Sei selbst wirksam.

Was machst Du konkret, um mehr Glück und Zufriedenheit zu erleben? Wartest Du bis das Gefühl einfach auftaucht oder wirst Du selbst aktiv? Ich werde nicht behaupten, dass ich dazu ein Patentrezept habe, aber ich mag gerne mein eigenes Erleben teilen, das wohl einiges mit Selbstwirksamkeit zu tun hat.

Am Jahresanfang hatte ich gesundheitliche Probleme und beschlossen, dass ich dieses Jahr meiner Gesundheit widme und vor allem mein Übergewicht so weit reduziere, dass mir meine Hosen wieder passen. Meine Lieblingsstrategie zur Gewichtsregulation war schon immer die Bewegung. So wollte ich mich auf das Nötigste beschränken und den Franziskusweg von Florenz über Assisi nach Rom pilgern. Eine Strecke von mehr als 600km bei der 20.000 Höhenmetern zu bewältigen waren, da sollten die Pfunde doch wie von alleine schwinden.

Im Mai startete ich und kam 25 Tage später in Rom völlig erschöpft, aber glücklich und zufrieden mit einem wiedergewonnenen Körpergefühl an. (Die Einzelheiten zu meinem Weg findest Du übrigens unter Ein guter Weg. ) Auf dem Weg selbst hatte ich alles was ich brauchte und meine Bedürfnisse waren täglich erfüllt.

Woher kam dieses Glücksgefühl, das ich zunehmend verspürte? Heute bin ich überzeugt, dass das selbstbestimmte Setzen und Erreichen von erreichbaren Zielen diesen positiven Effekt auf meine psychische und körperliche Gesundheit hatte. Ich war selbstwirksam.

Was ist Selbstwirksamkeit?

Es gibt viele Dinge in meinem Leben um die ich mich nicht kümmern muss, wenn ich es nicht will. So kann ich zum Beispiel mein Essen selbst zubereiten oder ich engagiere einen Koch oder ich gehe ins Restaurant. Es viele Wege wie ich zu einer Mahlzeit kommen kann. Vieles in meinem Leben kann ich „Outsourcen“ oder „Deligieren“, wenn ich mich nicht selbst darum kümmern möchte. Allerdings gibt es Dinge die nur ich selbst erledigen kann. Ich kann niemanden beauftragen eine Sprache oder ein Musikinstrument für mich zu erlernen oder sich um meine Gesundheit zu kümmern. Der einzige der hier tätig werden kann bin ich selbst.

Wenn ich mich zurückerinnere, entwickelte ich (so wie nahezu alle Menschen) bereits im Alter eines krabbelnden Kindes meine Selbstwirksamkeit. Ich erlernte den aufrechten Gang, der mich noch schneller vorwärts bringen sollte. Wow! Was für ein Erfolgserlebnis! Es schien mir damals wohl Sinn stiftend zu sein, meine Energie in das Üben zu stecken, damit ich irgendwann ebenso aufrecht gehen kann, wie die Älteren in meiner Umgebung. Zugehörigkeit, Entwicklung und Effizienz sind die flankierenden Bedürfnisse die ich mir damit wohl erfüllte.

Albert Bandura erkannte in den 60er Jahren: die meisten Menschen beginnen nur dann mit einer Handlung, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie diese Handlung auch erfolgreich ausführen können. Menschen nehmen also im Umkehrschluss eine Herausforderung erst gar nicht an, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie diese Herausforderung nicht bewältigen können. Der Mensch benötigt eben eine Selbstwirksamkeits-Überzeugung.

Durch Selbstwirksamkeit können Menschen gesundheitsschädliche Verhalten ändern wie z.B. das Rauchen aufzugeben und den Alkoholgenuss reduzieren oder aber sportliche Leistungen zu steigern. Wenn ich selbstwirksam bin, dann habe ich die Kontrolle zurückgewonnen. Ich erlebe so ein Gefühl von „ich habe’s im Griff“ und so fühlt sich auch Zufriedenheit an.

Wege zur Selbstwirksamkeit.

Um die eigene Selbstwirksamkeit zu erleben oder sogar zu steigern, braucht es nicht unbedingt die Erfahrung einer mehrtägigen Pilgerreise. Es beginnt in der Regel mit einer reinen Beobachtung und der Fragestellung was ich verändern möchte. Vielleicht beobachte ich, dass ein Bedürfnis in Schieflage geraten ist. Wenn alleine diese Beobachtung ein unangenehmes Gefühl hervorruft und ich mich entscheide, diesem vernachlässigten Gefühl mehr Aufmerksamkeit zu widmen, dann formuliere ich eine Bitte. Schließlich will ich mir dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Um die Wirksamkeit dieser Bitte zu steigern ist sie positiv formuliert, benennt konkrete und realistisch durchführbare Handlungen oder Verhaltensweisen. Außerdem erscheint sie erreichbar. Das heißt Du bist überzeugt,

  • dass Du der Herausforderung gewachsen bist,
  • dass es andere Personen gibt, die es bereits geschafft haben oder
  • dass es andere Personen gibt, die überzeugt sind, dass Du es schaffen kannst. Gutes Zureden von engen Freunden kann Wunder bewirken.

Wenn Deine Bitte an Dich selbst zunächst ein wenig groß erscheint, dann unterteile sie in kleinere Häppchen, kleine Zwischenziele. Durch diese kleinen Zwischenziele erzielst Du in kürzeren Abständen Erfolge, wodurch auch Deine Selbstwirksamkeits-Überzeugung im Blick auf das Gesamtziel wächst. Quasi eine agile Vorgehensweise.

Auch wenn ich bereits vor Jahren Pilgererfahrungen auf dem Jakobsweg gesammelt hatte, so lagen diese schon einige Jahre zurück. Für mich war wichtig, meine Muskulatur zu trainieren und so wanderte ich an jedem Wochenende Strecken von 15-25km und lernte täglich ein paar Vokabeln italienisch, um mich mit der italienischen Bevölkerung zu unterhalten.

Wenn Du Dein Ziel am Ende erreicht hast, gibt Dir selbst Wertschätzung dafür und Feiere! Wenn Du es nicht allumfänglich erreicht hast, gibt Dir dennoch Wertschätzung dafür und feiere, dass Du es versucht hast und feiere, das was Du daraus gelernt hast.

Magst Du gerne mehr über Selbstwirksamkeit, Bedürfnisse und Empathie erfahren? Dann komm gerne zur Online Übungsgruppe oder in eines meiner Trainings. Wenn Du Fragen hast oder beitragen magst, dann hinterlasse einen Kommentar.

Empathie für Himbeereis

Es ist Frühling, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind am blauen Himmel und vor den Eisdielen stehen die Menschen, wie an einer Perlenkette aufgereiht, um eine kühle Köstlichkeit zu ergattern. Da bin ich dabei. Ich mag Eiscreme. Himbeereis hat es mir dabei besonders angetan. Du magst Dich fragen was das mit Empathie im Alltag zu tun hat? Ich denke, wenn ich mir für etwas , dass ich mag selbst Einfühlung geben kann, dann wird es mir ebenso im umgekehrten Fall gelingen.

Lass uns beginnen.

Auch wenn der Prozess ein wenig früher beginnt, nämlich bei der Wahrnehmung der Sonnenstrahlen bei gleichzeitiger Sichtung einer Eisdiele und der Entscheidung für Himbeereis, gehe ich hier davon aus, dass ich die Eistüte mit dem Himbeereis bereits in der Hand halte.

ich sehe das Himbeereis mit dem seiner rosa-rötlichen Farbe. Ein Farbton der ungeschminkten und gut durchblutete Lippen ähnelt. Ich spüre Vorfreude auf den ersten Happen. Das Eis berührt meine Lippen. Es ist angenehm kühler als die Umgebungstemperatur. Die Konsistenz meines Himbeereises ist so weich, dass ich eine so große Menge von der cremigen Eiskugel (die nur mit viel Fantasie die Form einer Kugel hat) aufnehmen kann, dass sich der fruchtige Himbeer-Geschmack auf meiner Zunge entfalten kann. Ich spüre wie die Eismenge schmilzt und meinen ganzen Mund und Rachenraum erfrischt. Schließlich sind noch einige kleine Körnchen in meinem Mund, die sich leicht zerbeißen lassen. Ich nehme das Himbeereis visuell, haptisch und geschmacklich wahr.

Und was empfinde ich dabei?

