Muss I denn ….

„Muss I denn, Muss I denn, zum Städele hinaus…“ so beginnt ein volkstümlicher Liedtext eines Wanderliedes aus dem 19. Jahrhundert, das auch von Elvis Presley unter dem Titel „Wooden Heart“ gesungen wurde. In dem Liedtext geht es darum, dass ein Wanderer seine Geliebte verlassen muss, ihr jedoch verspricht treu zu bleiben und zu heiraten , wenn er zurückkehrt. Musste er wirklich weg oder dachte er nur er müsste weg?

Denkst Du nahezu täglich, dass Du irgendetwas MUSST? Also, wenn ich an Tagesabläufe zurückdenke, dann muss ich erstmal aufstehen, dann muss ich zur Morgentoilette und zum Zähneputzen ins Bad. Als nächstes muss ich dringend einen Kaffee trinken und dann muss ich anfangen zu arbeiten. Irgendwann muss ich Mittagessen und auch Feierabend machen, denn ich muss ja noch ein paar Einkäufe erledigen. Irgendwann muss ich ins Bett gehen und davor muss ich auf jeden Fall noch den Wecker stellen. Im Jahresverlauf muss ich noch Versicherungsbeiträge und auch meine Steuern zahlen. Aber MUSS ich das wirklich alles?

Klingt das nach auferlegten Zwängen, wenn ich das alles tun MUSS? Es klingt fast so als hätte eine fremde Macht die Herrschaft über mich übernommen. Wie fühlt es sich an, wenn ich etwas tun muss? Ausgeliefert? Hilflos?

Es was „tun müssen“, übersetze ich mit es „nicht tun wollen“. WILL ich selbst wieder das Steuer in die Hand nehmen? Dann lohnt es sich einen Blick auf die Bedürfnisse zu werfen, die ich mir mit den „aufgezwängten“ Handlungen erfülle.

Ja! Ich Will!

Wenn ich mir darüber im Klaren bin, welche Bedürfnisse ich mir mit meinen täglichen Handlungen erfülle, schaffe ich mir mehr Klarheit. Wenn ich etwas tun WILL, nehme ich das Ruder wieder selbst in die Hand und entscheide mich bewusst dafür es zu tun oder beginne darüber nachzudenken, welche anderen Möglichkeiten es noch geben könnte eben diese Bedürfnisse zu erfüllen. Vielleicht empfinde ich dann sogar Freude an den Aktivitäten, denn es ich bekenne mich zu diesem Weg meine Bedürfnisse zu erfüllen.

Wie schaut mein Tagesablauf aus, wenn ich die Dinge tun WILL? Ich will morgens aufstehen, denn es ist mir wichtig meine Lebenszeit mit Sinnhaftigkeit zu erfüllen. Meine Zähne will ich mir täglich putzen, damit sie mir so lange wie möglich erhalten bleiben und ich beim nächsten Zahnarztbesuch keine unangenehme Überraschung erlebe. Ich will einen Kaffee trinken, damit ich angeregt werde. Mit der Arbeit will ich beginnen, weil ich mit Sinnhaftigkeit zum Erfolg meines Unternehmens beitragen möchte, weil ich die Gemeinschaft mit den Kollegen:innen und Kund:innen schätze und weil ich dort gesehen und gehört werden will. Ich will Mittagessen, um meine Leistungsfähigkeit zu erhalten und will einkaufen, damit ich meine Speisen daheim zubereiten kann. Am Abend werde ich müde und will schlafen, um mich zu erholen und um meine Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit wieder herzustellen. Den Wecker will ich schließlich stellen, weil mir Pünktlichkeit und eine Tagesstruktur wichtig ist.

Schließlich will ich auch meine Steuern bezahlen, damit ich weiterhin von den staatlichen Einrichtungen wie Bildungseinrichtungen, Polizei, Feuerwehr, etc. profitieren kann. Ebenso die Versicherungsbeiträge, da sie mein persönliches Schadensrisiko in überschaubarem Rahmen halten.

