorfreude beginnt bereits beim Einkauf im Supermarkt mit der Auswahl des Grillgutes. Wenn ich meine Einkäufe nach Hause bringe und präsentiere, denke ich: So stolz müssen sich die Steinzeitmenschen nach langer Jagd gefühlt haben.

Die Vorbereitung der Grill-Zeremonie empfinde ich ebenso entspannend wie einen meditativen Prozess. Ich beginne mit der Reinigung meines Weber-Grills und fülle anschließend Holzkohle oder Briketts ein; ich entfache das Feuer und warte bis die Kohlen durchgeglüht sind. Bin ich eigentlich alleine mit der Beobachtung, dass überwiegend Männer das Feuer machen und den Grill bedienen? 😉

Anschließend kommen Würste, Steaks, Spareribs ebenso wie Gemüse und veganes Grillgut auf den Rost. Es bizzelt und zischt. Die Rauchschwaden tragen das Aroma des Essens in meine Nase und die nahe Umgebung. Meine Vorfreude auf das was da noch kommt steigt. Ich wende das Grillgut und freue mich, wenn ich es exakt beim Garpunkt vom Rost nehme. Allein beim Gedanken an den Geschmack des Grillgutes mit den Grillaromen, läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Wenn es meinen Liebsten oder Freunden anschließend noch schmeckt, freue ich mich einen Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft geleistet zu haben.

Des einen Freud‘ …

Vor über 20 Jahren allerdings, machte ich die Erfahrung, dass mein Spaß am Grillfeuer nicht unbedingt ansteckend ist. Vor allem dann nicht, wenn Nachbarn in dem Moment ihre frischgewaschene Wäsche zum Trocknen draußen hängen haben, wenn ich das Grillfeuer entfache. An die nicht sehr gewaltfreien Worte meines Nachbarn kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Irgendwas in der Art von „Du spinnst wohl“ und „Siehst Du denn nicht, dass…“ war jedoch dabei. Ichfühlte mich so schuldig, dass ich seit dieser Zeit meiner Umwelt gegenüber achtsamer bin. Bevor ich heute ein Grillfeuer entzünde schaue ich erstmal in die Umgebung, ob irgendwo Wäsche hängt oder die Nachbarn in anderer Form durch mein Grillen beeinträchtigt sein könnten. Wenn ja, frage ich wie sich meine Lust nach Gegrilltem mit deren Interessen vereinbaren lässt.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt gerne was in den Kommentar.

Nähe trotz Distanz durch „zoom“

Zoom Videokonferenzdienst

Ein großes Hobby meiner Jugend war die Fotografie. Fasziniert war ich von den Zoom-Objektiven. Damit konnte ich die Objekte die in der Ferne lagen so vergrößern, dass sie ganz nah erschienen. In der heutigen digitalen Welt ist das Zoomen in der Fotografie immer noch populär. Der Begriff ZOOM hat sich gerade in der Zeit der Corona Krise noch auf einem anderen Weg einen Namen gemacht: Es ist ein Programm mit dem Videokonferenzen für jedermann durchgeführt werden können.

Auch wenn ich den direkten menschlichen Kontakt, mit allen Teilnehmern in einem Raum aufgrund der besonderen Energie sehr schätze, so sind Online-Konferenzen das Mittel der Wahl. Fahrtzeiten werden vermieden und quasi von jedem beliebigen (Lieblings-) Ort der Welt mit Internetanschluss kann ich mit anderen Menschen an ihrem Lieblingsort in Kontakt kommen und bleiben.

Warum Zoom?

Erste Erfahrungen mit Online-Konferenzen habe ich 2010 mit Microsoft Skype gemacht. Inzwischen habe ich mich jedoch für Zoom entschieden, weil

  • es durch Anklicken des Zoom-Meeting-Links einfach zu starten ist,
  • weder eine Teilnehmerregistrierung noch eine aufwändige Installation für Laptops zwingend erforderlich ist (Smartphones und Tablets benötigen allerdings die kostenlose Zoom-App),
  • Bildschirminhalte und Präsentationen den Teilnehmenden gezeigt werden kann und
  • es die Möglichkeit bietet in separaten „Räumen“ in Kleingruppen oder Dyaden zu arbeiten.