Zunächst empfinde ich puren Genuss der mich per se beglückt. Ich freue mich über die Farbe, der Geschmack begeistert mich und ich fühle mich durch die Kühle des Eises angenehm erfrischt. Ich bin dankbar, dass der Eismann so eine leckere Rezeptur hat und dankbar, dass ich mir diese Köstlichkeit leisten kann. Nach dem Verzehr des Himbeereises bin ich zufrieden, satt und energiegeladen, denn durch die Kalorien fühle ich mich gestärkt.

Jetzt stellt sich die berüchtigte Frage, weshalb mir Himbeereis schmeckt und anderen Menschen eben nicht. Ich vermute, es wird sich während meiner Geschmacksentwicklung so eingestellt haben. Angenehme Erinnerungen mit angenehmen Gefühlen werden auch durch Geschmäckern verankert. So dass sich später bei diesem Geschmack auch wieder dieses Gefühl einstellt. Auch ohne, dass die Situation in die Erinnerung tritt.

Erfüllte Bedürfnisse

All das angenehme Empfinden liefert Hinweise darauf, dass einige Bedürfnisse erfüllt sind. An der Eistheke habe ich die Freiheit für welches Eis ich mich entscheide. Durch die Bezahlung leiste ich einen finanziellen Ausgleich und kann zur Existenzsicherung des Eismanns beitragen.

Während des Verzehrs entspanne und nähre ich mich. Ich komme in Verbindung mit meiner unspezifischen Erinnerung und auch mit meiner Körperwahrnehmung. Ich bin fürsorglich und einfühlsam mit mir selbst, wenn ich das Himbeereis achtsam verzehre.

Ist es nicht erstaunlich wie viele Bedürfnisse erfüllt sein können? Mir erscheint, dass Himbeereis genießen zumindest für mich eine geeignete Strategie ist, um mir einige Bedürfnisse zu erfüllen.

Nun mag es sein, dass Dein Geschmack ein völlig anderer ist und Du gar nicht nachvollziehen kannst, dass ich Himbeereis so sehr genießen kann. Dann stelle Dir etwas vor, dass Du gut genießen kannst. Vielleicht ist es ein Eis in anderer Geschmacksrichtung, vielleicht ist es ein Gemüse oder irgendein anderes Nahrungsmittel.

Was nimmst Du beim Genuss Deiner Lieblingsspeise wahr? Welche Gefühle stellen sich ein und welche Bedürfnisse sind bei Dir erfüllt?

Die Bewusstheit die Gefühle wahrzunehmen und Bedürfnisse zu ergründen fällt unter Umständen in angenehmen Situationen leicht. Von daher kann ich nur empfehlen mir selbst auch in beschwingten Situationen Einfühlung zu geben, damit es mir mir in aufgeheizten, angespannten Situationen auch leichter fällt.

Willst Du mehr darüber wissen? Dann melde trage Dich direkt in meinen Newsletter ein und Du erhältst Infos zu den kommenden Übungsgruppen.


    Jahresrückblick 2021

    Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende. Das kleine Virus ist noch immer täglicher Begleiter und außer einem neuen US Präsidenten gibt es auch einen neue Bundesregierung. Am Jahresende blicke ich gerne zurück und ziehe eine kleine Bilanz: Was hat sich für mich verändert? Worauf will ich auch im kommenden Jahr nicht verzichten? Was habe ich aus Fehlern gelernt? und Wie komme ich auf anderen Wegen zum Ziel (also zur Erfüllung meiner Bedürfnisse)?

    So habe ich mir als Jahresziel vorgenommen, meine Fitness wieder aufzubauen und 1.200km verteilt auf die 12 Monate joggend oder wandernd zurückzulegen. Zum Jahresbeginn, waren es monatlich jeweils über 100km, wodurch die die etwas „schwächeren Sommermonate“ gut ausgleichen konnte. Im Rückblick freue ich mich, dass ich konsequent drangeblieben bin und durch die Bewegung meiner Gesundheit wohl getan habe.

    Ebenso feiere ich die 23 durchgeführten Online Übungsgruppen mit Themen rund um die Empathische Kommunikation wie unter anderem Geld, Ängste, Identität, Glaubenssätze und die inneren Teams. Dabei lag der Schwerpunkt immer auf den zentralen Elementen Beobachtungen, Befindlichkeiten, Bedürfnissen und Bitten.

    Januar

    Voller Zuversicht startete ich im kleinen Kreis und ohne großes Feuerwerk in das neue Jahr 2021. Ein neuer US Präsident kam ins Amt, was mich hoffen lässt, dass mediale Entspannung eintritt und ich vor „Schreckensnachrichten“ verschont bleibe. Auch ein Impfstoff gegen Covid-19 ist in Aussicht, das stimmt mich zuversichtlich, dass die Pandemie bald ein Ende hat. Ergo es kann doch nur ein erfreuliches Jahr werden, obwohl sich Deutschland gerade im Lockdown befindet und Treffen mit Freunden nur im kleinsten Kreis gestattet sind.

    Februar

    Ich bedaure, dass die geplanten Präsenztrainings abgesagt wurden. Gleichzeitig feiere ich, dass ich bei Frank Gaschler bei einem Online Training assistieren durfte und auch zum Online GFK Tag des Darmstädter Netzwerkes mit einem Workshop zum Thema „Verzichten“ beitragen durfte.

    März

    Ich freue mich über die Kreativität mancher Gastronomen, die neue Strategien zur Bewirtung entwickelt haben. Bei sogenannten „Wohnmobil-Dinners“ kann man mit dem eigenem Wohnmobil auf den Restaurant-Parkplatz fahren wird dort im eigenen Wohnmobil bedient. Eine Idee die ich gerne unterstützte. So fuhr ich zu Ausflügen, um unbekannte Orte zu erkunden und anschließend eine leckere Mahlzeit zu genießen.

    Kurz vor Ostern erkundete ich den Ort, den ich ich in meiner Kindheit an jedem Wochenende mit meinen Eltern besuchte: Das Örtchen Hering bei der Feste Otzberg im Odenwald. Anhand älterer Fotografien erkundete ich die Landschaft, die sich innerhalb der vergangenen 50 Jahre deutlich veränderte. Von den Wochenendhütten waren nur noch die Fundamente zu sehen. Ich bin dankbar für die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner die sich noch gut an die Wochenendsiedlung erinnern konnte und mir Hinweise auf mögliche Standorte gaben.

    April

    Es ist Ostern, für mich das Fest von Ende und Neuanfang. Ich bin inspiriert und verfasse dazu den Blog-Artikel Ostern – Scheitern, Trauern, Neubeginn. Inzwischen sind die Tage auch wieder länger als die Nächte und ich genieße die Natur, die sich gerade neu entwickelt. Ganz im Gegensatz zum täglichen Leben, welches durch den Lockdown noch immer eingeschränkt ist. Ich freue mich auf meine erste Covid-19 Impfung, da ich damit die Hoffnung eine Rückkehr in eine neue Normalität verbinde.

    Auch in diesem Jahr wollte ich wieder Urlaub in Italien Urlaub machen. Was mich bislang davon abhielt waren meine ungenügenden italienisch Kenntnisse. Also beschloss ich daran zu arbeiten und meine Bedürfnisse nach Entwicklung und Wachstum durch tägliche Italienisch Lerneinheiten mit dem Online Angebot von Duolingo zu erfüllen.

    Mai

    Im vergangenen Jahr fiel der Staufenlauf gänzlich aus. In diesem Jahr haben wir uns im Organisationsteam auf die Ziele besonnen die wir mit diesem Lauf verbinden. Nämlich Kinder und Erwachsene für einen guten Zweck in die Natur und ans Laufen bringen. Im Vorfeld des Laufes gab es viel Unsicherheit, ob es ein Lauf unter gewohnten Bedingungen geben wird oder einen rein virtuellen Lauf. Deshalb sahen wir im Konzept beides vor. Das Gesundheitsamt erteilte uns für den Präsenzlauf verständlicherweise eine Absage. Doch der virtuelle Lauf mit individueller Zeitnahme und der Schülerlauf im Rahmen des Schulsports konnte durchgeführt werden.

    Ich feiere noch immer, dass wir durch gemeinsames Engagement eine Spendensumme von über €4.000,- sammeln konnten. Weitere Highlights waren für mich die T-Shirt-Übergabe auf dem Pausenhof und die Spendenübergabe an lokale gemeinnützige Vereinigungen wie z.B. das Haus Walburga der Lebenshilfe, die Leberecht und die ARQUE Stiftung. Dieses Projekt mit einem engagierten Team zu leiten erfüllte mir vollends meine Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Beitragen und Sinn.