Freie Entscheidung in drei Schritten

Der Weg zur Selbstbestimmung erfolgt in drei Schritten. Willst du es angehen? Dann notiere im ersten Schritt untereinander alle konkreten Aufgaben von denen Du denkst, dass Du sie tun musst, obwohl sie Dir keine Freude bereiten. Betrachte diese Liste im zweiten Schritt und mache Dich mit dem Gedanken vertraut, dass Du Dich dazu entschieden hast diese Dinge auf freier Entscheidung zu tun. Dr. Marshall B. Rosenberg empfiehlt vor jede Zeile „Ich habe frei gewählt ….“ zu schreiben. Mache Dir im dritten Schritt bewusst, was du eigentlich erreichen möchtest indem Du die konkreten Aufgabe erledigst bzw. welches Bedürfnis Du Dir damit erfüllst. Vervollständige schließlich den Satz in der Form: „Ich habe frei gewählt …, denn ich möchte …“.

Betrachte diese Liste und spüre nach, ob es ein Satz gibt, bei dem Du einen Widerstand wahrnimmst. Falls der Widerstand hoch ist, überlege Dir welche anderen Möglichkeiten es gibt, um Dir dieses Bedürfnis zu erfüllen. Marshall B. Rosenberg beschreibt in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“ wie er bei dieser Übung erkannte, dass er als klinischer Psychologe Patientenberichte schreiben musste. Er erkannte, dass er die Berichte nur schrieb, um sein Einkommen zu erhalten. Als er erkannte, dass Geld die Hauptmotivation war, wurde ihm klar, dass es andere Möglichkeiten gab finanziell für sich zu sorgen als Patientenberichte zu schreiben.

Wenn man etwas tun muss, dann kann es außer Geld noch andere Motivationen geben etwas zu tun, dass man eigentlich nicht gerne tut. Dazu gehören der Hunger nach Bestätigung und aus dem Wunsch heraus zu handeln gemocht zu werden. So wie Kinder ihr Zimmer vielleicht nicht aus einem inneren Bedürfnis nach Ordnung und Struktur heraus aufräumen, sondern nur weil sie geliebt werden wollen. Oder weil sie einer angedrohten Strafe entgehen möchten. Auch das Vermeiden von Scham und Schuld sind Gründe manche Dinge zu tun, die wir eigentlich verabscheuen. Letztlich bleiben noch all die Tätigkeiten, die aus Pflichtgefühl getan werden, weil sie eben von uns erwartet werden und scheinbar jede eigene Entscheidungsfreiheit ausklammern.

Fazit

Ich möchte selbstverständlich niemanden davon abhalten weiterhin Dinge tun zu müssen! Mir hilft die Sichtweise der GFK jedoch, die Dinge die ich tue und vielleicht nicht tun möchte aus einer anderen Energie heraus zu tun. So ist alles was ich erledigen MUSS prinzipiell schwer und ich finde wenig Motivation. Wenn ich jedoch etwas erledigen WILL, weil ich mir damit ein lebensdienliches Bedürfnis erfülle und ich mich auch bewusst dafür entschieden habe, dann geht die Aufgabe gleich viel leichter von der Hand.

Übrigens. Als ich mich im Jahr 2013 auf die 2.400km lange Strecke nach Santiago di Compostella begab musste ich nicht zum Städele hinaus – ich wollte.

Wie geht es Dir mit der Übung? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, was Du dank der Übung nun gerne machst oder ob es etwas gibt, dass Du immer noch tun musst.

Hab ich da ein NEIN gehört?

Warum bekommen wir nicht was wir wollen? Weil wir nicht darum bitten. Warum bitten wir nicht? Vielleicht weil nicht wir nicht wissen, wie wir unsere Bitte ausdrücken oder weil wir befürchten ein „NEIN“ zu hören. Durch die Gewaltfreien Kommunikation (GFK) haben wir gelernt wie wir sorgsam eine Bitte formulieren. Wir nennen die Beobachtung, das Gefühl und das im Mangel geratene Bedürfnis und überlegen einen Weg wie wir dieses Bedürfnis gerne erfüllt bekämen. Dann drücken wir kurz und knapp unsere Bitte aus. Und dann bekommen wir trotz der sorgfältig vorbereiteten Bitte ein „NEIN“ zu hören. Was ist passiert?

Unterschiedliche Fragestellungen.