Leider gilt in der digitalen Welt: „Je einfacher die Anwendung, desto größer können die Sicherheitslücken sein.“ Vielleicht geriet „Zoom“ deshalb in den vergangenen Wochen häufiger in die Presse, weil immer wieder Sicherheitslücken entdeckt wurde. So lange meine persönlichen Daten und Dateien geschützt bleiben, irritieren mich diese Sicherheitslücken jedoch weniger und ich vertraue dem Hersteller, dass er im eigenen Interesse jede dieser Sicherheitslücken sauber schließen wird, um nicht vom Markt zu verschwinden.

Um in meinen Zoom-Meetings unerwünschte Gäste auszuschließen, gestalte ich sie so, dass die Teilnehmer von mir einen Link mit Meeting ID und Kennwort erhalten. Damit gelangen die Teilnehmer in einen Warteraum. Ich übernehme die Rolle des Türstehers und öffne jedem Teilnehmer die Tür zum Meeting. Um Nebengeräusche zu vermeiden, sind alle Teilnehmer bei Eintritt auf stumm geschaltet.

Zoom installieren und Meeting starten

Auf Smartphone oder Tablet wie z.B. Ipad empfehle ich, VOR dem Anklicken des Meeting Links die „Zoom“ App bei GooglePlay oder aus dem Apple AppStore zu laden und zu installieren. Die App benötigt Zugriff unter anderem auf Lautsprecher und Mikrofon als auch auf die Aufnahmefunktionen. Beim Anklicken des Links öffnet sich die App und das Meeting startet.

Auf einem Laptop oder Desktop PC mit Audio und Kamera öffnet sich beim Anklicken des Links das Fenster des Browsers (Internet Explorer, Google Chrome, etc) kommt der Hinweis „Klicken Sie bitte auf Zoom öffnen, wenn man den Systemdialog sieht.

Falls Zoom noch nicht installiert ist, selektiere „Herunterladen und Ausführen von Zoom“. Dadurch installiert sich Zoom und anschließend startet das Meeting.

Zoom Meeting Ansicht unter MS-Windows (TM)

Funktionen für Teilnehmer

Auch wenn die Funktionen von Zoom weitestgehend selbsterklärend sind, so möchte ich auf ein paar grundsätzliche Funktionen hinweisen.

Nachdem Du im Meeting bist, hast du in der oberen rechten Ecke zwei Funktionen. Du kannst von „Sprecheransicht“ (der Teilnehmer der gerade spricht wird vergrößert dargestellt) auf „Gallerieansicht“ (alle Teilnehmer sind gleich groß) umschalten. Wenn Du auf das Symbol rechts daneben klickst, kommst Du in den Vollbildmodus.

In der Aktionsleiste am unteren Bildschirmrand (hier in der Darstellung von MS-Windows) oder am oberen Rand (Apple Ipad) sind folgende Funktionen:

  • Audio – bei aktiviertem Audio ist das Symbol ein Mikrofon, wenn Audio noch nicht aktiviert ist ein Kopfhörer. Wenn Du auf das ^ Symbol klickst, öffnet sich ein Menü mit Funktionen, um Audio zu aktivieren und zu testen. Klickst Du direkt auf das Mikrofon kannst Du Dein Mikrofon stummschalten oder die Stummschaltung aufheben,
  • Video – hier kannst Du die Videofunktionen aktivieren und deaktivieren und die Kamera auswählen,
  • Teilnehmer – hierüber kann die Teilnehmerübersicht und eine „Interaktionsleiste“ eingeblendet werden,
  • Chat – über die Chatfunktion können Textmitteilungen an ein oder alle Teilnehmer gesendet werden,
  • Bildschirm freigeben – hierüber können eigene Bildschirminhalte freigegeben werden,
  • Reaktionen – hier können Reaktionen wie „Beifallklatschen“ und “ Daumen hoch“ als spontane Teilnehmerreaktion eingeblendet werden.
  • Meeting verlassen – Damit verlässt Du das Meeting.
Teilnehmerübersicht

In der Teilnehmerübersicht werden alle Gruppen-Teilnehmer angezeigt. Das Mikrofonsymbol und das Kamerasymbol zeigen den jeweiligen Zustand an.

Durch die Symbole kann mit dem Meetingorganisator interagiert werden.