    Die pandemiebedingten Kontakt- und Reisebeschränkungen wurden gelockert und ich fuhr mit meinem Reisemobil nach Italien. Dort erkundete ich, gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin, zunächst Bozen. Ich erfreute mich an den angenehmen Temperaturen und musste mich erst wieder daran gewöhnen ein Restaurant zu besuchen. Es fühlte sich ungewohnt und befremdlich an. Auch der Museumsbesuch von Ötzi erstaunte und begeisterte mich. Ich war fasziniert, wieviele Informationen nach über 5.000 Jahren noch rekonstruiert werden können.

    Von Bozen ging die Reise über Abano Therme weiter nach Venedig, das weitgehend frei von großen Touristenmengen war. Ich hatte richtig viel Freude Venedig zu erkunden und konnte die Lagunenstadt richtig genießen. Von dort ging es weiter nach Ravenna. Der Stellplatz am Lido di Dante war genau nach meinem Geschmack. Die Stellplatzbetreiber strahlten eine Ruhe und Gemütlichkeit aus von der ich mich gerne anstecken ließ.

    Juni, Juli, August

    In Italien bestand eine Testpflicht, der ich nachkommen wollte. Ich war jedoch völlig verwundert darüber, dass die Schnelltests einerseits gebührenpflichtig waren und die Testzentren nur mit Mühe zu finden waren.

    Auf der Rückfahrt verweilte ich noch ein paar Tage am Gardasee, ein weiterer Ort meiner Kindheit. Meine Eltern fuhren in den siebziger Jahren gerne in den Sommerurlaub nach Limone und nahmen mich mit. Zurück ging es über Tirol und Lindau am Bodensee. Ich wollte rechtzeitig zurück sein, um meine zweite Impfung zu bekommen.

    In den Monaten Juli und August fanden sich leider nicht genügend Teilnehmer für geplante Trainings zur „Empathischen Kommunikation“. Das frustrierte mich und gleichzeitig war ich voller Zuversicht, dass sich bei rückläufigen Covid-19 Fallzahlen schon bald die Trainings wieder füllen werden. Die Sommermonate vergingen wie im Flug, auch wenn dieser Sommer irgendwie ein wenig feuchter und kühler als die vergangenen Sommer war. Dennoch verbrachte ich die Wochenenden im Reisemobil, wanderte und radelte viel.

    September

    Im September ging es wieder nach Italien in südlichere Gefilde. Diesmal zunächst nach Assisi, wo ich meine Inspiration für meine nächste Pilgerreise fand. Dort fasste ich den Entschluss in 2022 von Florenz über Assisi nach Rom zu pilgern. Während dieser Reise trugen meine italienischen Sprachkenntnisse bereits erste Früchte, denn ich konnte mehr verstehen und auch ein wenig reden. Das ermutigt mich dranzubleiben. Weiter ging es zum Vesuv mit einen grandiosen Blick über die Bucht von Neapel. Dort irritierte und inspirierte mich ein Mensch auf einem Parkplatz zum Schreiben des Beitrages Opfer der Mafia oder meiner Gedanken?

    Salerno, die Amalfiküste, Paestrum waren weitere Stationen der Tour. Der Rückweg führte durch Rom, das aufgrund der Pandemie vor allem von Fernreisenden wenig besucht werden konnte. Ich zehre noch immer von den Eindrücken der Reise, vom entspannten Baden im Meer, von traumhaften Sonnenuntergängen. Für mich gab es frische Impulse für die dunklere Jahreshälfte.

    Ich war überglücklich, dass Ende September das Wochenend-Training „Mann spricht Empathisch – Starke Kommunikation für Männer“ stattfinden konnte. Die begeisterten Rückmeldungen der Teilnehmer verschafften mir zusätzliche Energie.

    Oktober

    Anfang Oktober durfte ich einen Workshop der Arbeitsgruppe „Name und Programm“ zu moderieren. Es geht dabei darum für die sieben Pfarreien des pastoralen Raumes Main-Taunus-Ost einen neuen Namen zu finden. Dahinter stecken Menschen mit ihren Bedürfnissen und Gefühlen, die sich um Zugehörigkeit, Identifikationen, etc. sorgen und ich freue mich, dass ich Teil dieses recht komplexen Prozesses sein durfte.

    November

    Ich feierte Anfang November in größerem Kreise als zuvor meinen Geburtstag. Ich feiere meine Gesundheit, meine Lebendigkeit und die Gemeinschaft mit meinem Freundeskreis. Weiter feiere ich, dass mein weiteres Wochenend-Training „Empathie im Alltag – Wie bekomme ich was ich wirklich brauche?“ stattfinden durfte und ich weitere Menschen auf ihrem Weg zu mehr Empathie im Alltag ein Stück begleiten durfte.

    Seit Ende November sind die Nachrichten weniger erquicklich, denn die Corona Fallzahlen schnellen in die Höhe. Es ist die sogenannte vierte Welle. Es gibt teilweise Zugangsbeschränkungen zu Weihnachtsmärkten, wo nur noch geimpfte und genesene Menschen Zutritt zu Glühwein und Bratwurst erhalten.

    Dezember

    Ich liebe es Licht in die Dunkelheit zu bringen. So habe ich wie im vergangenen Jahr in jedem Fenster einen leuchtenden Weihnachtsstern installiert. Ich erfreue mich jedes Mal die bunten Lichter zu sehen.

    Die neue Bundesregierung ins nun im Amt und der Trend gegen die Pandemie ist die Booster-Impfung. Auch hier mache ich mit und hoffe, damit einen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie zu leisten.

    In diesem Jahr gibt es auch wieder Weihnachtsmärkte und ich erfreue mich an den kleinen Köstlichkeiten. Die Weihnachtsmärkte sind nicht so überfüllt wie in früheren Jahren und ich hoffe das die Standbetreiber irgendwie soviel umsetzten, dass sie ihre Existenz sichern können.

    Wenn ich zurückblicke, war es wieder ein lebendiges Jahr und ich bin dankbar für dieses Jahr und die Herausforderungen die es an mich gestellt hat. Abschließend möchte ich den Menschen meine Dankbarkeit ausdrücken, die ich kennenlernen und deren Leben ich bereichern durfte, die mich durch andere Meinungen inspirierten und die mein Leben in irgendeiner Art bereicherten.

    Wunder der Weihnachtszeit.

    Eine Woche vor Weihnachten war ich zum Joggen verabredet. Da ich noch ein wenig Zeit hatte, wollte ich vorher noch in den nahen Supermarkt, um schnell ein paar Besorgungen zu machen. Ich schnappte meine EC-Karte, stopfte sie mit meiner OP-Maske in die Jackentasche meiner Laufjacke und holte mir noch einen Einkaufswagen. Noch bevor ich den Supermarkt betrat zog ich die OP-Maske an. Mit dem Wagen fuhr ich durch den Markt, befüllte den Einkaufswagen und war in Windeseile an der Kasse. Also, ich war an der Kasse, meine EC-Karte jedoch nicht. Ich war verwirrt, denn vor weniger als fünf Minuten hielt ich die Karte noch in den Händen.

    Die Bezahlfunktion meines Smartphones funktionierte erfreulicherweise und ich ging zügig zu meinem PKW. Vielleicht war hatte ich mich getäuscht und die Karte war noch in meinem Portemonnaie oder sie war mir beim Aussteigen aus der Tasche gefallen. Doch was wenn nicht? Ich war völlig aufgewühlt und machte mir bereis Gedanken, über das was zu tun wäre, wenn die Karte nicht auftaucht. Dann müsste ich wohl schnellstmöglich die Karte sperren lassen und eine neue bestellen. Ich fand die EC-Karte weder im Wagen noch davor. Blitzartig schoss es mir in den Sinn: Die Karte fiel mir wohl versehentlich aus der Tasche, als ich die OP-Maske aus der Tasche zog. Ich rannte hektisch zurück zum Eingang doch da war die Karte nirgendwo zu finden. ich rannte durch den Markt, drängelte mich an der Kasse vor und fragte die Kassiererin, ob ein Karte gefunden und abgegeben wurde.