Es gibt unterschiedliche Fragestellungen. Bei einigen reagieren wir auf ein „NEIN“ weniger empfindlich als bei anderen. Wenn ich in einer fremden Stadt bin und den Weg zum Bahnhof suche, dann frage ich nach dem Weg. Höre ich als Antwort „Nein, ich kenne den Weg nicht.“ ist unser Bedürfnis nach Orientierung immer noch nicht erfüllt, wir werden es der Person nicht verübeln. So ist es bei allen intellektuellen Fragen. Entweder ich bekomme eine Antwort oder nicht. Und wenn nicht, dann versuche ich die Antwort eben auf anderem Weg zu bekommen. Ich frage eine andere Person oder recherchiere im Internet oder in einem Lexikon.

Ähnlich verhält es sich mit Fragen, ob jemand etwas getan hat oder ein bestimmtes Land besucht hat. Warst Du schon mal Gleitschirmfliegen? Warst Du jemals auf Mallorca? sind solche Fragen. Bei all diesen Fragen ist meine emotionale Betroffenheit eher gering.

Wie schaut es jedoch aus, wenn ich jemanden darum bitte etwas zu tun was mein Leben bereichert und ich höre dann ein „Nein“? Also bei Fragestellungen wie z.B.

  • Frage an Bekannte: „Möchtest Du am Wochenende mit mir Ausgehen?“
  • Frage an Freund: „Könntest Du mir am kommenden Samstag beim Umzug helfen?“
  • Frage an Partnerin: „Könntest Du noch heute Abend den Müll zur Tonne bringen? „
  • Frage an Kind: „Wärst Du bereit Dein Zimmer bis zum Ende der Woche aufzuräumen?“
  • Frage an Vorgesetzte: „Könntest Du mir zum neuen Jahr eine Gehaltserhöhung geben? „
  • Frage an Kollege: „Könntest Du ab kommenden Monat das Projekt übernehmen?“

Wie geht es Dir, wenn Du bei einer solchen oder ähnlichen Fragestellungen ein „NEIN“ hörst? Entsteht bei Dir ein Gefühl von Ärger oder Traurigkeit, dann nimmst Du das „NEIN“ vielleicht persönlich als Ablehnung Deiner Person. Oder aber hörst Du das „NEIN“ empathisch und erkennst, dass der Befragte einfach nur gut für sich selbst sorgt.

Empathischer Umgang mit dem „NEIN“.

Wann hast Du das letzte Mal zu etwas „NEIN“ gesagt? Ich bin sicher, Du hattest gute Gründe dafür. Genauso mag es Deinem Gegenüber ergehen. Vielleicht ist das „NEIN“ nicht im Einklang mit dessen Bedürfnissen und Werten, vielleicht wurde Deine Frage als Forderung gehört oder es gibt sachliche Gründe für das Nein.

Wenn Du das NEIN empathisch hörst, dann kann jetzt eine Klärung entstehen, die zu mehr Klarheit führt. Maßgeblich ist dabei die eigene Haltung. Wenn ich das „NEIN“ höre, dann höre ich das der Betreffende „JA“ zu etwas anderem sagt. Welche Bedürfnisse werden durch dieses „JA“ erfüllt. Welche Bedürfnisse könnten bei dem anderen in den Mangel geraten? Vielleicht ist der Zeitpunkt bereits verplant und es ist der betroffenen Person wichtig zu gemachten Zusagen zu stehen. Vielleicht besteht keine Klarheit darüber, aufgrund welcher Leistungen die Gehaltserhöhung gerechtfertigt werden kann. Nachdem die Klarheit geschaffen ist, welche Bedürfnisse auf beiden Seiten erfüllt werden, kann eine Lösung gefunden werden, die die Bedürfnisse aller erfüllt.

Bei Menschen von denen ich ein „NEIN“ höre, bin ich zuversichtlich, dass sie gut für sich selbst sorgen und bin umso sicherer, dass sie, sobald sie „JA“ sagen, auch mit ganzem Herzen dahinter stehen.

„NEIN“ hören üben.

Hast Du Lust das „NEIN“ hören zu üben? Dann lade ich Dich zu folgender Übung ein.