  • Handzeichen – quasi „melden“, dass man etwas beitragen möchte
  • Grüner Haken – Einverstanden
  • Rotes X – Nicht einverstanden
  • << – Bitte langsamer bzw. wiederholen
  • >> – Bitte schneller

Bei den drei Punkten kommen weitere Symbole wie z.B. Daumen hoch, Daumen runter, Winkende Hand, eine Uhr und eine Kaffeetasse.

Funktionen für Kleingruppenarbeiten

Befindest Du Dich in einer Kleingruppen- oder Partnerarbeit in einer sogenannten „Breakoutsession“, kannst Du jederzeit „Um Hilfe Bitten“ anklicken und Unterstützung vom Meeting Organisator (also von mir) anfordern.

Aktionsleiste während der Breakout-Session

Zum Schluss möchte ich gerne noch darauf hinweisen, dass ich, auch wenn ich mich aufgrund meiner angenehmen Erfahrung für Zoom ausspreche, jede Haftung bei der Anwendung von Zoom ausschließe und davon ausgehe, dass jeder Zoom auf eigene Verantwortung verwendet.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit Zoom! Schreibe gerne Deine Fragen oder konstruktive Anmerkungen in den Kommentar.

Was hält mich in Gefangenschaft?

Was hält mich in Gefangenschaft, Ketten St. Leonard de Noblat

Im Jahr 2013 pilgerte ich von Bad Soden im Taunus nach Santiago di Composela im Nordwesten Spaniens. Kurz vor Limoges passierte den Ort Saint-Léonard-de-Noblat, welches nach dem gleichnamigen Heiligen benannt wurde. Saint-Léonard-de-Noblat kennzeichnete sich dadurch aus, dass er Gefangene freikaufte, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. So ist er heute der Schutzheilige derer die in Ketten liegen: der Gefangenen.

Auf dem Weg inspirierte mich die Geschichte des Heiligen Leonard darüber nachzudenken, was mich in meinem Leben gefangen hält und davon abhält ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen. Ebenso besinne ich mich jedes Jahr besonders am Aschermittwoch darauf, was mich gefangen hält. Ganz besonders sind es die täglichen Dinge die einfach zur Gewohnheit wurden. Wie zum Beispiel die tägliche Tüte Chips, das Feierabend-Bier in der Kneipe nebenan, das geistige Abschalten vor dem oft zu anspruchslosen Fernsehprogramm.

Einerseits sind Gewohnheiten etwas ganz Praktisches. Es sind eingespielte Rituale, wie das morgendliche Zähneputzen über das ich gar nicht lange nachdenken muss. Rituale verlaufen nahezu automatisch, geben dem Tagesablauf Struktur und Sicherheit, entwickelten sich so zur Normalität und sind Wege, um mir unbewusst irgendwelche Bedürfnisse zu erfüllen.

Das tägliche Zähneputzen und die Morgentoilette sind Strategien, um mein Bedürfnis nach Gesundheit zu erfüllen und die Besuche beim Zahnarzt zu reduzieren. Das tägliche Feierabend-Bier hingegen erfüllt mein Bedürfnis nach Entspannung, manchmal auch nach Gemeinschaft und gleichzeitig ist es der Gesundheit nicht unbedingt dienlich.

Ausbrechen aus Gewohnheiten

Wenn ich entdecke, welche Gewohnheit mich „gefangen“ hält, kann ich gleichermaßen erforschen, welches Bedürfnis ich mir dadurch erfülle und wenn ich das wahre Bedürfnis erkenne, kann ich mir alternative Strategien ausdenken, um mir das Bedürfnis zu erfüllen und so aus meinem Gefängnis ausbrechen.

D.h. in folgenden Schritten kommst Du aus Deinem Gefängnis raus:

  1. Was ist die unerwünschte Gewohnheit? (z. B. die Kalorienbombe nach dem Essen, der Kaffee am Morgen, „unnötige“ Besprechungen besuchen, etc)
  2. Erforsche: Welches Bedürfnis erfüllst Du Dir durch diese Gewohnheit?
  3. Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um Dir das Bedürfnis zu erfüllen?
  4. Prüfe: Gibt es weitere Bedürfnisse, die Du Dir durch die unerwünschte Gewohnheit erfüllst und welche Möglichkeiten gibt es dafür?
  5. Prüfe: Wie fühlt es sich an aus dem Gefängnis der unerwünschten Gewohnheiten auszubrechen? (Wenn „leicht“ dabei ist, ist das gewollt 😉 )
  6. Was ist Dein konkreter nächster Schritt bzw. Deine Bitte an Dich, um neue Wege zu gehen?