    Sie bejahte und meine ganze Anspannung fiel von einem auf den anderen Moment ab und wandelte sich in Erleichterung. So ist das Wesen von Gefühlen, sie wandeln sich von einem auf den anderen Moment. Mit der Erleichterung kam auch einen große Dankbarkeit. Dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die sich wohl in die Situation einfühlen können wie es ist, etwas verloren geglaubtes zurückzubekommen. Der Mensch der meine EC-Karte da liegen sah, hatte Wahlmöglichkeiten. Er hätte sie sehen und ignorieren können. Er hätte denken können „was schert es mich, wenn jemand seine Karte verliert“. Hat dieser Mensch aber nicht. Anstatt dessen hat er den Zusatzaufwand auf sich genommen, die Karte aufgehoben und bei der Marktleitung abgegeben.

    Das ich meine Karte zurück erhielt ist mein kleines Wunder der Weihnachtszeit, diese einfühlsame Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe auf diese Art selbst zu erfahren. Ich danke dem Menschen, der die Karte gefunden und abgegeben hat und mir somit viel Zeit geschenkt hat. Auch das bedeutet für mich Empathie im Alltag.

    Achtung Unfallgefahr!

    Kambodscha 2015 – (c) Peter H. Schmitt

    Heute morgen dachte ich mir, ich lasse das Auto stehen und fahre anstatt dessen mit dem Fahrrad. Das sollte sowohl meinem ökologischen Fußabdruck als auch meiner Figur und meiner Gesundheit zu Gute kommen. Es gibt nicht überall Fahrradwege und so fuhr ich durch ein Wohngebiet. Ca. 50m vor mir erreichte ein Wagen gerade seine Parkposition. Kkaum kam der Motor zum Stillstand riss der Fahrer die Autotür auf. In diesem Moment war ich elf Meter von einem Aufprall mit der Türinnenseite entfernt. Geistesgegenwärtig rief ich ein lautes „Ehhhh!!!!“ und wich aus, um die vermutlich schmerzhafte Kollision zu vermeiden.

    Nachdem ich mich vom dem Schreck erholt hatte, kam mir in den Sinn, dass die meisten Unfälle wohl in der Unachtsamkeit beider Unfallbeteiligter begründet sind. Nehmen wir beispielsweise einen Fahrer der versehentlich eine rotes Ampelsignal nicht beachtet. Es kommt unweigerlich zum Zusammenstoß, wenn der Fahrer mit dem grünen Ampelsignal nur auf sein eigenes grünes Ampelsignal achtet. Wenn der Fahrer mit dem grünen Ampelsignal jedoch die Situation überblickt und rechtzeitig bremst bzw. erst gar nicht losfährt, kann der Unfall vermieden werden. Selbstverständlich fließt der Verkehr auch dann kollisionsfrei, wenn sich beide an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten.

    Straßenverkehr in Kambodscha

    Das Bild habe ich 2015 bei einer Urlaubsreise in Kambodscha aufgenommen. Es ist ein armes Land. Ampelanlagen gibt es, jedoch wurden diese nicht immer beachtet. Im Straßenverkehr wurde eher einfühlsam miteinander umgegangen. An unterschiedlichen Kreuzungen konnte ich beobachten wie LKWs, PKWs, Mopeds und Tuk-Tuks aus unterschiedlichen Richtungen kommend langsam auf die Mitte einer Kreuzung fuhren. Dort arrangierten sie sich achtsam und ohne Regeln, um ihre Fahrt körperlich unversehrt und ohne Blechschaden sicher zu überqueren. Mir gefiel es zu beobachten, dass es immer wieder Lösungen gab, weil alle Fahrer nicht nur die eigenen Bedürfnisse sondern auch die Bedürfnisse der anderen Fahrer, eben nach Sicherheit und Vorankommen, im Blick hatten. Und das ganz unabhängig von der Größe ihres Fahrzeugs.

    Was hat das mit Empathie zu tun?

    Ebenso verhält es sich in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wenn jeder der Gesprächspartner auf der Richtigkeit seiner eigenen Meinung beharrt und andere davon überzeugen möchte, kommt es zu verbalen Kollisionen. Wenn jedoch nur ein Gesprächspartner empathisch hinhören kann, kommt es zur Verständigung und Vorankommen. Es bedeutet außer den Sachinhalt zu erfassen, auch Gefühle und Bedürfnisse des Gesprächspartners zu erkennen.

    Werden die Gefühle und Bedürfnisse des Gesprächspartners erkannt und gespiegelt, fühlt er sich mit dem verstanden worum es ihm wirklich geht. Das Gespräch kommt auf eine andere Ebene, obwohl ich in einer anderen Richtung unterwegs sein kann.

    Wenn Du gerne mehr über das empathische hinhören erfahren magst, dann melde Dich gerne zu meinen Übungsgruppen oder Trainings an.

    Maskerade.

    Maskerade, Karneval
    (c) 2021 Peter H. Schmitt

    Es ist wieder einmal soweit. Am 11.11. begann für alle Karnevalisten die närrische, fünfte Jahreszeit. Ohne die Covid-19 Pandemie wären bereits jetzt die „Narren“ unterwegs zu den Karnevalssitzungen, um kostümiert und ausgelassen zu feiern. In 2021 ist das anders. Die Höhepunkte der Faschingszeit zwischen der „Weiberfastnacht“ über Rosenmontag, mit großen prunkvollen Umzügen in Mainz, Köln, Düsseldorf bis Faschingsdienstag werden wohl erst wieder im kommenden Jahr erreicht. Dennoch wird auch in diesem Jahr am Aschermittwoch alles vorbei sein.

    Ich erinnere mich gerne an die närrische Zeit in meiner Kindheit zurück. Ich verkleidete mich als Clown, Cowboy oder als Sherlock Holmes und hatte viel Spaß auf den bunten Kindermaskenbällen. In der Mittelstufe verkleidete ich mich einmal als Putzfrau mit Kopftuch, Perücke und Kittel. Ein paar Mädels schminkten mich so gekonnt, dass ich mit Ihnen das Kostümfest ihrer Mädchenschule mitfeiern konnte. Zumindest so lange bis ich enttarnt wurde.

    Auch heute habe ich immer noch Spaß daran auf Maskenbälle zu gehen, um die ausgelassene Stimmung in Gemeinschaft zu genießen. Auch zu Entdecken in welchen Kostümierungen sich Freunde, Nachbarn und Bekannte zeigen. In diesem Blog geht es um Empathie im Alltag, ich teile meine Gedanken zur Maskerade und wie sich das Bewusstsein für Empathie anhand der Maskerade vertiefen lässt.

    Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

    Wenn ich an das närrische Treiben denke, stelle ich mir die Frage: Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

    Mit möglichst gruseligen Hexen-Masken endlich die bösen Wintergeister zu vertreiben, ist sicherlich ein ursprünglicher Grund für die Maskerade. In manchen Regionen Deutschlands wird diese Traditionen aufrechterhalten. Hier ist die Maskerade ein Teil der Heimatverbundenheit, der Identität.

    Die Vermutung liegt nahe, dass sich bei der Maskerade viel um Identität dreht. Durch die Maskerade kann jeder in eine andere Rolle schlüpfen und sich unter anderer Identität ausprobieren. So geht die Teamleiterin vielleicht als Putzfrau, um „Männer abzustauben“ und der Kfz-Mechaniker als Schiffskapitän, um die Begleitung für die große Fahrt zu gewinnen.

    Möchten durch eine Verkleidung auch einfach andere Teile eigener Identität gezeigt werden? So geht der eher umtriebige Mann als Mönch oder die zurückhaltende Frau als Vamp. Vielleicht ist es aber auch genau das Gegenteil und es geht darum Teile der Identität besonders herauszustellen. So geht vielleicht der stille und besonnene Mann als Mönch und die extrovertierte Frau als Vamp.

    Wie ist es für Dich?

    An dieser Stelle lade ich Dich ein zu erforschen:

    • Welche Kostüme hast Du in der Vergangenheit getragen?
    • Wie würdest Du Dich gerne einmal maskieren?
    • In welche Rolle würdest Du gerne einmal schlüpfen?
    • Besteht eine Verbindung zwischen der Maskerade und Dir? Wenn ja, welche?

    Welche Bedürfnisse werden durch die Maskerade erfüllt?

    Jede Handlung ist eine Strategie um Bedürfnisse zu erfüllen. Welche Bedürfnisse erfüllen sich durch die Maskerade?

