Maskerade.

Maskerade, Karneval
(c) 2021 Peter H. Schmitt

Es ist wieder einmal soweit. Am 11.11. begann für alle Karnevalisten die närrische, fünfte Jahreszeit. Ohne die Covid-19 Pandemie wären bereits jetzt die „Narren“ unterwegs zu den Karnevalssitzungen, um kostümiert und ausgelassen zu feiern. In 2021 ist das anders. Die Höhepunkte der Faschingszeit zwischen der „Weiberfastnacht“ über Rosenmontag, mit großen prunkvollen Umzügen in Mainz, Köln, Düsseldorf bis Faschingsdienstag werden wohl erst wieder im kommenden Jahr erreicht. Dennoch wird auch in diesem Jahr am Aschermittwoch alles vorbei sein.

Ich erinnere mich gerne an die närrische Zeit in meiner Kindheit zurück. Ich verkleidete mich als Clown, Cowboy oder als Sherlock Holmes und hatte viel Spaß auf den bunten Kindermaskenbällen. In der Mittelstufe verkleidete ich mich einmal als Putzfrau mit Kopftuch, Perücke und Kittel. Ein paar Mädels schminkten mich so gekonnt, dass ich mit Ihnen das Kostümfest ihrer Mädchenschule mitfeiern konnte. Zumindest so lange bis ich enttarnt wurde.

Auch heute habe ich immer noch Spaß daran auf Maskenbälle zu gehen, um die ausgelassene Stimmung in Gemeinschaft zu genießen. Auch zu Entdecken in welchen Kostümierungen sich Freunde, Nachbarn und Bekannte zeigen. In diesem Blog geht es um Empathie im Alltag, ich teile meine Gedanken zur Maskerade und wie sich das Bewusstsein für Empathie anhand der Maskerade vertiefen lässt.

Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

Wenn ich an das närrische Treiben denke, stelle ich mir die Frage: Weshalb verkleiden sich die Leute so wie sie sich eben verkleiden?

Mit möglichst gruseligen Hexen-Masken endlich die bösen Wintergeister zu vertreiben, ist sicherlich ein ursprünglicher Grund für die Maskerade. In manchen Regionen Deutschlands wird diese Traditionen aufrechterhalten. Hier ist die Maskerade ein Teil der Heimatverbundenheit, der Identität.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich bei der Maskerade viel um Identität dreht. Durch die Maskerade kann jeder in eine andere Rolle schlüpfen und sich unter anderer Identität ausprobieren. So geht die Teamleiterin vielleicht als Putzfrau, um „Männer abzustauben“ und der Kfz-Mechaniker als Schiffskapitän, um die Begleitung für die große Fahrt zu gewinnen.

Möchten durch eine Verkleidung auch einfach andere Teile eigener Identität gezeigt werden? So geht der eher umtriebige Mann als Mönch oder die zurückhaltende Frau als Vamp. Vielleicht ist es aber auch genau das Gegenteil und es geht darum Teile der Identität besonders herauszustellen. So geht vielleicht der stille und besonnene Mann als Mönch und die extrovertierte Frau als Vamp.

Wie ist es für Dich?

An dieser Stelle lade ich Dich ein zu erforschen:

  • Welche Kostüme hast Du in der Vergangenheit getragen?
  • Wie würdest Du Dich gerne einmal maskieren?
  • In welche Rolle würdest Du gerne einmal schlüpfen?
  • Besteht eine Verbindung zwischen der Maskerade und Dir? Wenn ja, welche?

Welche Bedürfnisse werden durch die Maskerade erfüllt?

Jede Handlung ist eine Strategie um Bedürfnisse zu erfüllen. Welche Bedürfnisse erfüllen sich durch die Maskerade?

Ich erinnere mich noch daran, als ich einmal unmaskiert auf einen Maskenball ging. Es war in einer Zeit, als ich einfach keine Lust hatte mich zu verkleiden und dennoch feiern wollte. Da war Leichtigkeit sehr vordergründig. Als ich auf der Party ankam, fühlte ich mich wie ein „Außerirdischer“ (Achtung: bildhafte Vergleiche deuten auf Pseudogefühle hin) mit meiner Alltagskleidung. Nahezu alle Gäste waren maskiert. Obwohl ich mit Freuden unterwegs und mein Bedürfnis nach Gemeinschaft erfüllt war, so war mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit in diesem Moment im Mangel.

Beim Besuch eines Maskenballs im Fasching erfüllen sich die Bedürfnisse nach Feiern und Gemeinschaft. In dem ich mich kostümiere, gehöre ich dazu, bin ich Teil der närrischen Gemeinschaft und Teil eines größeren Ganzen. Vielleicht auch das Trauern, wenn die närrische Zeit vorbei ist und für Fastende die Zeit des Verzichts beginnt.

Bei der Gestaltung des Kostüms und vielleicht auch der Schminke, kann es um Kreativität, um Schönheit und um „Gesehen-werden“ gehen. Maskiert eine andere Rolle anzunehmen bietet auch Schutz. Je intensiver die Maskierung und die Schminke, desto höher ist der Schutzfaktor. Vor allem der Schutz der eigenen Privatsphäre. Dieser Schutz wiederum bietet eine gewisse Freiheit. Bedürfnisse wie weibliche oder männliche Identität, werden schließlich durch die Maskerade bestimmt.

Bei jeder Faschingsparty sind auch einheitlich kostümierte Gruppen wie z.B. eine Fußballmannschaft, die Schlümpfe oder Schneewittchen und die Sieben Zwerge zu sehen. Diese Gruppen erfüllen sich u.a. Gemeinschaft, Verbindung, Zugehörigkeit, Gesehen werden, Beteiligung.

Mich bringt Fasching auch immer in Verbindung mit meinem Vater und meiner Mutter, die beide in der Nachkriegszeit in Karnevalsvereinen waren und sich dort kennenlernten.

Was verbindet Dich mit Fasching und Deiner Maskerade?

An dieser Stelle lade ich Dich auch wieder ein zu erforschen, welche Bedürfnisse Du Dir durch ein bestimmte Kostümierung erfüllst oder welche Bedürfnisse sich jemand anders durch seine Kostümierung erfüllt.

  • Beschreibe die Makerade ohne sie zu bewerten. zB ein Cowboy hat einen Cowboyhut, ein Pferd, Stiefel, eine Pistole).
  • Mit welchen Attributen würdest Du die Maskerade beschreiben? Ein Cowboy ist männlich, abenteuerlustig, freiheitsliebend, einsam, naturverbunden, etc.
  • Stelle Dir vor Du wärst maskiert. Wie fühlst Du Dich maskiert?
  • Fühle Dich in die Rolle ein. Wie fühlst Du Dich in der Rolle?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen der Maskierung und der Rolle?
  • Welche Bedürfnisse erfüllt Dir die gedachte Maskerade und welche nicht? Welche Bedürfnisse sind in der Rolle erfüllt und welche nicht?

Wie erging es Dir mit der Übung? Hast Du Fragen oder möchtest gerne Erkenntnisse teilen? Dann hinterlasse einen Kommentar.

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