Zugegeben, es mag sich leichter lesen als in Wirklichkeit umzusetzen ist. Der Weg aus dem eigenen Gefängnis wird jedoch in der Regel durch mehr Lebensgefühl und ein weiteren Schritt hin zu einem selbstbestimmteren Leben belohnt.

Trinkgeld – Wieviel ist genug?

Trinkgeld

Wenn mir im Restaurant das Essen lecker geschmeckt hat, nach dem Friseurbesuch meine Frisur wieder sitzt oder wenn mich der Taxifahrer unfallfrei und pünktlich zum Zielort gefahren hat, ist es irgendwie üblich noch ein Trinkgeld zu geben. Wie viel Trinkgeld ist genug und nach welchen Kriterien lässt sich Trinkgeld bemessen? In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken dazu teilen und klären wie Trinkgeld geben mit Selbsteinfühlung verbunden ist.

Zur Illustration stelle ich mir als Beispiel einen Restaurantbesuch vor: Ich komme alleine, mit meiner Partnerin, Freunden, Geschäftspartnern oder Arbeitskollegen in ein Restaurant. Meinen ersten Eindruck des Service bestimmt die Freundlichkeit der Begrüßung. Als nächstes erhalte ich die Speisekarte, wähle Getränke und Essen und zwischendrin warte ich ein paar lange oder auch kurze Moment. Ich bekomme Getränke und Speisen serviert, verzehre mit mehr oder weniger Genuss und irgendwann bin ich fertig und bestelle die Rechnung. Die Bedienung kommt mit der Rechnung an den Tisch und nennt mir den Betrag. Es folgt ein kurzer, stiller, unwiderruflicher Moment der Wahrheit und des authentischen Selbstausdrucks zwischen mir und der Bedienung. Jetzt gilt es Farbe zu bekennen und die Höhe des Trinkgeldes zu benennen.

Was ist üblich?

Wenn ich mich unabhängig von meiner Zufriedenheit mit dem Service, denn darum geht es, einfach an einem gesellschaftlichen Rahmen orientieren möchte gebe ich in Deutschland angemessenen 5-10% der Rechnungssumme. Ähnlich verhält es sich im Rest von Europa. Biete ich in China Trinkgeld an, wird es als Beleidigung empfunden. In den Vereinigten Staaten hingegen, ist es eine Beleidigung, wenn das Trinkgeld geringer als 10-20% ausfällt. So gelten in anderen Ländern eben auch andere Sitten. Wenn mich nun jemand fragen würde woran ich das Trinkgeld bemessen habe, könnte ich antworten: „….weil es so üblich ist„. Damit zeige ich mich als Mensch, der sich gerne an gesellschaftlichen Regeln hält. Wenn ich nun trotz miserabler Servicequalität doch etwas gegeben habe, ärgere ich mich später auch noch darüber, dass ich überhaupt etwas gegeben habe.

Dr. Marshall B. Rosenberg, der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation, sagte augenscheinlich einmal: „Tue alles nur mit der Freude eines kleinen Kindes, das eine hungrige Ente füttert.“ Mir gefällt dieser Ansatz auch beim Bemessen des Trinkgeldes. Denn ich gebe alsTrinkgeld gerne, was ich auch mit Freude geben möchte, um mich authentisch zu zeigen.

Was gebe ich mit Freude?

Ich finde es einfach spannend mir bereits im Vorfeld ein wenig Selbsteinfühlung zu geben und mir selbst folgende Frage zu beantworten. Was hat in meinem inneren und äußeren Erleben dazu geführt, dass meine Bedürfnisse erfüllt wurden?

Wenn ich mit einem Lächeln und einem netten „Hallo“ begrüßt werde, fühle ich mich als Gast wahrgenommen und willkommen. Wenn die Wartezeiten angemessen sind, d.h. ich warte weniger als 5 Minuten auf die Karte und nach Bestellung weniger als 30 Minuten auf das Essen, bin ich zufrieden und mein Bedürfnis nach Effizienz (gerade in der Mittagspause) wurde erfüllt. Warte ich hingegen länger, frage ich mich wo das Essen bleibt und bin erst verwundert und dann genervt, was keine gute Ausgangsbasis für ein üppiges Trinkgeld ist. Für die Qualität des Essens möchte ich die Bedienung nicht verantwortlich machen, wohl aber mit der Art und Weise wie sie mit Kritik umgeht.