    Ich erinnere mich noch daran, als ich einmal unmaskiert auf einen Maskenball ging. Es war in einer Zeit, als ich einfach keine Lust hatte mich zu verkleiden und dennoch feiern wollte. Da war Leichtigkeit sehr vordergründig. Als ich auf der Party ankam, fühlte ich mich wie ein „Außerirdischer“ (Achtung: bildhafte Vergleiche deuten auf Pseudogefühle hin) mit meiner Alltagskleidung. Nahezu alle Gäste waren maskiert. Obwohl ich mit Freuden unterwegs und mein Bedürfnis nach Gemeinschaft erfüllt war, so war mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit in diesem Moment im Mangel.

    Beim Besuch eines Maskenballs im Fasching erfüllen sich die Bedürfnisse nach Feiern und Gemeinschaft. In dem ich mich kostümiere, gehöre ich dazu, bin ich Teil der närrischen Gemeinschaft und Teil eines größeren Ganzen. Vielleicht auch das Trauern, wenn die närrische Zeit vorbei ist und für Fastende die Zeit des Verzichts beginnt.

    Bei der Gestaltung des Kostüms und vielleicht auch der Schminke, kann es um Kreativität, um Schönheit und um „Gesehen-werden“ gehen. Maskiert eine andere Rolle anzunehmen bietet auch Schutz. Je intensiver die Maskierung und die Schminke, desto höher ist der Schutzfaktor. Vor allem der Schutz der eigenen Privatsphäre. Dieser Schutz wiederum bietet eine gewisse Freiheit. Bedürfnisse wie weibliche oder männliche Identität, werden schließlich durch die Maskerade bestimmt.

    Bei jeder Faschingsparty sind auch einheitlich kostümierte Gruppen wie z.B. eine Fußballmannschaft, die Schlümpfe oder Schneewittchen und die Sieben Zwerge zu sehen. Diese Gruppen erfüllen sich u.a. Gemeinschaft, Verbindung, Zugehörigkeit, Gesehen werden, Beteiligung.

    Mich bringt Fasching auch immer in Verbindung mit meinem Vater und meiner Mutter, die beide in der Nachkriegszeit in Karnevalsvereinen waren und sich dort kennenlernten.

    Was verbindet Dich mit Fasching und Deiner Maskerade?

    An dieser Stelle lade ich Dich auch wieder ein zu erforschen, welche Bedürfnisse Du Dir durch ein bestimmte Kostümierung erfüllst oder welche Bedürfnisse sich jemand anders durch seine Kostümierung erfüllt.

    • Beschreibe die Makerade ohne sie zu bewerten. zB ein Cowboy hat einen Cowboyhut, ein Pferd, Stiefel, eine Pistole).
    • Mit welchen Attributen würdest Du die Maskerade beschreiben? Ein Cowboy ist männlich, abenteuerlustig, freiheitsliebend, einsam, naturverbunden, etc.
    • Stelle Dir vor Du wärst maskiert. Wie fühlst Du Dich maskiert?
    • Fühle Dich in die Rolle ein. Wie fühlst Du Dich in der Rolle?
    • Gibt es einen Unterschied zwischen der Maskierung und der Rolle?
    • Welche Bedürfnisse erfüllt Dir die gedachte Maskerade und welche nicht? Welche Bedürfnisse sind in der Rolle erfüllt und welche nicht?

    Wie erging es Dir mit der Übung? Hast Du Fragen oder möchtest gerne Erkenntnisse teilen? Dann hinterlasse einen Kommentar.

    Und woran glaubst Du?

    (c) 2019 Peter H. Schmitt – JadebuddhaTempel in Shanghai.

    Kennst Du Gegebenheiten, wo Du ein Projekt oder eine neue Aktivität angehen magst und plötzlich kommen Gedanken wie zum Beispiel „das muss ich“, „das darf ich nicht“, „das kann ich sowieso nicht“? Falls dem so ist, dann lohnt es sich näher hinzublicken. Vielleicht steckt ein einschränkender Glaubenssatz dahinter, der zu entdecken und zu bearbeiten ist.

    Glaubenssätze entstehen.

    Wenn Babys geboren werden, befreien sie sich aus der Enge des mütterlichen Leibes und erleben grenzenlose Freiheit. Eine Freiheit in der prinzipiell erstmal alles möglich ist. Sie entwickeln erste Strategien und schreien, wenn sie Hunger, Durst, Schlaf, Gemeinschaft oder eine saubere Windel haben wollen. In ihren ersten Lebensjahren sind Babys auf Hilfe ihrer wohlgesonnenen Mitwelt angewiesen, von Menschen die sie so lieben so wie sie sind.

    Aus den Babys werden irgendwann Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche und schließlich erwachsene Menschen. Auf diesem Lebensweg leisten andere immer wieder ihren Beitrag zu der Entwicklung. Außer nahen Verwandten, kommen so nacheinander ErzieherInnen aus Kita und Kindergarten, Lehrer, Ausbilder usw. prägend hinzu. Dabei bin ich sicher, dass diese alle nach ihrem besten Wissen und Gewissen in bester Absicht ihren „Stempel aufdrücken“.

    Glaubenssätze schützen.

    „Fass nicht auf die heiße Herdplatte!“ habe ihn aus dem Munde meiner Mutter gehört, getestet was passiert, wenn ich diesen Satz ignoriere, und für gut befunden. So gut, dass ich mich noch heute daran halte. Glaubenssätzen dienen anfangs unserem Schutz. Es sind die Leitplanken die uns durchs Leben begleiten. Auch Sprichwörter wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder Volksliedtexte wie „Im Wald da sind die Räuber“ sind durch Angst-Szenarien oft emotional stark verknüpft und prägen sich dadurch, umso tiefer ein. Wie gesagt, das ist durchaus sinnvoll, um uns zu schützen so lange wir zu schwach sind, uns selbst zu schützen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Für ein Grundschulkind ist es sicherlich schützend sich dem Wald fernzuhalten. Wenn sich jedoch Erwachsene nicht in den Wald trauen, wäre das wohl ein wenig befremdlich.

    Schülerinnen hören vielleicht sogar noch heute, sie seien nicht geeignet für mathematische und naturwissenschaftliche Fächer. Die Eltern wollen ihr Kind in bester Absicht vor Misserfolgen bewahren. Das kann zur Folge haben, dass sich einige in diesen Fächern nicht engagieren. Von meiner Mutter hörte ich , dass ich ein ungeschickter Kletterer sei, nachdem sie beobachtete wie ich eine (für mich überlebensgroße) Mauer überwinden wollte. Ihre Absicht war mich davor bewahren, dass ich beim Klettern von irgendeiner Mauer stürze und mir alle Knochen breche. (Danke liebe Mutter!) Ungeprüft übernahm ich ihre Aussage und glaubte fortan ich sei ein ungeschickter Kletterer. Meine Geschicklichkeit habe ich nicht entwickelt, so dass es mir noch heute schwer fällt irgendwo herumzukraxeln.

    Halten wir also fest: Glaubenssätze sind emotional tief verankert. Sie entstehen, weil uns nahestehende, vertrauensvolle Menschen in einem gewissen Lebensalter vor Unheil schützen wollen. Was können wir heute tun, wenn uns die Glaubenssätze an einer Weiterentwicklung hindern?

    Glaubenssätze bearbeiten.

    Um Glaubenssätze vollständig zu bearbeiten gilt es sie zunächst zu identifizieren, sie dann zu bearbeiten und schließlich zu transformieren und zu integrieren. Schauen wir uns diesen Prozess Stück für Stück an.

    Zuerst gilt es zu klären: Was ist Dein Wunsch oder Deine Vision? Welches konkrete Ziel bringt Deine Vision näher? Schaffe Klarheit, welche Bedürfnisse Du Dir mit dieser Vision erfüllen möchtest. Ohne klares Ziel oder Vision macht es nur wenig Sinn an einem Glaubenssatz zu arbeiten. Wenn es keine Hürden gibt, die zu überwinden sind, dann braucht man auch nicht extra welche aufbauen. Wenn Du jedoch eine Vision hast, daran denkst und plötzlich den Chor Deiner inneren Stimmen (deiner Kritiker) hörst, dann höre genau hin, denn sie geben Dir wertvolle Hinweise auf deinen aktuellen Glaubenssatz.