  • Stelle Dir bitte 3 Personen aus dem beruflichen und privaten Kontext vor und überlege für jeden eine Bitte, die Du dieser Person gerne stellen würdet oder Du vielleicht schon gestellt hast.
  • Formuliere die Bitten in unterschiedlichen Qualitäten, also „Nice to have“, „Bedeutsam“, „Herzenswunsch“.
  • Stell Dir die Situationen sinnlich vor und spüre wie es sich anfühlt, wenn die Bitte erfüllt wird.
  • Suche Dir einen Übungspartner und trage Deine Bitte(n) Deinem Übungspartner einzeln vor. Dein Übungspartner hat die Anweisung einfach nur mit „NEIN“ zu antworten.
  • Bevor Du zur nächsten Frage kommst, spürt beide nach wie es ergangen ist das „NEIN“ zu sagen und auch das „NEIN“ zu hören.
    • Wie hast Du dich gefühlt?
    • Wie hat sich in diesem Moment die Verbindung zwischen Fragendem und Befragten verändert?
    • Welche Unterschiede waren spürbar bei den unterschiedlichen Qualitäten?

Übrigens gehört „NEIN hören“ zu den sogenannten GFK Prozessen. Die Übersicht dazu habe ich Dir hier verlinkt.

Magst Du mir Deine Erkenntnisse als Kommentar hinterlassen?

Strassengiraffisch

In der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) wird häufig die Giraffe als Symbolfigur für Empathie verwendet, da Giraffen die Landlebewesen mit dem größten Herzen sind. Als Gegenspieler begegnet einem im deutschsprachigen Raum der Wolf, der mit wenig Gespür für Gefühle und Bedürfnisse seine Urteile einfach rausheult. Die GFK wird auch als Sprache des Herzens oder Giraffensprache genannt. Sie orientiert sich grundsätzlich an den vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Daraus kann sich ein Satz mit folgender klassischer Struktur ergeben: „Wenn ich sehe/höre … , fühle ich mich …, weil ich brauche …. Wärst Du bereit?“. Die eher umgangssprachliche Anwendung der GFK aus einer empathischen Haltung heraus ist „Strassengiraffisch“. Dieser Artikel enthält ein paar Tipps und Beispiele sowie eine Übung zum praxisnahen Einsatz der Gewaltfreien Kommunikation.

„Being Giraffe“ versus „Doing Giraffe“

Falls Dir die Methode der GFK noch nicht in „Fleisch und Blut“ übergegangen ist und Du einen Selbstausdruck äußerst, dann mag er anfänglich vielleicht etwas „gestelzt“ klingen. Das ist völlig ok, solange die gute Absicht darauf liegt eine Verbindung herzustellen und GFK „richtig“ anzuwenden. In diesem Fall verhältst Du Dich noch wie eine Giraffe (Doing Giraffe) und wirkst vielleicht noch nicht so authentisch wie es Dir lieb wäre. Wenn Du dabei bleibst, wirst Du bald die empathische Haltung entwickeln aus der Du authentisch mit Dir selbst und Deiner Umwelt verbunden bist. (Being Giraffe)

Damit sich aus der Anwendung der Methode der GFK eine empathische Haltung entwickelt, empfehle ich diese Methode zur Selbsteinfühlung zu verinnerlichen. Am Besten Du spürst täglich bei Alltagssituationen in Dich hinein, welche Deiner Bedürfnisse gerade im Mangel und welche erfüllt sind. Vielleicht findest Du auch eine passende Bitte.

Ausdruck von Beobachtungen

Eine klare Beobachtung ist das, was widerspruchsfrei von mehreren Menschen gleichzeitg beobachtet werden kann und basiert auf ZDF, also Zahlen, Daten und Fakten, zum Beispiel: Der Wagen fährt 116km/h, Klaus wiegt 78.4kg und ist 1.69m groß, das Essen ist mit 6g Salz gewürzt.

Da diese Maßzahlen häufig nicht zur Verfügung stehen greift man umgangssprachlich gerne zu absoluten Äußerungen wie zB. der Wagen fährt viel zu schnell, Klaus ist viel zu schwer, dass Essen ist total versalzen. Der unklare individuelle Maßstab von „viel zu“ führt gerne zu Diskussionen über unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe. Ich phantasiere jetzt einen Dialog der sich in ähnlicher Form bei meinen Eltern im Auto oder bei Loriot abgespielt haben könnte:

  • Mutter: „Fahr‘ doch nicht so schnell!“
  • Vater: „Aber ich fahre doch gar nicht schnell.“
  • „Doch Du fährst viel zu schnell.“
  • Vater blickt auf den Tacho: „Ich fahre doch gerade mal 126km/h“
  • „Das sag ich doch, das ist viel zu schnell“
  • „Aber hier sind 130km/h erlaubt, also ist es gar nicht zu schnell“

Diesen Dialog könnte endlos weiterspinnen und er würde in dieser Form zu keiner Lösung führen. Außer die Mutter würde aus Not den Warnhinweis „Gleich wird mir schlecht!“ äußern.

