Was hält mich in Gefangenschaft?

Was hält mich in Gefangenschaft, Ketten St. Leonard de Noblat

Im Jahr 2013 pilgerte ich von Bad Soden im Taunus nach Santiago di Composela im Nordwesten Spaniens. Kurz vor Limoges passierte den Ort Saint-Léonard-de-Noblat, welches nach dem gleichnamigen Heiligen benannt wurde. Saint-Léonard-de-Noblat kennzeichnete sich dadurch aus, dass er Gefangene freikaufte, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. So ist er heute der Schutzheilige derer die in Ketten liegen: der Gefangenen.

Auf dem Weg inspirierte mich die Geschichte des Heiligen Leonard darüber nachzudenken, was mich in meinem Leben gefangen hält und davon abhält ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen. Ebenso besinne ich mich jedes Jahr besonders am Aschermittwoch darauf, was mich gefangen hält. Ganz besonders sind es die täglichen Dinge die einfach zur Gewohnheit wurden. Wie zum Beispiel die tägliche Tüte Chips, das Feierabend-Bier in der Kneipe nebenan, das geistige Abschalten vor dem oft zu anspruchslosen Fernsehprogramm.

Einerseits sind Gewohnheiten etwas ganz Praktisches. Es sind eingespielte Rituale, wie das morgendliche Zähneputzen über das ich gar nicht lange nachdenken muss. Rituale verlaufen nahezu automatisch, geben dem Tagesablauf Struktur und Sicherheit, entwickelten sich so zur Normalität und sind Wege, um mir unbewusst irgendwelche Bedürfnisse zu erfüllen.

Das tägliche Zähneputzen und die Morgentoilette sind Strategien, um mein Bedürfnis nach Gesundheit zu erfüllen und die Besuche beim Zahnarzt zu reduzieren. Das tägliche Feierabend-Bier hingegen erfüllt mein Bedürfnis nach Entspannung, manchmal auch nach Gemeinschaft und gleichzeitig ist es der Gesundheit nicht unbedingt dienlich.

Ausbrechen aus Gewohnheiten

Wenn ich entdecke, welche Gewohnheit mich „gefangen“ hält, kann ich gleichermaßen erforschen, welches Bedürfnis ich mir dadurch erfülle und wenn ich das wahre Bedürfnis erkenne, kann ich mir alternative Strategien ausdenken, um mir das Bedürfnis zu erfüllen und so aus meinem Gefängnis ausbrechen.

D.h. in folgenden Schritten kommst Du aus Deinem Gefängnis raus:

  1. Was ist die unerwünschte Gewohnheit? (z. B. die Kalorienbombe nach dem Essen, der Kaffee am Morgen, „unnötige“ Besprechungen besuchen, etc)
  2. Erforsche: Welches Bedürfnis erfüllst Du Dir durch diese Gewohnheit?
  3. Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um Dir das Bedürfnis zu erfüllen?
  4. Prüfe: Gibt es weitere Bedürfnisse, die Du Dir durch die unerwünschte Gewohnheit erfüllst und welche Möglichkeiten gibt es dafür?
  5. Prüfe: Wie fühlt es sich an aus dem Gefängnis der unerwünschten Gewohnheiten auszubrechen? (Wenn „leicht“ dabei ist, ist das gewollt 😉 )
  6. Was ist Dein konkreter nächster Schritt bzw. Deine Bitte an Dich, um neue Wege zu gehen?

Zugegeben, es mag sich leichter lesen als in Wirklichkeit umzusetzen ist. Der Weg aus dem eigenen Gefängnis wird jedoch in der Regel durch mehr Lebensgefühl und ein weiteren Schritt hin zu einem selbstbestimmteren Leben belohnt.

Gute Vorsätze fürs Neue Jahr

Wuensche

Auch wenn der Tageszähler unaufhaltsam weiter läuft, so scheint der Jahreswechsel einen Meilenstein im Leben zu markieren. Etwas „Altes“ was auch immer es war, wird abgeschlossen und etwas „Neues“ beginnt. Vielleicht kamst Du selbst zu dem Schluss, vielleicht gab es Hinweise von Freunden oder Bekannten, dass irgendwas im neuen Jahr besser oder zumindest anders laufen sollte und Du Dich deshalb von Laster oder Gewohnheiten verabschieden möchtest wie z.B. mit dem Rauchen aufhören, weniger Alkohol trinken (vor allem, wenn man am Neujahrstag völlig verkatert aufwacht), nachhaltiger Leben oder Gewicht reduzieren.

So fasst Du einen Guten Vorsatz und stellst unter Umständen schon nach kurzer Zeit fest, dass es keine Freude bereitet dem guten Vorsatz nachzukommen und verfällst wieder in die alten Gewohnheitsmuster zurück. Kommt Dir das bekannt vor?

Abschied von Gewohnheiten

Um die Chancen zu steigern sich nachhaltig von alten Gewohnheiten zu verabschieden ist es hilfreich sich zunächst mit dem alten Gewohnheitsmuster auseinanderzusetzen und einige der folgenden Fragen zu klären:

  • Wie habe ich das Gewohnheitsmuster entwickelt?
  • Welcher Glaubenssatz steckt hinter der Gewohnheit?
  • Was möchte ich erreichen wenn ich mich davon verabschiede?
  • Welches Bedürfnis erfüllte mir das Gewohnheitsmuster in der Vergangenheit?
  • Welche anderen Wege und Möglichkeiten gibt es mit auch in Zukunft diese Bedürfnisse zu erfüllen?

Es ist nun schon ein paar Jahre her, da hatte ich an Silvester beschlossen mit dem Rauchen aufzuhören. Beim Rauchen verspürte ich Leichtigkeit, meine Bedürfnisse nach Zugehörigkeit (zur Gruppe der Raucher) und nach Entspannung waren erfüllt. Vielleicht erfüllte ich mir durch die Werbebilder auch meine Vorstellung von Abenteuer und Wachstum. Außerdem war mein Appetit gezügelt, so dass ich den Genuss der Zigaretten gleichzeitig mein Gewicht kontrollieren konnte. Nach gut drei Monaten jedoch verfiel ich in alte Muster und begann wieder zu rauchen. Ein Grund war sicherlich, weil ich mir noch nicht im Klaren war, wie ich meine nun in Mangel geratenen Bedürfnisse sonst stillen kann.

Irgendwann jedoch begann ich zu Joggen und wollte immer weitere Strecken bis hin zum Marathon laufen. Durch die sportliche Aktivität hatte ich nun einen Weg gefunden mein Gewicht zu regulieren, erlebte beim Laufen selbst Entspannung, gehörte nun zur Gruppe der Sportler und meine Laufstrecken durch Feld- und Waldwege waren teilweise sehr abenteuerlich. Als ich meine Leistungsfähigkeit weiter steigern wollte, war die Raucherei eher hinderlich. So fiel es mir schlussendlich leichter mit der alten Gewohnheit zu brechen. Heute genieße ich die Freiheit, da ich mich vor Fernreisen am Flughafen nicht mehr in der Raucherkabine einsperren muss.

Wie sind Deine Erfahrungen mit eingefahrenen Wegen und Gewohnheiten? Welche möchtet ihr gerne ändern? Schreibt’s in den Kommentar.

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