    Was fühlst Du, wenn Du an diesen Glaubenssatz denkst? Vielleicht bringt Dich der Glaubenssatz in Verbindung mit einem Menschen, der in Deinem Leben eine wichtige Rolle spielte. Nimm Dir Zeit und erforsche die Bedürfnisse, die Dir der Glaubenssatz erfüllte und welche nicht. Nimm Dir weiter die Zeit und betrauere die Bedürfnisse, die dadurch in Mangel gerieten und feiere alle Bedürfnisse die durch den Glaubenssatz erfüllt wurden. Bist Du bereit zu entscheiden, ob Du den Glaubenssatz verändern möchtest? Vielleicht wird Dir in diesem Moment bewusst, dass Dir dieser Glaubenssatz so viele Bedürfnisse erfüllt, dass Du ihn gar nicht verändern möchtest. Vielleicht hast Du in diesem Moment die Klarheit, dass Du mit diesem Glaubenssatz Frieden schließen kannst. Feiere diese Erkenntnis.

    Glaubenssätze transformieren.

    Überlege sorgfältig, durch welche Strategien Du Dir heutzutage die Bedürfnisse des alten Glaubenssatzes erfüllen kannst. Vielleicht erfüllt er auch überhaupt keine Bedürfnisse mehr und ist nur noch hinderlich, dann kann er einfach weg. Überlege wie Dein neuer erweiternder Glaubenssatz lauten könnte. Achte darauf, dass Du ihn möglichst einschränkungsfrei formulierst. Sage ihn Dir laut vor und spüre nach, ob er einschränkende Elemente enthält. Falls ja, dann optimiere noch weiter.

    Angenommen Du hättest die Vision einer glücklichen Partnerschaft und gleichzeitig den Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert.„, der am Ende deiner letzten Partnerschaft entstand. Wenn Du diesen Glaubenssatz in „Ich bin liebenswert.“ um-transformierst, besteht die Gefahr, dass Du Dich in der nächsten Beziehung darauf beschränkst nur noch liebenswert zu sein. Genau das gilt es zu vermeiden.

    Sobald Du einen stimmigen Glaubenssatz gefunden hast, kannst Du diesen integrieren. Höre in Dich hinein und spüre wie es sich anfühlt wenn der neue Glaubenssatz bereits verankert wäre. Fühlt es sich stimmig an, dann geht es ans integrieren. Neue Gewohnheiten und auch Glaubenssätze benötigen ca. 21 aufeinanderfolgende Tage. Wie manifestierst Du in dieser Zeit täglich Deinen neuen Glaubenssatz?

    Zum Beispiel könntest Du Dir eine Haftnotiz an Deinen Schreibtisch oder Kühlschrank kleben. Vielleicht ist es für Dich stimmiger Dir einen Serientermin in Deinen Kalender zu schreiben, der Dich daran erinnert Deine Vision vor dem inneren Augen zu halten und dabei Deinen Glaubenssatz dreimal laut aufzusagen. Sei ruhig kreativ und lass Dich von der Wirkung überraschen.

    Mein erster Städte-Marathon (42,195km).

    Irgendwann in den 80ern begann ich zu Joggen. 1981 hatte ich mir den „Höchst Marathon“ angeschaut und war begeistert. Das wollte ich auch und gleichzeitig dachte ich: „Das schaffe ich NIE! Ich bin unsportlich!“. Vom Joggen hat es mich nicht abgehalten und Mitte der 80er Jahre bin ich sogar Marathondistanzen gelaufen. Vor der Anmeldung zu einem offiziellen Stadtmarathon habe ich mich jedoch gescheut.

    Aufgrund von Studium und anderer Interessen, hörte ich mit dem Joggen aufgehört und begann erst 2004 wieder damit. Anfangs konnte ich noch nicht einmal 1km am Stück laufen. Um dran zu bleiben hatte ich mir Marathon als Ziel gesetzt. Doch da war noch der Glaubenssatz. „Das schaffe ich NIE!“ So entwickelte ich mein Zielbild: „Ich laufe mit breitem Lachen über die Ziellinie und bin super glücklich.“ Daraufhin entwickelte ich den neuen Glaubenssatz: „Ich will das schaffen!“, den ich bei jeder Joggingrunde leise vor mir her flüsterte. Von meinem Bedürfnis „Schutz vor Blamage“ konnte ich mich leicht lösen und durch die eingesetzte Energie im Training erfüllte ich mir die Bedürfnisse nach Selbstwirksamkeit, Entwicklung, Wachstum und Selbstvertrauen. Noch heute feiere ich diese Integration.

    Jahresrückblick 2020

    So langsam neigt sich das Jahr 2020 dem Ende und ich höre gelegentlich, dass es einige kaum erwarten können, dass dieses „schreckliche“ Jahr endlich endet. War es wirklich so schrecklich und bestand es im wesentlichen aus Covid-19 und kuriosen Twitter-Meldungen des US-Präsidenten Trump?

    Ich blicke mit Zufriedenheit auf das Jahr zurück und möchte Dich inspirieren ebenfalls einmal den Blick zurückzuwerfen. Welche neuen Wege hast Du eingeschlagen, um Deine Bedürfnisse in diesem Jahr zu erfüllen?

    Januar

    Ich erinnere mich noch genau als ich am 01. Januar 2020 mit Freunden in guter Laune mit einem Glas Sekt voller Zuversicht auf das neue Jahrzehnt anstieß. Die ersten Wochen verliefen erfreulich und ganz nach meiner Zufriedenheit. Ich entdeckte den Winterurlaub das erste Mal von einer ganz anderen Seite und genoss die Entspannung.

    Februar

    Im Internet kursierten erste Videos über ein neuartiges Killer-Virus. Die Darstellungen empfand ich so überzogen, dass ich dem ganzen erst gar keine Bedeutung bemessen wollte. Die Faschingszeit ging recht spurlos an mir vorüber und ich war zufrieden, dass mein Tagestraining zur „Empathischen Kommunikation“ am 29. Februar 2020 in Hofheim noch durchgeführt werden konnte.

    März

    Doch plötzlich tauchten erste Fälle von Covid-19 Erkrankungen in Deutschland auf. Selbst zu diesem Zeitpunkt war ich nicht sonderlich erschrocken. Doch dann ging stiegen die Fallzahlen exponentiell und ich begann mich einzuschränken. Ich kapselte mich weitestgehend ab und begann Live-Kontakte weitestgehend einzuschränken, um meinen Beitrag zu leisten die Verbreitung zu stoppen. Die Menschen begannen Toilettenpapier zu hamstern, meine geplanten Trainings zu Empathischer Kommunikation und mein Vortrag über den Jakobsweg wurden abgesagt. Ich war einerseits frustriert und gleichzeitig froh, dass Maßnahmen ergriffen wurden die Verbreitung des Virus zu reduzieren. Am 23. März wurde eine Kontaktsperre verhängt. Um weiterhin zur empathischen Entwicklung beizutragen, bot ich die Übungsgruppe Online per Zoom an.

    Es war zu beobachten, dass Homeoffice in vielen Unternehmen plötzlich möglich war und die Staumeldungen im Berufsverkehr rapide abnahmen. Der Himmel war frei von Kondensstreifen, da auch der Flugverkehr deutlich eingeschränkt wurde. Einerseits sorge ich mich um die bedrohten Arbeitsplätze und gleichzeitig bin ich zuversichtlich, dass Covid-19 einen gesellschaftlichen Wandel einleiten kann und neue Wege gefunden werden die ebenso zum Gemeinwohl beitragen.

    April

    Meine Osterfahrradtour vom Taunus ins Allgäu zu meiner Mutter fällt aufgrund der Ausgangsbeschränkungen flach. Das frustrierte mich, denn so habe ich mir in den vergangenen Jahren mein Bedürfnis nach Freiheit und Bewegung erfüllt. Dafür war ich froh einen gesellschaftlichen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie zu leisten.

    Für die Jahreszeit ist es bereits erstaunlich warm und es weitet mir das Herz das frische Grün in den Wiesen und Wäldern zu sehen. Mein Bedürfnis nach Bewegung erfülle ich mich durch ausgedehnte Spaziergänge und Radrunden in der näheren Umgebung. Die Temperaturen laden ein die Grillsaison zu eröffnen. Gemeinschaft mit Freuden nur im engen Kreis ermöglichten tiefergehende, zwischenmenschliche Verbindungen und steigerte die Qualität der Beziehungen.

    Ende April war ich ganz gespannt, denn ich konnte meinen in 2019 bestelltes Reisemobil, einen Pössl-Kastenwagen, abholen.

    Mai

    Die Pandemie scheint sich zu beruhigen, die Zahl der Neuinfizierten ist geringer als die Zahl der Genesenen und die Einschränkungen werden überall gelockert. Diese quasi wiedergewonnenen Freiheit nutze ich, um mit meinem Reisemobil meine Mutter im Allgäu zu besuchen. Ich genieße einerseits die Gemeinschaft mit meiner Mutter und gleichzeitig, Ruhe und Geborgenheit im Reisemobil. Es erfüllt auch mein Bedürfnis nach Reduktion, nach dem Beschränken auf das Wesentliche und all das finde ich darin.