Die Höhe des Trinkgeldes bestimmt schließlich mein Gesamteindruck. Wie hat die Bedienung dazu beigetragen, dass ich mich wohlfühlte und mein Bedürfnis nach Wertschätzung erfüllt wurde. Wenn ich die Rechnung begleiche und der Bedienung in die Augen schaue und „Danke“ sage, bin ich froh, auch durch das Trinkgeld meine Wertschätzung gegenüber der Qualität des Services ausdrücken zu können. So wird das Trinkgeld zu einem gewissen Ausgleich: Mein Aufenthalt wurde durch die Bedienung angenehm gestaltet und durch das Trinkgeld möchte ich versuchen das Leben der Bedienung auch ein wenig angenehmer zu gestalten. Somit wird aus das „Trinkgeld aus Pflicht“ eine Strategie meine Wertschätzung auszudrücken. Eine Win-Win-Situation.

Was tun bei Unzufriedenheit?

Was ist zu tun, wenn ich völlig unzufrieden war? Auch hier empfehle ich die Selbsteinfühlung. Welche Bedürfnisse sind während meines Aufenthaltes in Mangel geraten? War es das ungepflegte Äußere der Bedienung, das mir von vornherein den Appetit verdorben hat oder die Unaufmerksamkeit? Kann ich es klar benennen? Dann äußere ich es und leiste dadurch hoffentlich einen Beitrag zur Steigerung der Servicequalität künftiger Gäste.

Bei anderen Menschen spielen beim Trinkgeld vielleicht noch andere Faktoren eine Rolle. Fällt die Höhe meines Trinkgeldes anders aus, wenn ich mit meiner Partnerin oder in Gesellschaft mit Freunden unterwegs bin? Will ich als Geizhals oder als großzügiger Mensch gesehen werden? Welche Rolle spielt die Attraktivität der Bedienung?

Wie gehst Du mit Trinkgeld um? Ich freue mich auf Deine Kommentare!

Gedanken zur Weihnachtszeit

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Nach dem farbenfrohen Oktober, der langsam den Abschied des Sommers ankündigt erscheint mir der November eher trist, nebelig und verregnet. Ab Totensonntag beginnt sich meine Stimmung jedoch wieder zu erhellen, denn in den Dörfern und Städten beginnt die Saison der Weihnachtsmärkte, die häufig farbenfroh Licht ins Dunkel bringen und mir signalisieren, dass das Weihnachtsfest und der Jahresausklang in greifbare Nähe rückt.

Ich liebe die Stimmung auf den Weihnachtsmärkten mit Glühweinständen und Futterkrippen. Gerade bei den kunstgewerblichen Verkaufsständen schaue ich mir gerne die Produkte an. Vielleicht ist ja etwas dabei das mich als Geschenk für jemanden oder mich selbst förmlich anspringt. Gemütliches Bummeln auf dem Weihnachtsmarkt wirkt für mich entschleunigend und inspirierend. Ich erfreue mich an den bunten Lichtern, der weihnachtlichen Musik, den unterschiedlichen Düften der dargebotenen Speisen und vor allem an der Gemeinschaft der Menschen die sich oftmals heiter und in Frieden vereint, um die Glühweinstände versammeln, .

Gleichermaßen ist außerhalb der Weihnachtsmärkte die Kehrseite des Weihnachtlichen Treibens zu beobachten. In den Büros wird daran gearbeitet noch das ein oder andere Geschäft abzuschließen, um die Jahresziele zu erreichen und in den Einkaufszentren herrscht ein reges und hektisches Gedränge, derer die auf der Jagd nach Geschenken für ihre Liebsten sind. Eigentlich eine Stimmung die nach meinem Verständnis wenig mit dem Charakter der Weihnacht zusammenhängt. Im Radio höre ich noch in den Nachrichten, wie sich der Einzelhandel über den Konsum in der Vorweihnachtszeit freut und bei Statista lese ich, dass die geplanten pro Kopf Ausgaben für Weihnachtsgeschenke bei rund EUR 475,- liegen. Diese Zahlen überraschen mich einerseits, da mein Budget wesentlich weniger vorsieht und betrüben mich zu gleich, da ich den Sinn von Weihnachten eher mit Liebe, Frieden und Gemeinschaft als mit Geschenken verbinden.

