Gedanken zur Weihnachtszeit

Nach dem farbenfrohen Oktober, der langsam den Abschied des Sommers ankündigt erscheint mir der November eher trist, nebelig und verregnet. Ab Totensonntag beginnt sich meine Stimmung jedoch wieder zu erhellen, denn in den Dörfern und Städten beginnt die Saison der Weihnachtsmärkte, die häufig farbenfroh Licht ins Dunkel bringen und mir signalisieren, dass das Weihnachtsfest und der Jahresausklang in greifbare Nähe rückt.

Ich liebe die Stimmung auf den Weihnachtsmärkten mit Glühweinständen und Futterkrippen. Gerade bei den kunstgewerblichen Verkaufsständen schaue ich mir gerne die Produkte an. Vielleicht ist ja etwas dabei das mich als Geschenk für jemanden oder mich selbst förmlich anspringt. Gemütliches Bummeln auf dem Weihnachtsmarkt wirkt für mich entschleunigend und inspirierend. Ich erfreue mich an den bunten Lichtern, der weihnachtlichen Musik, den unterschiedlichen Düften der dargebotenen Speisen und vor allem an der Gemeinschaft der Menschen die sich oftmals heiter und in Frieden vereint, um die Glühweinstände versammeln, .

Gleichermaßen ist außerhalb der Weihnachtsmärkte die Kehrseite des Weihnachtlichen Treibens zu beobachten. In den Büros wird daran gearbeitet noch das ein oder andere Geschäft abzuschließen, um die Jahresziele zu erreichen und in den Einkaufszentren herrscht ein reges und hektisches Gedränge, derer die auf der Jagd nach Geschenken für ihre Liebsten sind. Eigentlich eine Stimmung die nach meinem Verständnis wenig mit dem Charakter der Weihnacht zusammenhängt. Im Radio höre ich noch in den Nachrichten, wie sich der Einzelhandel über den Konsum in der Vorweihnachtszeit freut und bei Statista lese ich, dass die geplanten pro Kopf Ausgaben für Weihnachtsgeschenke bei rund EUR 475,- liegen. Diese Zahlen überraschen mich einerseits, da mein Budget wesentlich weniger vorsieht und betrüben mich zu gleich, da ich den Sinn von Weihnachten eher mit Liebe, Frieden und Gemeinschaft als mit Geschenken verbinden.

Welche Bedürfnisse erfüllen uns Geschenke?

Obwohl manche Geschäfte damit werben „Liebe“ oder „Freude“ zu schenken und mancher vielleicht auch den Spruch kennt „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, so geht es doch beim Beschenken in aller Linie mal um uns selbst. Durch die Auswahl eines Geschenkes überlegen wir uns zwar was dem Beschenkten gefallen oder die Beschenkte gebrauchen könnte, so erfüllen wir uns damit selbst ein Bedürfnis. Welches Bedürfnis das ist? Dazu habe ich keine Universalantwort, jedoch kannst Du es für Dich selbst herausfinden.

Versuche Dir in einem ersten Schritt selbst auf die Schliche zu kommen, in dem Du Dich an eine konkrete Situation zurückerinnerst in der Du selbst beschenkt wurdest:

  1. In welcher Beziehung standest Du zu dem Schenkenden? Waren es Vater, Mutter oder Kinder, deine Partnerin, einen engen Freund, eine nahe Verwandte oder ein ferner Bekannter?
  2. Erinnerst Du Dich noch an Deine ersten Gedanken als Du das Geschenk auspacktest? Wie war Deine Empfindung? Überwog Überraschung oder Enttäuschung, Freude oder Trauer, Scham oder Ärger?
  3. Konntest Du das Geschenk mit bedingungsloser Freude annehmen oder war da ein Gefühl der Verpflichtung?
  4. Welche Deiner Bedürfnisse wurden durch das Geschenk erfüllt?

Ich erinnere mich dabei gerne daran zurück als ich von meinen Eltern einen Baukasten geschenkt bekam, der zu meiner Entwicklung und Inspiration beigetragen hat. Als ich später von meinen Eltern ein Fahrrad bekam wurde mein Bedürfnis nach Mobilität erfüllt und mein Aktionsradius erweiterte sich. Gleichzeitig erinnere ich mich an eine Situation zu Weihnachten, die mich peinlich berührt hat, denn ich erhielt ein Geschenk und stand selbst mit leeren Händen da. Der Schenkenden war jedoch meine Freude darüber und mein herzlicher „Dank“ bereits Geschenk genug. Ach ja und dann erinnere ich mich immer wieder an den Moment als ein sehr konkreter Wunsch eines Kindes abweichend umgesetzt wurde. Heute denke ich immer wieder gerne an diese authentische kindliche Reaktion der Enttäuschung, wenn man scheinbar nicht gesehen bzw. gehört wird.

Wenn ich etwas verschenke, erfreue ich mich bereits im Vorfeld an der Verbindung, die ich quasi virtuell mit dem zu Beschenkenden eingehe, wenn ich an ihn denke und hinterfrage, ob ich überhaupt etwas schenken möchte und wenn ja was. Was ist es das die Verbindung auszeichnet und vor allem welche Bedürfnisse erfülle ich mir in dem ich etwas verschenken möchte?

  1. Verbinde Dich zunächst mit Dir selbst und frage Dich welche Bedürfnisse Du Dir erfüllen möchtest, wenn Du schenkst? Steckt vielleicht ein Glaubenssatz dahinter wie z.B.: „Man muss zu Weihnachten Geschenke machen?“ oder geht es Dir darum einen Ausgleich zu schaffen, Deine Dankbarkeit auszudrücken, zum Wohlergehen des Anderen beizutragen?
  2. Wenn Du darüber Klarheit erlangt hast, welche Bedürfnisse Du Dir durch das Geschenk erfüllen möchtest ist der nächste Schritt eine geeignete Strategie zu finden, wie Du Dir selbst dieses Bedürfnis erfüllen kannst.

Ich freue mich, wenn Dich dieser Beitrag inspiriert hat und bitte Dich einen Kommentar zu hinterlassen, wenn er für Dich nützlich war oder wenn Du Dir noch etwas mehr gewünscht hättest.

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