    Immer mehr Bundesländer lockern die Einschränkungen und es ist Zeit für Erholung. Ich unternehme die erste längere Tour von Eifel über den Niederrhein ins Sauerland und erkunde Regionen die mir bislang fremd waren. Abwechslungsreichtum, Flexibilität, Unabhängigkeit sind Bedürfnisse die mit der Erholung in meinem Reisemobil in Verbindung stehen. Ich fühle mich darin auch vor Covid-19 ausreichend geschützt, da ich unterwegs nur zum Einkaufen mit anderen Menschen in Kontakt komme.

    Juni, Juli, August

    Die Sommermonate waren geprägt von Wochenendausflügen. Beim Erkunden der Wispertrails bei Lorch verband ich mich mit einer Erfahrung, die ich lange in der näheren Umgebung lange nicht mehr machte. Die Temperaturen lagen bei ca. 20°C, es war sonnig, ich wanderte auf mir unbekannten Wegen. Je weiter ich den Hang erklomm, desto schöner und weiter waren die Ausblicke und es stellte sich ein Urlaubs- und Erholungsgefühl ein, dass mich den Alltag vergessen ließ. Herrlich!

    Weiterhin prägten die Sommermonate den Umzug meiner Mutter zurück in heimische Gefilde. Es war eine Zeit des Ausräumens, des Reduzierens und somit auch des Trauerns, um all das was losgelassen wurde. Mir ist dabei bewusst geworden, dass jedes Ding zum Zeitpunkt der Anschaffung irgendein Bedürfnis erfüllte. Irgendwann werden mich die Dinge nur noch mit meiner Erinnerung an das früher erfüllte Bedürfnis in Verbindung bringen, jedoch nicht mehr das Bedürfnis selbst erfüllen. Diese Erkenntnis feierte ich, denn sie verhalf mir zu mehr Freiheit und erleichterte loszulassen.

    September

    Das Tragen der Alltagsmasken ist seit dem Frühling bereits zur Gewohnheit geworden und Italien ist ein Land in dem es keine Reisewarnung gibt. Somit ein ideales Ziel um mit dem Reisemobil auf der Insel Elba und in der Toskana Urlaub zu genießen. Oftmals reichte es mir im Schatten der Pinien einfach nur da zu sitzen oder in der Hängematte zu liegen, um den Ausblick und die Ruhe zu genießen.

    Oktober

    Bereits Mitte Oktober übersteigt die Zahl der täglich Neuinfizierten die Anzahl im Frühjahr und Ende Oktober liegen die Zahlen bei knapp 20.000. Der Teillockdown wird beschlossen und die Gaststätten und Restaurants also die Orte gesellschaftlichen Lebens müssen schließen.

    November

    Ich bin frustriert, denn meine Trainings und Vorträge wurden konsequenter Seite von den Bildungsträgern auf unbestimmte Zeit verschoben. Gleichzeitig bin ich wiederum dankbar, dass ich auf auf diese Art und Weise einen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie leisten kann.

    Beinahe hätte ich es vergessen: Ich bin wieder einmal ein Jahr älter geworden und feierte im kleinen Kreis voller Zuversicht, dass es irgendwann Zeiten geben wird, wo auch wieder größere Feiern möglich sein werden. Ich genieße meinen Geburtstag zu feiern, denn es bedeutet für mich, lebendig zu sein.

    Dezember

    Der Dezember ist dadurch geprägt, dass die Stunden mit Tageslicht täglich weniger werden. Irgendwie bedrückt es mich auch, dass die meistern Weihnachtsmärkte abgesagt wurden. Ich freute mich jedes Jahr über die von Glühwein Duft geschwängerte Luft und die bunten Verkaufsstände. Um zumindest der farblosen, dunklen Zeit ein wenig entgegenzuwirken, fiel die Weihnachtsdekoration mit Leuchtsternen daheim in meinen Fenstern ein üppiger aus. Jetzt freue ich mich sogar jedes Mal, wenn ich im Dunkeln von draußen hereinkomme und in jedem Fenster leuchtet ein Stern in anderer Farbe.

    Am Weihnachtsfest werde ich in diesem Jahr vermutlich ohne den Live Besuch der Christmette auskommen. Ich freue mich, dass die Kirchen auch neue Wege einschlagen und Online- Christmetten anbieten, wie z.B. der Ökumenische Weihnachtsgottesdienst um 16 Uhr im Livestream. Mit dem Weihnachtsgottesdienst verbinde ich mich jedes Jahr mit den Erinnerungen meiner Kindheit.

    Auch Silvester wird vermutlich sehr besinnlich und still. Ich weiß noch nicht wie und wo ich es feiern werde, Dafür weiß ich schon jetzt, dass ich mit Zuversicht ins neue Jahr blicken werde und mich auf mehr Empathie im Alltag freue.

    Abschließend möchte ich den Menschen meine Dankbarkeit ausdrücken, die ich kennenlernen und deren Leben ich bereichern durfte, die mich durch andere Meinungen inspirierten und die mein Leben in irgendeiner Art bereicherten.

    Strassengiraffisch

    In der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) wird häufig die Giraffe als Symbolfigur für Empathie verwendet, da Giraffen die Landlebewesen mit dem größten Herzen sind. Als Gegenspieler begegnet einem im deutschsprachigen Raum der Wolf, der mit wenig Gespür für Gefühle und Bedürfnisse seine Urteile einfach rausheult. Die GFK wird auch als Sprache des Herzens oder Giraffensprache genannt. Sie orientiert sich grundsätzlich an den vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Daraus kann sich ein Satz mit folgender klassischer Struktur ergeben: „Wenn ich sehe/höre … , fühle ich mich …, weil ich brauche …. Wärst Du bereit?“. Die eher umgangssprachliche Anwendung der GFK aus einer empathischen Haltung heraus ist „Strassengiraffisch“. Dieser Artikel enthält ein paar Tipps und Beispiele sowie eine Übung zum praxisnahen Einsatz der Gewaltfreien Kommunikation.

    „Being Giraffe“ versus „Doing Giraffe“

    Falls Dir die Methode der GFK noch nicht in „Fleisch und Blut“ übergegangen ist und Du einen Selbstausdruck äußerst, dann mag er anfänglich vielleicht etwas „gestelzt“ klingen. Das ist völlig ok, solange die gute Absicht darauf liegt eine Verbindung herzustellen und GFK „richtig“ anzuwenden. In diesem Fall verhältst Du Dich noch wie eine Giraffe (Doing Giraffe) und wirkst vielleicht noch nicht so authentisch wie es Dir lieb wäre. Wenn Du dabei bleibst, wirst Du bald die empathische Haltung entwickeln aus der Du authentisch mit Dir selbst und Deiner Umwelt verbunden bist. (Being Giraffe)

    Damit sich aus der Anwendung der Methode der GFK eine empathische Haltung entwickelt, empfehle ich diese Methode zur Selbsteinfühlung zu verinnerlichen. Am Besten Du spürst täglich bei Alltagssituationen in Dich hinein, welche Deiner Bedürfnisse gerade im Mangel und welche erfüllt sind. Vielleicht findest Du auch eine passende Bitte.

    Ausdruck von Beobachtungen

    Eine klare Beobachtung ist das, was widerspruchsfrei von mehreren Menschen gleichzeitg beobachtet werden kann und basiert auf ZDF, also Zahlen, Daten und Fakten, zum Beispiel: Der Wagen fährt 116km/h, Klaus wiegt 78.4kg und ist 1.69m groß, das Essen ist mit 6g Salz gewürzt.

    Da diese Maßzahlen häufig nicht zur Verfügung stehen greift man umgangssprachlich gerne zu absoluten Äußerungen wie zB. der Wagen fährt viel zu schnell, Klaus ist viel zu schwer, dass Essen ist total versalzen. Der unklare individuelle Maßstab von „viel zu“ führt gerne zu Diskussionen über unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe. Ich phantasiere jetzt einen Dialog der sich in ähnlicher Form bei meinen Eltern im Auto oder bei Loriot abgespielt haben könnte:

    • Mutter: „Fahr‘ doch nicht so schnell!“
    • Vater: „Aber ich fahre doch gar nicht schnell.“
    • „Doch Du fährst viel zu schnell.“
    • Vater blickt auf den Tacho: „Ich fahre doch gerade mal 126km/h“
    • „Das sag ich doch, das ist viel zu schnell“
    • „Aber hier sind 130km/h erlaubt, also ist es gar nicht zu schnell“

    Diesen Dialog könnte endlos weiterspinnen und er würde in dieser Form zu keiner Lösung führen. Außer die Mutter würde aus Not den Warnhinweis „Gleich wird mir schlecht!“ äußern.