Welche Bedürfnisse erfüllen uns Geschenke?

Obwohl manche Geschäfte damit werben „Liebe“ oder „Freude“ zu schenken und mancher vielleicht auch den Spruch kennt „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, so geht es doch beim Beschenken in aller Linie mal um uns selbst. Durch die Auswahl eines Geschenkes überlegen wir uns zwar was dem Beschenkten gefallen oder die Beschenkte gebrauchen könnte, so erfüllen wir uns damit selbst ein Bedürfnis. Welches Bedürfnis das ist? Dazu habe ich keine Universalantwort, jedoch kannst Du es für Dich selbst herausfinden.

Versuche Dir in einem ersten Schritt selbst auf die Schliche zu kommen, in dem Du Dich an eine konkrete Situation zurückerinnerst in der Du selbst beschenkt wurdest:

  1. In welcher Beziehung standest Du zu dem Schenkenden? Waren es Vater, Mutter oder Kinder, deine Partnerin, einen engen Freund, eine nahe Verwandte oder ein ferner Bekannter?
  2. Erinnerst Du Dich noch an Deine ersten Gedanken als Du das Geschenk auspacktest? Wie war Deine Empfindung? Überwog Überraschung oder Enttäuschung, Freude oder Trauer, Scham oder Ärger?
  3. Konntest Du das Geschenk mit bedingungsloser Freude annehmen oder war da ein Gefühl der Verpflichtung?
  4. Welche Deiner Bedürfnisse wurden durch das Geschenk erfüllt?

Ich erinnere mich dabei gerne daran zurück als ich von meinen Eltern einen Baukasten geschenkt bekam, der zu meiner Entwicklung und Inspiration beigetragen hat. Als ich später von meinen Eltern ein Fahrrad bekam wurde mein Bedürfnis nach Mobilität erfüllt und mein Aktionsradius erweiterte sich. Gleichzeitig erinnere ich mich an eine Situation zu Weihnachten, die mich peinlich berührt hat, denn ich erhielt ein Geschenk und stand selbst mit leeren Händen da. Der Schenkenden war jedoch meine Freude darüber und mein herzlicher „Dank“ bereits Geschenk genug. Ach ja und dann erinnere ich mich immer wieder an den Moment als ein sehr konkreter Wunsch eines Kindes abweichend umgesetzt wurde. Heute denke ich immer wieder gerne an diese authentische kindliche Reaktion der Enttäuschung, wenn man scheinbar nicht gesehen bzw. gehört wird.

Mit Freude schenken

Wenn ich etwas verschenke, erfreue ich mich bereits im Vorfeld an der Verbindung, die ich quasi virtuell mit dem zu Beschenkenden eingehe, wenn ich an ihn denke und hinterfrage, ob ich überhaupt etwas schenken möchte und wenn ja was. Was ist es das die Verbindung auszeichnet und vor allem welche Bedürfnisse erfülle ich mir in dem ich etwas verschenken möchte?

  1. Verbinde Dich zunächst mit Dir selbst und frage Dich welche Bedürfnisse Du Dir erfüllen möchtest, wenn Du schenkst? Steckt vielleicht ein Glaubenssatz dahinter wie z.B.: „Man muss zu Weihnachten Geschenke machen?“ oder geht es Dir darum einen Ausgleich zu schaffen, Deine Dankbarkeit auszudrücken, zum Wohlergehen des Anderen beizutragen?
  2. Wenn Du darüber Klarheit erlangt hast, welche Bedürfnisse Du Dir durch das Geschenk erfüllen möchtest ist der nächste Schritt eine geeignete Strategie zu finden, wie Du Dir selbst dieses Bedürfnis erfüllen kannst.

Ich freue mich, wenn Dich dieser Beitrag inspiriert hat und bitte Dich einen Kommentar zu hinterlassen, wenn er für Dich nützlich war oder wenn Du Dir noch etwas mehr gewünscht hättest.