Konflikte sind Lebensrealität

Im beruflichen als auch im privaten Bereich besteht nicht immer Harmonie, so dass Konflikte als Lebensrealität ein steter Begleiter sind. In Unternehmen ist der Vorgesetzte unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft seines Mitarbeiters, zwischen Unternehmen gibt es divergierende Meinungen über die Ausführung einer Beauftragung, in Partnerschaften bestehen unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Freizeitgestaltung oder der Kindererziehung, Erben fühlen sich benachteiligt bei der Aufteilung des elterlichen Vermögens, in Schulen haben Eltern und Lehrer unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Beurteilung der Kinder, usw.

Das ist völlig normal, dass die Meinungen auseinander laufen und Spannungen entstehen. Schließlich hat jeder einzelne Mensch, bedingt durch soziokulturelle Prägung, unterschiedliche Werte- und Zielvorstellungen, Gerechtigkeitsmaßstäbe und Befindlichkeiten. Diese werden unter Umständen anfangs noch nicht als Konflikt wahrgenommen werden.

Konflikteskalation

Der Konflikt kann (nach dem Modell von Glasl) über mehrere Stufen eskalieren, falls es zu keiner Lösung kommt. In der ersten Stufe kommt es zur Verhärtung. Danach werden Strategien überlegt den Anderen zu überzeugen. Es kommt zum Streit und der Druck wird erhöht in dem z.B. Gespräche abgebrochen werden. Verbale Kommunikation findet nicht mehr statt und das Mitgefühl für den anderen geht verloren.

Bei weiterer Eskalation geht es in der zweiten Stufe immer weniger um die Sache, sondern darum im Konflikt zu gewinnen, der Gegner soll seine moralische Glaubwürdigkeit verlieren und schließlich mit Drohstrategien sanktioniert werden, um die eigene Macht zu veranschaulichen.

In der letzten Stufe geht es nur noch darum dem Gegner empfindlich zu schaden, wobei dieser Schaden bereits als persönlicher Gewinn angesehen wird. Sollten diese Aktionen noch keinen Erfolg zeigen führt eine weitere Eskalation über gezielte Vernichtungsmaßnahmen schließlich dahin, dass eine eigene Vernichtung einkalkuliert wird, um dem Gegner zu schaden.

Konfliktlösungsstrategien

Im Laufe des Lebens lernt jeder Mensch wie er mit Konflikten umgehen kann und entwickelt eine Konfliktlösungsstrategie. Bei jedem Konflikt treffen nun diese unterschiedlichen Konfliktlösungsstrategien, die durch Durchsetzungsvermögen und Wille zur Mitarbeit geprägt sind, aufeinander. In Anlehnung an Ruble/Thomas lassen sich diese Strategien in folgender Matrix zusammenfassen:

Durchsetzungs-vermögenHochZwang/Durchsetzen
(Win-Lose)
Zusammenarbeit
(Win-Win)
NiedrigVermeiden
(Lose-Lose)
Nachgeben
(Lose-Win)
 Wille zur MitarbeitNiedrigHoch

Bei Zwang versucht eine Partei ihre Position im Widerstand gegen den Willen der anderen Beteiligten durchzusetzen und letztlich zu gewinnen. Die daraus resultierende Gewinner/Verlierer Lösung kann verlustreiche Folgen haben. Falls die Gegenseite nicht einsichtig ist, so kann es zu Frustration und Feindseligkeit, zum Beziehungsabbruch oder Vergeltung auf anderer Weise kommen. Die Position ist zwar durchgesetzt, der Konflikt allerdings nicht nachhaltig gelöst. Die juristische Methode, wie z.B. eine Klage beim Amtsgericht, kann gewählt werden, um die eigene Position durchzusetzen.

Beim Vermeiden wird der Konflikt weder ausgetragen noch nach einer Lösung gesucht. Man lässt quasi Gras über die Sache wachsen und hofft, dass die Zeit die Wunden heilen wird. Das gegenseitige Verständnis kann dadurch nicht wachsen und Lerneffekte bleiben aus, so dass eine Verlierer-Verlierer Situation gegeben ist.

Beim Nachgeben gibt eine Partei ihre Position zu Gunsten der anderen Partei auf, um den Konflikt zu beenden, weil man unter Umständen Furcht vor einer Niederlage im Streit hat, Furcht die Sympathie der Gegenseite zu verlieren oder darauf hofft, dass die andere Partei zukünftig in anderer Situation Zugeständnisse macht. Durch das einseitige Nachgeben entstehen Verlierer-Gewinner Situationen, die nur dann nachhaltig befriedigend sein, wenn bei der nachgebenden Partei auch die Einsicht entsteht, dass ihre Position oder ihr Verhalten falsch war.

Die Zusammenarbeit im Konflikt ist die beste Möglichkeit zu einen Gewinner-Gewinner Situationen zu kommen, da beide Parteien ihre Positionen einbringen und einvernehmliche Lösungen suchen, die ihre Bedürfnisse am Besten befriedigen. Das Mediationsverfahren unterstützt die Parteien sich zu erklären und zu den einvernehmlichen und nachhaltigen Lösungen zu gelangen.

Im Schnittpunkt der Konfliktlösungsstrategien liegt der Kompromiss, bei dem die Konfliktbeteiligten einen Teil ihres Anspruches aufgeben und Zugeständnisse machen, um den Konflikt zu beenden. Dadurch entsteht jedoch auf beiden Seiten das Gefühl nicht das optimale Ergebnis erreicht zu haben. Kompromisse entstehen oftmals beim außergerichtlichen Vergleich oder bei Schlichtungsverfahren. Auch in einer Mediation können Kompromisse geschlossen werden. Durch die Entwicklung des gegenseitigen Verständnisses entsteht jedoch das Gefühl auf beiden Seiten das optimale Ergebnis erreicht zu haben.

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