    Tipp: das Universelle „als mir“

    Eine Lösung wäre bei folgender Aussage möglich: „Du fährst schneller als mir lieb ist“. Mit dieser Äußerung stelle ich eine Referenz zu meiner Wahrnehmung und gleichzeitig zu meinen unangenehmen Gefühl her. „…als mir lieb ist.“ lässt sich recht universell einsetzen:

    • Du fährst schneller als mir lieb ist.
    • Die Musik ist lauter als mir lieb ist.
    • Du sprichst lauter als mir lieb ist.
    • Der Grill raucht stärker als mir lieb ist.
    • Die Tüten sind schwerer als ich tragen kann.

    Wenn ich selbst der Vergleichsmaßstab bin, kann der andere zwar immer noch anmerken, wie empfindlich oder was auch immer ich bin, meine Botschaft ist jedoch als Selbstausdruck authentisch kommuniziert. In allen Fällen wünsche ich mir, dass meine Bedürfnisse gesehen und respektiert werden.

    Umgangssprachlicher Ausdruck von Bedürfnissen

    Im Kern geht es in der Gewaltfreien Kommunikation um die menschlichen Bedürfnissen und Wege diese zu erfüllen. Um diese zu benennen findest Du nachfolgend ein paar Beispiele, deine Bedürfnisse auszudrücken:

    • Autonomie: „Ich möchte gerne selbst entscheiden“
    • Entwicklung: „Ich möchte gerne mal was Neues ausprobieren“
    • Einfühlung: „Ich möchte gerne mal erzählen was bei mir so los ist“
    • Entspannung: „Ich möchte jetzt gerade mal nichts tun“
    • Körperliche Bedürfnisse: „Ich brauche bald etwas zu Essen, zu Trinken, eine Dusche“
    • Individualität: „Ich möchte mich so kleiden, wie es mir gefällt“
    • Integrität: „Ich möchte nicht warten sondern meine Zeit sinnvoll nutzen“
    • Geistige Bedürfnisse (Lesen, Denken, Humor): „Ich möchte gerne meine grauen Zellen aktivierien“
    • Sicherheit: „Ich möchte gerne, dass alle Fakten auf dem Tisch liegen bevor ich mich entscheide.“
    • Schutz: „Ich will ganz sicher sein, dass mir nichts passiert.“
    • Gemeinschaft: „Ich möchte gerne mal wieder ‚unter Leute'“

    Paar- bzw. Kleingruppenübung

    1. Finde 2-3 Alltagssituationen welche Du bearbeiten möchtest (~5 Min)
      • Situation in der Du jemanden auffordern möchtest sein Verhalten zu ändern, etwas zu unterlassen oder etwas zu tun (zB. Jemand drängelt sich vor; Müll rausbringen; Zimmer aufräumen)
    2. Rollenspiel (~2 Min.)
      • Spreche aus was Du in der Situation gesagt hast oder sagen würdest? (A)
      • Notiere die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
      • Notiere gegebenenfalls Triggerworte die Dir Dein Übungspartner nennt
    3. Umformulierung (~3 Min.)
      • Welche Urteile und Bewertungen stecken in der Aussage von A? Was will A konkret, dass B tut?
      • Umformuliere was Du „klassisch“ in GFK sagen würdest: Wenn ich sehe dass…, fühle ich…., weil ich brauche…..und deshalb bitte ich Dich….
      • Umformuliere in deinen Alltagssprachgebrauch, so dass es für Dich stimmig ist
    4. Rollenspiel (~2 Min)
      • A „testet“ die Reaktion in empathischer Haltung mit B/C
      • Was ist die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
      • Notiere jetzt die Reaktion/Triggerworte
      • Was hat sich verändert?
    5. Rollenwechsel
      • A und B/C wechseln die Rollen und beginnen von vorne

    Empathie – Power für die Seele

    Löwenzahl, Pusteblume

    Wenn ein Mensch in keiner guten seelischen Verfassung ist, Kummer trägt, sich schuldig fühlt oder schämt, sich fürchtet oder seinem Ärger Luft macht, ist Empathie ein wirksames Mittel, um die Seele mit frischer Power zu versorgen.

    Was ist eigentlich Empathie? Empathie oder auch Einfühlung ist ein menschliches Bedürfnis und entfacht neue Lebensenergie für denjenigen der nach schwierigen Momenten empathisch gehört wird. Dazu brauche ich in erster Linie völlige Präsenz und Aufmerksamkeit, um eine Verbindung zu meinem Gegenüber herzustellen. Damit kann er auch die Verbindung zu sich selbst wieder herstellen. Die Verbindung stelle ich her indem ich zuhöre ohne die Situation des Anderen zu analysieren oder darüber nachzudenken was ich denn selbst als Nächstes sagen möchte. Beim Zuhören richte ich meinen Fokus darauf, welche Bedürfnisse in Schieflage geraten sind, um zu unterstützen die Gedanken des Leidtragenden zu ordnen. Dazu äußere ich so knapp wie möglich meine Vermutungen über ihre oder seine unerfüllten Bedürfnisse.

    Das klingt erstmal einfach und ist gleichzeitig schwierig, weil wir häufig anderes gewöhnt sind. Wer kennt nicht die typischen Klassiker aus der eigenen Kindheit wie z.B. „Bis Du heiratest, ist es vergessen!“, „Ach, das hätte noch viel schlimmer kommen können“, „Das kann doch jedem Mal passieren“ usw. Das ein oder andere davon habe ich sowohl selbst gehört als auch angewendet. Das war jedoch eher ein Quick-Fix, in der Hoffnung schnell Abhilfe oder Lösungen zu schaffen als eine nachhaltige empathische Reaktion.

    Wenn jemand verzweifelt ist, weil er zum Beispiel aufgrund einer Kündigung den Job verloren hat , drehen sich die Gedanken vielleicht um “ Ich habe mich doch immer eingesetzt! Warum ich?“ Als Zuhörer mag man vielleicht gerne Unterstützen darauf Antworten zu finden, jedoch ist es noch zu früh, solange der Schmerz noch groß ist. Um den Fokus einfühlsam auf das Bedürfnis zu richten, empfiehlt es sich eher zu fragen: „Bist Du verunsichert und weißt jetzt gerade nicht wie es weitergeht?“ Falls die Frage bejaht werden kann, wird auch eine erste Erleichterung wahrnehmbar sein.

    Erleichterung heißt nicht, dass das Problem verschwunden ist, aber es ist ein Schritt in dieser Richtung. Vermutlich kommen noch weitere Gedanken hinzu, die ebenfalls geäußert und vor allem gehört werden wollen. Wenn alle Bedürfnisse, oder zumindest die meisten, auf dem Tisch liegen und nichts mehr gehört werden will, ist eine Klarheit geschaffen, die es ermöglicht zu fragen was es als Nächstes braucht.

    Vielleicht ist es

    • Trost, um weitere Erleichterung zu schaffen und auch meine Gedanken und Gefühle zu dem Umstand zu äußern oder
    • Sympathie und ich teile mein eigenes Erleben in der Situation mit oder schildere wie ich in ähnlicher Situation gefühlt habe oder
    • ein praktischer Ratschlag was ich in der Lage tun würde.

    Was auch immer es ist, das sollte der Leidtragende entscheiden!

    Empathisches Zuhören üben

    Empathie lässt sich mit je zwei Personen ( A und B) gerade auch außerhalb dramatischer Situationen leicht üben:

    • A erzählt 5 Minuten lang über das was gerade anliegt und B hört aufmerksam auf Gefühle und Bedürfnisse ohne Fragen zu stellen oder Notizen zu machen
    • B äußert 3 Minuten die vermutlich gehörten Gefühle und Bedürfnisse
    • A und B tauschen sich 2 Minuten darüber aus
    • B und A wechseln die Rollen, d.h. B erzählt 5 Minuten lang über ein Ereignis etc

    Wer das Empathische Zuhören eine Weile geübt hat wird vielleicht auch erkennen, dass „Empathie – Berühren ohne Anzufassen“ ist.

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