Tipp: das Universelle „als mir“

Eine Lösung wäre bei folgender Aussage möglich: „Du fährst schneller als mir lieb ist“. Mit dieser Äußerung stelle ich eine Referenz zu meiner Wahrnehmung und gleichzeitig zu meinen unangenehmen Gefühl her. „…als mir lieb ist.“ lässt sich recht universell einsetzen:

  • Du fährst schneller als mir lieb ist.
  • Die Musik ist lauter als mir lieb ist.
  • Du sprichst lauter als mir lieb ist.
  • Der Grill raucht stärker als mir lieb ist.
  • Die Tüten sind schwerer als ich tragen kann.

Wenn ich selbst der Vergleichsmaßstab bin, kann der andere zwar immer noch anmerken, wie empfindlich oder was auch immer ich bin, meine Botschaft ist jedoch als Selbstausdruck authentisch kommuniziert. In allen Fällen wünsche ich mir, dass meine Bedürfnisse gesehen und respektiert werden.

Umgangssprachlicher Ausdruck von Bedürfnissen

Im Kern geht es in der Gewaltfreien Kommunikation um die menschlichen Bedürfnissen und Wege diese zu erfüllen. Um diese zu benennen findest Du nachfolgend ein paar Beispiele, deine Bedürfnisse auszudrücken:

  • Autonomie: „Ich möchte gerne selbst entscheiden“
  • Entwicklung: „Ich möchte gerne mal was Neues ausprobieren“
  • Einfühlung: „Ich möchte gerne mal erzählen was bei mir so los ist“
  • Entspannung: „Ich möchte jetzt gerade mal nichts tun“
  • Körperliche Bedürfnisse: „Ich brauche bald etwas zu Essen, zu Trinken, eine Dusche“
  • Individualität: „Ich möchte mich so kleiden, wie es mir gefällt“
  • Integrität: „Ich möchte nicht warten sondern meine Zeit sinnvoll nutzen“
  • Geistige Bedürfnisse (Lesen, Denken, Humor): „Ich möchte gerne meine grauen Zellen aktivierien“
  • Sicherheit: „Ich möchte gerne, dass alle Fakten auf dem Tisch liegen bevor ich mich entscheide.“
  • Schutz: „Ich will ganz sicher sein, dass mir nichts passiert.“
  • Gemeinschaft: „Ich möchte gerne mal wieder ‚unter Leute'“

Paar- bzw. Kleingruppenübung

  1. Finde 2-3 Alltagssituationen welche Du bearbeiten möchtest (~5 Min)
    • Situation in der Du jemanden auffordern möchtest sein Verhalten zu ändern, etwas zu unterlassen oder etwas zu tun (zB. Jemand drängelt sich vor; Müll rausbringen; Zimmer aufräumen)
  2. Rollenspiel (~2 Min.)
    • Spreche aus was Du in der Situation gesagt hast oder sagen würdest? (A)
    • Notiere die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
    • Notiere gegebenenfalls Triggerworte die Dir Dein Übungspartner nennt
  3. Umformulierung (~3 Min.)
    • Welche Urteile und Bewertungen stecken in der Aussage von A? Was will A konkret, dass B tut?
    • Umformuliere was Du „klassisch“ in GFK sagen würdest: Wenn ich sehe dass…, fühle ich…., weil ich brauche…..und deshalb bitte ich Dich….
    • Umformuliere in deinen Alltagssprachgebrauch, so dass es für Dich stimmig ist
  4. Rollenspiel (~2 Min)
    • A „testet“ die Reaktion in empathischer Haltung mit B/C
    • Was ist die spontane Reaktion/Gefühl deines Übungspartners? (B/C)
    • Notiere jetzt die Reaktion/Triggerworte
    • Was hat sich verändert?
  5. Rollenwechsel
    • A und B/C wechseln die Rollen und beginnen von vorne

Empathie – Power für die Seele

Löwenzahl, Pusteblume

Wenn ein Mensch in keiner guten seelischen Verfassung ist, Kummer trägt, sich schuldig fühlt oder schämt, sich fürchtet oder seinem Ärger Luft macht, ist Empathie ein wirksames Mittel, um die Seele mit frischer Power zu versorgen.

Was ist eigentlich Empathie? Empathie oder auch Einfühlung ist ein menschliches Bedürfnis und entfacht neue Lebensenergie für denjenigen der nach schwierigen Momenten empathisch gehört wird. Dazu brauche ich in erster Linie völlige Präsenz und Aufmerksamkeit, um eine Verbindung zu meinem Gegenüber herzustellen. Damit kann er auch die Verbindung zu sich selbst wieder herstellen. Die Verbindung stelle ich her indem ich zuhöre ohne die Situation des Anderen zu analysieren oder darüber nachzudenken was ich denn selbst als Nächstes sagen möchte. Beim Zuhören richte ich meinen Fokus darauf, welche Bedürfnisse in Schieflage geraten sind, um zu unterstützen die Gedanken des Leidtragenden zu ordnen. Dazu äußere ich so knapp wie möglich meine Vermutungen über ihre oder seine unerfüllten Bedürfnisse.

Das klingt erstmal einfach und ist gleichzeitig schwierig, weil wir häufig anderes gewöhnt sind. Wer kennt nicht die typischen Klassiker aus der eigenen Kindheit wie z.B. „Bis Du heiratest, ist es vergessen!“, „Ach, das hätte noch viel schlimmer kommen können“, „Das kann doch jedem Mal passieren“ usw. Das ein oder andere davon habe ich sowohl selbst gehört als auch angewendet. Das war jedoch eher ein Quick-Fix, in der Hoffnung schnell Abhilfe oder Lösungen zu schaffen als eine nachhaltige empathische Reaktion.

Wenn jemand verzweifelt ist, weil er zum Beispiel aufgrund einer Kündigung den Job verloren hat , drehen sich die Gedanken vielleicht um “ Ich habe mich doch immer eingesetzt! Warum ich?“ Als Zuhörer mag man vielleicht gerne Unterstützen darauf Antworten zu finden, jedoch ist es noch zu früh, solange der Schmerz noch groß ist. Um den Fokus einfühlsam auf das Bedürfnis zu richten, empfiehlt es sich eher zu fragen: „Bist Du verunsichert und weißt jetzt gerade nicht wie es weitergeht?“ Falls die Frage bejaht werden kann, wird auch eine erste Erleichterung wahrnehmbar sein.

Erleichterung heißt nicht, dass das Problem verschwunden ist, aber es ist ein Schritt in dieser Richtung. Vermutlich kommen noch weitere Gedanken hinzu, die ebenfalls geäußert und vor allem gehört werden wollen. Wenn alle Bedürfnisse, oder zumindest die meisten, auf dem Tisch liegen und nichts mehr gehört werden will, ist eine Klarheit geschaffen, die es ermöglicht zu fragen was es als Nächstes braucht.

Vielleicht ist es

  • Trost, um weitere Erleichterung zu schaffen und auch meine Gedanken und Gefühle zu dem Umstand zu äußern oder
  • Sympathie und ich teile mein eigenes Erleben in der Situation mit oder schildere wie ich in ähnlicher Situation gefühlt habe oder
  • ein praktischer Ratschlag was ich in der Lage tun würde.

Was auch immer es ist, das sollte der Leidtragende entscheiden!

Empathisches Zuhören üben

Empathie lässt sich mit je zwei Personen ( A und B) gerade auch außerhalb dramatischer Situationen leicht üben:

  • A erzählt 5 Minuten lang über das was gerade anliegt und B hört aufmerksam auf Gefühle und Bedürfnisse ohne Fragen zu stellen oder Notizen zu machen
  • B äußert 3 Minuten die vermutlich gehörten Gefühle und Bedürfnisse
  • A und B tauschen sich 2 Minuten darüber aus
  • B und A wechseln die Rollen, d.h. B erzählt 5 Minuten lang über ein Ereignis etc

Wer das Empathische Zuhören eine Weile geübt hat wird vielleicht auch erkennen, dass „Empathie – Berühren ohne Anzufassen“ ist.

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